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Wie gesund isst Europa?

Wie gesund isst Europa? | Video verfügbar bis 20.05.2022

Die "mediterrane Ernährung" ist für die meisten Menschen gesund und erhöht die Chance auf ein langes gesundes Leben. Deshalb sagt man uns auch immer wieder: "Ernährt euch so, wie eure südlichen Nachbarn." Aber was essen die tatsächlich? Ein Blick auf den Fleischverzehr in Europa zeigt, dass in einigen Ländern, mit der als gesund gepriesenen "mediterranen Ernährung", sogar mehr Fleisch gegessen wird als in Deutschland – und hoher Fleischverzehr gilt als ungesund. Sowohl Franzosen als auch Spanier verzehren mehr Fleisch als wir Deutsche – trotzdem leben sie länger. Wie essen die Europäer im Vergleich zu uns? Und wie gesund sind sie? Wir schauen uns drei Länder genauer an: Spanien, Schweden und Deutschland.

Start in den Tag: das Frühstück

77 Prozent der Deutschen frühstücken jeden Tag, das gehört einfach dazu. Etwa jeder Dritte greift dabei zum Müsli. Doch die meisten essen Brot oder Brötchen, Butter und Marmelade, Käse- und Wurstwaren. Am Wochenende kommt dann noch ein Frühstücksei dazu – also viele Kohlenhydrate und viel Fett. Schnell kommt so schon am Morgen ein Viertel des täglichen Kalorienbedarfs zusammen.

Und  in Spanien? Da ist ganz anders: Die erste Mahlzeit des Tages ist eher übersichtlich, ein kleiner Kaffee, vielleicht ein Mandelgebäck. Herzhaftes ist kaum zu finden. Frühstück zählt zu den unwichtigen Mahlzeiten am Tag.

Das schwedische "Frukost" dagegen ist üppig: gekochter Haferbrei mit Milch, ein Glas Blaubeer-Suppe, eine Art Smoothie – der als vitaminreich und magenschonend gilt. Oft gibt es noch ein gekochtes Ei mit einer Fischeier-Paste dazu. Und dann gibt es Knäckebrot – so ähnlich belegt wie in Deutschland – aber Knäckebrot hat wesentlich mehr Ballaststoffe als unsere Weizenbrötchen. In Sachen Ausgewogenheit haben die Schweden beim Frühstück die Nase vorn. Am Vormittag legen die Schweden großen Wert auf die Obststunde. Schüler bis etwa 15 Jahre lernen, dass Obst in der täglichen Ernährung wichtig ist.

Mittags wird es deftig

Ein Koch mit einem Fleischteller
Jede Menge unterschiedliche Fleischsorten gehören in Spanien einfach dazu.

Eins haben alle drei Nationen gemein: In der Regel wird mittags warm gegessen. In Spanien kommt viel Fleisch auf den Teller. Die Fleischauswahl ist vielfältig und üppig. Am beliebtesten ist Hühnchen, aber auch Zicklein, Kaninchen, Lamm- und  Schweinfleisch oder Rind stehen auf der Speisekarte. Seit der Wirtschaftskrise ist der Fleisch-Verbrauch leicht gesunken. Dennoch liegt er 2015 noch bei stolzen 112 Kilo pro Kopf im Jahr, in Deutschland bei 88. Die Schweden haben mit 77 Kilo den geringsten Verbrauch. Doch anders als in Spanien nimmt der Fleischverbrauch in Schweden stetig zu. Der größte Teil, 40 Prozent, ist vom Schwein, gefolgt von Rind und Geflügel. In Deutschland ist Schweinefleisch richtig beliebt. Stolze 60 Prozent des Fleischverbrauchs stammen vom Schwein, gute 20 von Geflügel und knapp 15 vom Rind und Kalb.

Spanier und Schweden lieben Gemüse

Drei grüne Paprika mit einer spanischen, deutschen und schwedischen Flagge
Welche Ernährungsweise ist am gesündesten?

Bei Gemüse und Obst halten sich die Deutschen nicht nur mittags zurück. Gerade einmal jeder Vierte gibt an, täglich Gemüse zu verzehren. In Spanien und Schweden gehört frisches Gemüse und Obst viel selbstverständlicher auf den Speiseplan.

Ungesättigte Fettsäuren – gesund, aber in Deutschland selten

Ein Lachs wird in Stücke geschnitten
Im Lachs sind viel gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten.

Bei einer ausgewogenen Ernährung sollten ausreichend ungesättigte Fettsäuren enthalten sein. Denn sie sind gesund und sollen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, der Haupttodesursache in Deutschland. Ungesättigte Fettsäuren sind besonders in Oliven- und Rapsöl sowie in Seefisch enthalten. In Deutschlands Küchen steht Fisch aber ziemlich selten auf dem Tisch. Wir essen davon nur rund 14 Kilo pro Kopf pro Jahr. In Schweden sind es gute 30 und jeder Spanier isst im Schnitt sogar gute 40 Kilo Fisch im Jahr. 

Und auch beim Olivenöl haben die Spanier die Nase vorn. Über elf Liter verbraucht jeder Spanier pro Jahr. Gerade einmal ein Liter ist es bei den Deutschen. In Schweden ist es ähnlich,  doch der höhere Verzehr von Seefisch und Rapsöl könnte mit ein Grund sein, dass auch dort weniger Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu zählen sind.

Im Drei-Länder-Vergleich versterben statistisch in Deutschland die meisten Menschen in Folge von Herzerkrankungen: pro 100.000 Einwohner jährlich 155 Personen. In Schweden sind es 139 Todesfälle und in Spanien gerade einmal 72 Herztote.

 Abendbrot in Deutschland: Viele Kohlenhydrate und wenig Frisches

Belegtes Knäckebrot
Mit Tee und Knäckebrot geht in Schweden der Tag zu Ende.

Kaum ist die Siesta in Spanien vorüber, denkt man in Schweden bereits ans Abendessen. Gegen 17 Uhr trifft sich die Familie nach der Arbeit und der Ganztagsschule zu einer warmen Mahlzeit. Das ist etwa ein Gulasch oder Fisch-Gericht. Danach geht jeder vielleicht noch einer Sportaktivität nach, um dann um 20 Uhr noch einmal in ein herzhaft belegtes Knäckebrot zu beißen und dazu einen Tee zu genießen. An deutschen Tischen trifft sich die Familie zum Abendbrot. Und wie der Name schon sagt, steht da natürlich Brot auf dem Tisch. Käse, Wurst und vielleicht noch ein Alibi-Gürkchen. Ganz typisch, ganz statistisch: viele Kohlenhydrate und wenig Frischzeug. Gesunde, ungesättigte Fettsäuren sind schon wieder kaum zu finden.

Am Abend wie ein Bettelmann? Fehlanzeige!

Ein Mann hält ein Baby im Arm
Die Lebenserwartung hängt auch mit der Ernährung zusammen.

Was in Deutschland als extrem ungesund gilt gehört zur spanischen Lebensart: Vergleichsweise spät, wieder warm und ziemlich viel zu essen. Es kommen noch einmal eine Menge Fleisch- und Fisch-Gerichte auf den Tisch, oft mit viel Olivenöl zubereitet. Es wird genüsslich und lange gegessen, ein Glas Wein gehört dazu. Ob das der Schlüssel für ein langes, gesundes Leben ist? Wissenschaftlich ist das nicht bewiesen und es gibt viele Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen: Die Gene, wie viel wir uns bewegen, Stress und und und. Die Statistik sagt jedenfalls, die Spanier werden mit durchschnittlich 83 Jahren am ältesten in Europa. Die Schweden werden im Durchschnitt 82 Jahre und die Deutschen 81 Jahren alt.

Autorin: Celia Baumgart (HR)

Stand: 19.05.2017 21:30 Uhr

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Sa, 20.05.17 | 16:00 Uhr
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