SENDETERMIN Sa, 20.05.17 | 16:00 Uhr | Das Erste

Experiment: Drei Probanden testen drei Ernährungsweisen

Experiment: Drei Probanden testen drei Ernährungsweisen  | Video verfügbar bis 20.05.2022

Kann man als gesunder, normalgewichtiger Mensch eigentlich etwas falsch machen beim Essen? Klar, Übergewicht muss man vermeiden, das ist ungesund, aber wenn die Kalorienmenge stimmt, ist es dann nicht egal, was wir essen? Wir machen dazu ein Experiment: Drei gesunde, schlanke Männer testen für uns drei Ernährungsweisen – jeweils eine Woche lang: Eine Woche viele gesättigte Fette, also Fleisch und  Milchprodukte, eine Woche Mittelmeerkost mit viel Gemüse und pflanzlichen, ungesättigten Fetten und eine Woche viele Kohlenhydrate. Unser Test wird wissenschaftlich begleitet von Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke.

Unser Testdesign

Jeweils zu Beginn und am Ende jeder Testwoche müssen unsere drei Testpersonen zur Blutabnahme. Die Wissenschaftler bestimmen unteranderem die Blutfette, also Cholesterin und Triglyceride, Harnsäure- und Entzündungswerte. Diese Werte zeigen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Gicht an. Außerdem durchlaufen sie jedes Mal einen zweistündigen Zuckerbelastungstest, in dem überprüft wird, wie und in welcher Zeit ihr Körper eine hochkonzentrierte Zuckerlösung verarbeitet. Bleibt der Zucker zu lange im Blut, ist das ein Hinweis auf den Beginn einer Diabeteserkrankung. Die Ausgangsblutwerte unserer Testpersonen sind gut, alle sind gesund.

Während unseres Versuchs soll ihr Gewicht möglichst stabil bleiben. Dr. Kabisch hat deshalb für alle drei Teilnehmer den täglichen Kalorienbedarf ermittelt. An diesen Wert müssen sie sich halten – egal ob sie hauptsächlich fette kalorienhaltige Lebensmittel zu sich nehmen oder viel Gemüse. Damit unsere Ergebnisse nicht verfälscht werden, essen unsere Probanden nach jeder Testwoche eine Woche lange so wie sie normalerweise essen. Man nennt das Auswaschwoche.

Ernährungsexperiment  Woche 1: Fett satt

Jens G.
Jens liebt Fett, aber bekommt es ihm auch?

Unsere drei Testpersonen verzehren reichlich tierische Fette, also Fleisch, Wurstwaren, Milchprodukte und Eier. In den meisten Ernährungsempfehlungen wird geraten, diese Produkte nur in Maßen zu essen. Am schlechtesten kommt Ceyhan mit dem Essen klar, es schmeckt ihm nicht. Jens dagegen fühlt sich richtig wohl. Für Carsten ist es zunächst ungewohnt, doch er arrangiert sich.  Und wie haben sie es gesundheitlich vertragen? Was sagen die Blutwerte?  

Ergebnisse nach Woche 1

Bei Ceyhan sind die Fettwerte leicht angestiegen, trotzdem liegen die Werte noch gut im Normalbereich. Jens Blutwerte haben sich dagegen sogar verbessert. Er gehört offenbar zu den 20 Prozent der Menschen, die Fette sehr gut verstoffwechseln können. Carstens Fettwerte sind weitgehend stabil geblieben. Alle anderen Werte sind bei unseren drei Testpersonen nahezu unverändert.

Für unseren betreuenden Arzt ist das Ergebnis ein wenig überraschend: Dr. Stefan Kabisch hätte erwartet, dass die Fettwerte im Blut bei allen Probanden deutlich nach oben gehen. Denn das passiert bei vielen Menschen bereits nach kurzer Zeit. Besonders auf Dauer kann sich solch eine Ernährung negativ auswirken – jedenfalls bei den meisten von uns.

Ernährungsexperiment Woche 2: Essen wie am Mittelmeer

Olivenöl tropft auf einen Salat
Fetter als gedacht: die Mittelmeerkost.

Essen wie am Mittelmeer heißt es in unserer zweiten Testwoche – also viel Gemüse, pflanzliche Proteine, Fisch, Obst und  Olivenöl, das ungesättigte Fette enthält. Diesmal dürfen unsere Probanden vergleichsweise viel essen, um auf ihre berechnete individuelle Kalorienmenge zukommen. Diese Woche ist Ceyhan voll in seinem Element, er isst auch sonst sehr ähnlich. Körperlich fühlen sich alle wohl, auch wenn Jens es nicht geschafft hat, wirklich lecker ohne Fleisch zu kochen.

Ergebnisse nach Woche 2

Die mediterrane Kost gilt als gesunde Kost – das ist durch Studien auch belegt. Dr. Kabisch rechnet damit, dass sich das auch in den Blutwerten zeigen wird. Ceyhans Blutwerte sind  relativ stabil geblieben, das hat Dr. Kabisch auch nicht anders erwartet, weil Ceyhan sich sonst auch mediterran ernährt. Bei Jens sind die Fett- und Zuckerwerte noch einmal deutlich runter gegangen. Aber bei Carsten gibt es eine Überraschung: Seine Zuckerwerte sind schlechter geworden, obwohl er sein Gewicht gehalten hat. Solche Fälle kommen vor, sagt Dr. Kabisch, mediterrane Kost mag im Mittelwert für die Mehrheit der Gesellschaft gesund sein, aber es gibt Menschen, bei denen das nicht so ist. Lebensmittel werden nicht von jedem gleich verstoffwechselt.

Ernährungsexperiment Woche 3: Kohlenhydrate satt , darunter auch viel Süßes

Burger, Pommes Frites und Berliner auf einem Tellerr
Alles, was Kinder gerne mögen – wie bekommt das unseren Testpersonen?

Unsere drei Testpersonen dürfen jetzt in Gebäck, Süßigkeiten, aber auch Brot- und anderen Getreideprodukten schwelgen, außerdem Kartoffeln in jeder Form essen. Das klingt erst mal sehr lecker für unsere Probanden. Allerdings: Mit mehr Zucker werden die Portionen kleiner. Denn die Drei dürfen nach wie vor nicht zunehmen.  Die Begeisterung ebbt bei ihnen auch schnell ab. Carsten fühlt sich schlapp, Ceyhan hat schlechte Laune und Jens bekommt schnell wieder Hunger. Das hat durchaus einen Grund. Kohlenhydrate baut der Körper in kurzer Zeit ab, die Energieversorgung schwankt relativ stark. Schnell kommt der Hunger nach dem Essen wieder.

Ergebnisse nach Woche 3

Alle sind froh, dass diese Woche geschafft ist. Die Zuckerwerte sind bei allen okay, eine Verschlechterung des Zuckerstoffwechsels bei Gesunden ist in aller Regel nicht so schnell zu erwarten. Aber Carstens und Ceyhans Fettwerte sind gestiegen, die Triglyceride haben sich verdreifacht. Das ist durchaus eine normale Reaktion auf viele Kohlenhydrate erklärt Dr. Kabisch. Wenn Kohlenhydrate im Übermaß vorhanden sind, werden sie im Körper in Fett umgewandelt.  Trotzdem sind die Werte immer noch im Normalbereich. Jens Blutwerte zeigen sich hingegen wieder völlig unbeeindruckt.

Drei Männer, drei Ergebnisse

Dr. Stefan Kabisch (li.) und Jens G.
Menschen können mit unterschiedlichen Ernährungsweisen gesund bleiben.

Jens, der Sportliche, kann eigentlich alles essen. Carsten kommt am besten mit den gesättigten Fetten klar. Für Ceyhan ist die Mittelmeerkost optimal. Eine interessante Erkenntnis für die drei Testpersonen. Menschen können mit unterschiedlichen Ernährungsweisen gesund bleiben. Ernährungswissenschaftler erforschen zunehmend die genetischen Unterschiede zwischen den Menschen, die offenbar deutliche Auswirkungen auf die Verarbeitung von Nährstoffen haben können. Trotzdem ist die Mittelmeerkost eine gute Orientierung für die meisten. Die Zutaten der mediterranen Küche sorgen für eine ausgewogene Ernährung und machen gleichzeitig satt. Im Vergleich zu einer Ernährung mit Kohlenhydraten ist es z.B. sehr viel leichter, sein Normalgewicht zu halten. Und das ist eine gute Voraussetzung für ein gesundes Leben.

Autorin: Anja Galonska (HR)

Stand: 19.05.2017 21:35 Uhr

Sendetermin

Sa, 20.05.17 | 16:00 Uhr
Das Erste