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Autoglas: Glasbruch und -reparatur

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Autoglas: Glasbruch und -reparatur | Video verfügbar bis 24.09.2020

Ein kleiner Stein kann eine große Wirkung entfalten – das kennen viele Autofahrer aus eigener Erfahrung. Oft bekommt man es nicht einmal mit, wenn etwas in die Windschutzscheibe einschlägt. Doch hat man den anfangs oft unscheinbar kleinen Schaden entdeckt, sollte man ihn möglichst schnell beheben lassen. Ein Steinschlag in der Scheibe hat nämlich die lästige Tendenz, sich auszubreiten. Ab einer gewissen Größe ist es mit einer Reparatur nicht mehr getan, dann muss eine neue Scheibe eingesetzt werden.

Evolution der Windschutzscheiben

Verbundglas grafisch dargestellt.
Verbundglas: Die Kunststofffolie zwischen den Scheiben sorgt für Stabilität.

Die ersten Autos hatten noch Frontscheiben aus herkömmlichem Glas. Da die Scheiben noch verhältnismäßig klein und die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge damals nicht sehr hoch waren, konnte man damit durchaus fahren. Gefährlich wurde es aber, wenn diese Windschutzscheiben zerbrachen. Die großen, spitzen und scharfen Scherben konnten zu schlimmen Verletzungen führen.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam dann ein Franzose auf eine Idee, die das Autofahren sicherer machen sollte: 1909 ließ sich der Chemiker Edouard Bénédictus ein Verfahren patentieren, mit dem die erste Verbundglasscheibe hergestellt wurde. Zwei Glasscheiben wurden nacheinander mit einer Gelatine- und Cellulose-Schicht überzogen, dann mit einer Celluloidschicht in einem Spiritusbad zusammengelegt und zuletzt von einer hydraulischen Presse bei hohen Temperaturen miteinander verklebt. Das erste Verbundsicherheitsglas war erfunden. Bis es zum ersten Mal in Europa in einem Auto eingebaut wurde, dauerte es aber noch einige Jahrzehnte. Fortschrittlicher zeigte man sich in den USA. Dort ließ Henry Ford bereits zwischen1919 und 1929 alle seine Fahrzeuge mit den von Edouard Bénédictus entwickelten Verbundscheiben ausrüsten.

Unterschiedliche Sicherheitsgläser

Eingeschlagene Scheibe an der Fahrerseite eines Autos.
Seitenscheiben bestehen bis heute aus dem charakteristisch bröckelnden Einscheibensicherheitsglas.

In Europa hingegen bestanden Windschutzscheiben bis Ende der 1970er-Jahre aus Einscheibensicherheitsglas (ESG), Seitenscheiben werden bis heute daraus gefertigt. Gegenüber normalem, unbehandeltem Glas hat es den Vorteil, dass es nicht in große Scherben zerbricht. Aber auch die kleinen Glasbruchstücke in die das ESG zerfällt, haben scharfe Kanten und können im schlimmsten Fall Augen und Haut verletzen.

Brecheisen wird auf eine Windschutzscheibe geschlagen.
Selbst mit einem Brecheisen lässt sich eine Verbundglasscheibe nicht einschlagen.

Seit den 1980er-Jahren werden Neuwagen in Deutschland standardmäßig mit Frontscheiben aus Verbundglas ausgerüstet. Diese Scheiben bestehen aus drei Teilen. Das Verfahren ähnelt dem des FranzosenBénédictus noch heute. Nur das anstelle von Gelatine und Cellulose jetzt eine durchsichtige, reißfeste Kunstofffolie mit der inneren und der äußeren Glasscheibe "verbacken" wird. Die Folie verhindert, sogar bei einem Unfall, dass sich die Frontscheibe in Splitter auflöst und den Insassen entgegen kommt, denn die Scherben bleiben daran kleben.

Steinschlag bleibt nicht ohne Folgen

Sternförmiger Steinschlag auf einer Windschutzscheibe
Sternförmiger Steinschlag: Risse mit Ausbreitungstendenz.

Doch bei aller Stabilität kann ein kleiner Schaden die Struktur der Windschutzscheibe trotzdem ins Wanken bringen – zum Beispiel ein Steinschlag. Das Problem: Glas ist spröde. Es ist sehr fest und lässt sich kaum verbiegen. Schlägt ein Stein also auf eine Scheibe, kann diese das nicht abfedern. Das Glas zerbricht an dieser Stelle. Durch diesen Bruch entstehen Spannungen in der Scheibe. Es reichen schon kleinere Belastungen aus, um die Risse immer weiter zu vergrößern. Fahrten über holprige Straßen zum Beispiel oder große Temperaturschwanken in der Scheibe können dazu führen, dass aus einem kleinen Steinschlag ein großer Riss wird.

Das lässt sich bei frühzeitiger Reparatur des Steinschlags in der Regel vermeiden. Zulässig ist das allerdings nur, wenn der Schaden nicht zu groß, der Riss nicht zu lang ist und nicht im Sichtfeld des Fahrers liegt. In solchen Fällen muss die ganze Scheibe ausgetauscht werden.

Glasschäden lassen sich versiegeln

Ein Steinschlag muss nicht zwangsläufig von einem Autoglaser oder einer Spezialwerkstatt geflickt werden. Diese Reparatur führen die meisten Autowerkstätten durch und es gibt sogar Selbsthilfe-Sets dafür.

Als erstes muss der Bruch im Glas gereinigt werden. Am besten mit einer Spezialflüssigkeit, die Staub und Splitter bindet und schnell wieder abtrocknet. Zum Einfüllen des kunstharzhaltigen Reparaturgels in den Steinschlag gibt es unterschiedliche Systeme. Allen gemein ist, dass sie mit Vakuum arbeiten, damit das Kunstharz auch in die feinsten Verästelungen des Risses im Glas eindringen kann. Die reparierte Stelle wird dann mit UV-Licht bestrahlt, damit das Kunstharz schnell aushärtet. Während des chemischen Prozesses gehen die Moleküle des Reparaturgels feste Bindungen untereinander und mit den Bruchkanten des Glases ein. So füllt das Kunstharz die entstandene Lücke im Glas aus und gibt ihm so die strukturelle Festigkeit zurück. Der Schaden im Glas ist zwar weiter sichtbar, aber er ist nun so versiegelt, dass er sich nicht mehr weiter vergrößert.

Autorin: Julia Schwenn (NDR)

Stand: 26.09.2015 16:06 Uhr

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