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Was hilft gegen Falten?

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Was hilft gegen Falten? | Video verfügbar bis 26.03.2020

Runzeln, Falten, Altersflecken - unsere Haut zeigt von allen Organen und Körperteilen am deutlichsten, wie alt wir sind. Die Wahrnehmung von Alter und Altern hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Rentner tragen modische Kleidung, "Best-Ager" probieren neue Trendsportarten aus und "Omas" nutzen Smartphones und Tablets.

Gerade weil das "Jungbleiben" mittlerweile fast Alltag ist, scheint sich das Verhältnis zu den eigenen Falten eher noch zu verschärfen. Die neue Formel könnte lauten: Alt sein ist okay - alt aussehen nicht. Im vergangenen Jahr gaben die Kunden nach Angaben des VKE Kosmetikverbandes knapp 200 Millionen Euro für Anti-Aging-Produkte aus - allein in Deutschland. Für den weltweiten Markt gehen die Schätzungen von 100 Milliarden Euro aus. Alles nur, um möglichst nicht alt auszusehen.

Gewagte Versprechen

Ein Mann cremt sein Gesicht ein.
Sie ist ein echtes Multitalent und gilt als Spiegel der Seele - unsere Haut!

Viele Kosmetika suggerieren mit ihren Werbeversprechen, dass die Haut durch die Anwendung des Anti-Aging-Produkts deutlich jünger und vitaler wirkt. Oftmals handelt es sich um blumige Ankündigungen. Wo aber Tatsachenbehauptungen wie "reduziert signifikant die Faltentiefe" aufgestellt werden, müssen diese durch seriöse Studien belegt sein. Nach einer EU-Verordnung vom Juli 2013 kann irreführende Werbung untersagt werden. Als Negativ-Beispiel wird oft die vollmundige Reklame eines Herstellers genannt, die eine "60 prozentige Faltenreduzierung" versprach. Hinter dieser Behauptung stand eine Studie in der sechs von zehn Probanden angaben, sie hätten eine Verbesserung bemerkt. Daraus eine 60 prozentige Faltenreduktion abzuleiten, ist nicht mehr zulässig.

Halbseitig, doppelt blind und sehr exakt

An der Universität Hamburg werden Kosmetikprodukte auf Verträglichkeit und Wirksamkeit untersucht; nicht im Auftrag der Hersteller, sondern als unabhängige Forschungsprojekte. Um ein besonders objektives Ergebnis zu bekommen, testen die Wissenschaftler die Kosmetika "halbseitig und doppelt blind". Das bedeutet, dass die Probanden je eine Gesichtshälfte mit dem Kosmetikum inklusive Wirkstoff und eine Gesichtshälfte mit derselben Creme ohne Wirkstoff einreiben. Welches Präparat welches ist, wissen weder die Probanden, noch die Wissenschaftler, die die Kandidaten betreuen. Deshalb heißt das Studiendesign "doppelt blind".

Zudem wird bei jedem Teilnehmer vorher per Zufallsgenerator ausgelost, ob Produkt A oder B auf die linke Gesichtshälfte geschmiert wird. Das ist wichtig, weil die Haut im Gesicht auf der linken Seite schneller altern kann als auf der Rechten. Der Grund: Die linke Gesichtshälfte ist bei Erwachsenen, die viel Autofahren, stärker dem Sonnenlicht ausgesetzt.

Die rechte Hälfte liegt stets im Schatten des Autodachs. UV Strahlung verstärkt die Hautalterung enorm. So kommt es zu frappierenden Unterschieden. Ein besonders eklatanter Fall wurde 2012 im New England Journal of Medicine publiziert. Der Lkw- Fahrer William Edward McElligott steuerte in den Vereinigten Staaten 28 Jahre lang einen Milchwagen. Sonnencreme benutzte er nicht - mit erschreckendem Resultat: Die linke Gesichtshälfte des 72-Jährigen wirkt sehr viel älter als die Rechte. McElligott ist sicher ein Extrembeispiel, doch solche Einflussfaktoren können das Ergebnis einer Studie auch in geringerer Ausprägung stark verzerren. Deshalb werden die Gesichtshälften bei Untersuchungen an der Hamburger Uni im Losverfahren bestimmt.

Landkarte vom Gesicht

Scan des Gesichts einer Probandin
Mithilfe eines Scan bekommen Forscher Aufschluss über die Wirkung von Antifaltenprodukten.

Um die Wirkung eines Anti-Aging Produktes zu erfassen, messen die Forscher an der Universität Hamburg die Faltentiefe auf wenige Tausendstel Millimeter genau. Im sogenannten Primosverfahren wird die Haut gescannt. Heraus kommt ein Relief, eine Art 3D-Landkarte der untersuchten Hautpartie. Die Methode ist so exakt, dass sogar die Rauigkeit beziehungsweise Glätte der Hautoberfläche damit erfasst werden kann. So lassen sich selbst kleinste Veränderungen objektiv dokumentieren.

Da die Studien meist nur über acht bis zwölf Wochen laufen, sind viele Effekte in der kurzen Zeit mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Doch die dreidimensionale Landkarte zeigt, ob Falten und Fältchen flacher geworden oder sogar ganz verschwunden sind. Zudem machen die Forscher vor, während und nach der Studie standardisierte Fotos von den Probanden. Durch eine spezielle Analysesoftware lassen sich damit unter anderem UV Schäden oder Pigmentverschiebungen sichtbar machen.

Alter, siehst du jung aus!

Es gibt mehrere Faktoren, die unsere Haut alt oder jung erscheinen lassen. Falten gehören natürlich dazu. Jüngere Haut ist dicker, elastischer und kann mehr Feuchtigkeit speichern. Deshalb prägen sich bleibende Falten erst ein, wenn diese Elastizität verloren geht. Parallel dazu nimmt meist der Glanz der Haut ab. Das liegt an einer gewissen Rauigkeit, die durch trockene, leicht schuppige Oberhaut entsteht.

Zudem wird die Haut dünner - ab dem 25. Lebensjahr jährlich um circa ein Prozent. Und sie wird im Alter immer schlechter durchblutet. Die Folge ist ein pergamentartiger, blasser Eindruck der Haut, der mit Alter assoziiert wird. Außerdem ergeben sich im Laufe der Jahre oft Pigmentverschiebungen und Altersflecken. Anti-Aging-Produkte, die diese Symptome bekämpfen wollen, müssen in ihrer Wirkung tief ansetzen.

Das geht unter die Oberhaut

Haut (Grafik)
Unsere Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut.

Die Haut besteht aus drei Schichten, der Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis) und der Unterhaut (Subcutis). Bei junger Haut ist die Epidermis mit der Dermis gut verzahnt. In der Dermis, der Lederhaut, befindet sich ein dichtes Gewebe aus flexiblen Kollagen- und Elastin-Fasern. Sie machen diese mittlere Hautschicht elastisch und geschmeidig. Außerdem speichern sie Feuchtigkeit. Im Laufe der Zeit ermüden oder brechen die Kollagen- und Elastin-Fasern. Der Körper ersetzt den Schaden.

Doch mit fortschreitendem Alter dauert die Bildung neuer Fasern länger. Die Haut wird weniger elastisch, trockener, an der Epidermis rauer und insgesamt dünner. Es gibt einige Faktoren, die diesen Prozess noch beschleunigen. Rauchen sowie zu viel UV-Strahlung bewirken zum Beispiel, dass die Alterungsprozesse in der Haut verstärkt ablaufen. Es gibt jedoch auch Stoffe, die die Zellerneuerung in der Haut wieder ankurbeln und so in der Tiefe wirken.

Was hilft?

Bekannt ist, dass Vitamin A und Vitamin A-Säure gegen Falten helfen. Die Wirkung wurde eher zufällig entdeckt. Vitamin A-Präparate werden vor allem gegen Akne eingesetzt. Irgendwann fiel den Ärzten auf, dass bei älteren Patienten neben der Akne auch die kleinen Fältchen um die Augen herum verschwanden. Da Vitamin A-Säure als verschreibungspflichtiges Medikament eingestuft ist, nutzen einige Kosmetikhersteller den Ersatzstoff Retinol. Er bewirkt in der Haut die Bildung von Vitamin A-Säure. Allerdings können sowohl Retinol, als auch direkt eingenommene Vitamin A-Säure zu Rötungen und Juckreiz führen. Das betrifft vor allem ältere Frauen nach der Menopause.

Dennoch ist Vitamin A Säure mittlerweile der Goldstandard. Das heißt, neuere Anti-Aging-Produkte müssen sich an der Wirksamkeit von Vitamin A-Säure messen lassen. Auch hochdosiertes Vitamin C kann den Kollagenstoffwechsel anregen. Dasselbe gilt für Peptide, kleine Eiweiße, die in den Zellen ihre steuernde Wirkung entfalten und die Produktion elastischer Fasern anregen können.

Tiefenwirkung oder Oberflächlichkeiten?

Die Gesichtshaut einer Probandin wird untersucht.
Die Universität Hamburg hat eine Studie zu einem Antifaltenprodukt durchgeführt.

Die Frage bei allen Wirkstoffen ist immer: Wie gelangen sie in die tieferen Hautschichten? Denn die Epidermis ist eine natürliche, sehr effektive Barriere. Ihre oberste Schicht besteht aus dicht an dicht liegenden Hornschuppen. Von unten wachsen beständig neue Hautzellen nach, die dann absterben, austrocknen und ihrerseits zu Schuppen werden - Ein sich ständig erneuernder Hornpanzer. Er schützt vor mechanischen Verletzungen.

Zudem sind die Zellschichten darunter so dicht, dass Pilze, Viren und Bakterien in der Regel nicht einfach in die Haut eindringen können. Daher haben es Cremes und Tinkturen ebenfalls schwer, ihre Wirkstoffe bis ins Kollagen- und Elastin-Gewebe der Lederhaut zu bringen.

Stille Post der Hautzellen

Hautwachstumsfaktoren in der Haut (Grafik).
EGFs senden Signale in der Oberhaut.

Einen neuartigen Ansatz verfolgen die Hersteller eines isländischen Anti-Aging-Serums. Es nutzt Hautwachstumsfaktoren, sogenannte EGFs (Epidermal Growth Factor). Diese Wachstumsfaktoren steuern bei Kindern und Jugendlichen die Hautbildung. In dem Kosmetikum sollen sie nun bei den älteren Kunden die Erneuerung der elastischen Fasern in der Lederhaut bewirken. Dabei dringen die EGFs gar nicht bis zur Lederhaut vor. Sie lösen das Signal zur Hauterneuerung vielmehr bereits in den obersten Schichten der Epidermis aus.

Die dortigen Zellen melden es an die Nachbarzellen weiter. Eine Signalkaskade setzt sich bis in die Lederhaut fort. Dort wird die Faserproduktion hochgefahren. Dieser Wirkmechanismus ist seit langem bekannt. 1986 bekam der Biochemiker Stanley Cohen dafür den Medizinnobelpreis. Nun wird das Prinzip erstmals in Europa für ein Anti-Aging-Produkt eingesetzt.

Unabhängige Studie

Prof. Martina Kerscher von der Universität Hamburg
Prof. Martina Kerscher von der Universität Hamburg hat das Produkt eines isländischen Herstellers untersucht.

Prof. Martina Kerscher von der Universität Hamburg hörte auf einer Vortragsreise von dem Produkt. Sie bat den isländischen Hersteller um Proben für eine Studie. Um auszuschließen, dass eine etwaige Wirkung durch den reinen Pflegeeffekt der fettigen Creme beziehungsweise durch das kurzzeitige Auffüllen der Hornschicht-Feuchtigkeit ausgelöst sein könnte, testeten die Forscher die Grundsubstanz des Serums ohne Wirkstoff (Vehikel) gegen die Grundsubstanz mit Wirkstoff (Verum).

Im halbseitigen doppelt blind Verfahren konnten sie nachweisen, dass das Produkt tatsächlich die Faltentiefe reduziert und die Hautdicke wieder erhöht hatte. Bei Pigmentverschiebungen oder Altersflecken war hingegen kein Unterschied festzustellen. Der Hersteller kann nun guten Gewissens mit der Anti-Aging-Wirkung werben. Die Universität Hamburg hat die Studie selbst bezahlt und unabhängig geforscht. Ein Sonderfall, denn die meisten Kosmetikhersteller geben ihre Studien in unabhängigen Prüfinstituten in Auftrag und zahlen dafür.

Autor: Björn Platz (NDR)

Stand: 28.04.2015 17:18 Uhr