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Influencer – wie Online-Verkäufer das Internetshopping beeinflussen 

Influencer – wie Online-Verkäufer das Internetshopping beeinflussen  | Video verfügbar bis 11.11.2022

Seit etwa 2007 kursiert der Begriff Influencer in der Marketing-Welt: Influencer sind Netzberühmtheiten, wie zum Beispiel Blogger, die aufgrund ihrer Bekanntheit, ihres An- oder Aussehens viele Follower oder Fans haben. Über die sozialen Medien ist ihr Einfluss auf diese Zielgruppe groß, sie sind glaubwürdige Identifikationsfiguren. Das gibt ihnen Werbewert vor allem bei jüngeren, netzaffinen Zielgruppen, die kaum noch mit klassischer Werbung erreichbar sind. Sie bringen nicht nur Produkte ins Gespräch, viele fungieren zugleich auch als Berater, Produkttester, Models oder Fotografen. Die Erfolgreichen unter ihnen werden längst über spezialisierte Werbeagenturen vermittelt und verdienen gutes Geld. Wenn sie ihre Follower mit Marken und Images in Kontakt bringen, wirken ihre Botschaften oft wie persönliche Vorlieben. Influencer ist ein Job geworden. Beruf: Beeinflusser.

Vom Laien zum Werbestar

Junge Männer auf Fotos
Für Unternehmen besonders wertvoll – coole Jungs oder Mädchen mit viel Einfluss.

Influencer beeinflussen nicht unbedingt nur das Kaufverhalten ihrer Fans, es kann auch um Werte oder Lifestyle gehen. Sie genießen (noch) eine höhere Glaubwürdigkeit, als zum Beispiel Werbefiguren, die in klassischen Spots oder Anzeigen auftreten und Produkte anpreisen: Influencer müssen authentisch wirken, ihren Fans nahe sein, fast wie ein Freund. Findet so einer etwas gut, dann kann es nicht schlecht sein. Viele Influencer haben irgendwann angefangen Kosmetik, Klamotten, Fitnessprodukte, Musik, Lebensmittel aus freien Stücken, ganz ohne Bezahlung, zu testen. Davon wurde ein Video gedreht oder ein Foto geknipst und gepostet. Dadurch haben manche eine große Fangemeinde aufbaut, die ihnen in den sozialen Medien folgen, Follower eben.

Unternehmen schätzen inzwischen die Reichweite der Influencer im Netz – und noch wichtiger: ihre Glaubwürdigkeit. Inzwischen gibt es Agenturen die ganze Kataloge von Influencern anbieten: für jedes Unternehmen, jede Branche ist einer dabei, zu jedem Preis. Einige mit vielen Tausenden Followern, die Stars mit Millionen. Manche davon entwickeln mit Unternehmen bereits eigene Produktreihen.

Was Unternehmen von Influencern profitieren

Mit den Influencern werden Kooperationen geschlossen: Eine Marke wird in verschiedenen Formen auf den Seiten der Influencer eingebunden, mal mehr, mal weniger auffällig. Zudem schicken Unternehmen ihre Influencer inzwischen um die ganze Welt: auf Ausstellungen, Events oder Festivals. Die Influencer helfen ihnen dabei, effektiver zu kommunizieren, denn sie bekommen direktes Produkt-Feedback von ihren Anhängern. Die Influencer sind so nah am Kunden wie kein noch so gut bezahlter Consultant es sein könnte. Dennoch wirken sie unabhängig, cool und lebensnah.

Kampf um Glaubwürdigkeit

Laptop auf den Beinen eines Mannes
Influencer als Job – als Markenbotschafter düsen manche um die ganze Welt.

Es gibt aber immer wieder auch mal Unmut bei Followern, der Vorwurf: Schleichwerbung. Oft bleibt unklar, ob ein Produkt dem Influencer wirklich gefällt – oder ob eine bezahlte Kooperation hinter einer "Empfehlung" steckt. Verbraucherzentralen mahnen Unternehmen ab, die sich des Influencer-Marketings bedienen. Die Forderung: Auch in Blogs, auf Instagram oder in Videos auf Youtube müsse Werbung auch als Werbung deutlich gekennzeichnet werden. Das wiederum stößt manchem Influencer auf, der keine reine Werbefigur sein will. Die Übergänge sind fließend, doch manche übertreiben es offenbar und posieren für eine solche Vielzahl von Produkten, das von normalen Werbefiguren kaum noch zu unterscheiden sein. Von Produkt-Tests oder gar unabhängiger Produktbewertung ist das oft weit entfernt. Vielen Fans scheint es aber relativ egal zu sein. Hauptsache neu, cool und: käuflich.

Autor: Julian Prahl (NDR)

Stand: 13.11.2017 14:31 Uhr