SENDETERMIN Sa, 14.04.18 | 16:00 Uhr | Das Erste

Klärwerk: Die Suche nach besseren Filtern

PlaySascha Rödel
Klärwerk: Die Suche nach besseren Filtern | Video verfügbar bis 14.04.2023 | Bild: BR

Die Gesellschaft wird älter und damit steigt auch der Medikamentenkonsum – auf 30.000 Tonnen pro Jahr. Das Problem daran: Manche Wirkstoffe, wie das Schmerzmittel Diclofenac, lassen sich schon im Trinkwasser nachweisen, denn die Kläranlagen können sie nicht herausfiltern. Umweltwissenschaftler tüfteln daher in einer Pilotanlage im bayerischen Weißenburg an einer Technik, mit der sie hoffen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Der erste Reinigungsschritt: die Ozonierung

Werner Reifenhäuser
Werner Reifenhäuser vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. | Bild: BR

Der zentrale Bestandteil der neuen, sogenannten vierten Reinigungsstufe ist ein Ozonreaktor. In ihm werden die äußerst stabilen Verbindungen der Medikamentenrückstände aufgespalten. Bei hormonellen Substanzen, aber auch bei den Schmerzmitteln funktioniert das sehr gut. Weniger zufrieden sind die Stoffanalytiker vom Bayerischen Landesamt für Umwelt dagegen mit den Abbauergebnissen bei den blutdrucksenkenden Mitteln. Sie fürchten außerdem, dass durch die Ozonierung neue, schädliche Stoffe entstehen können.

Aktivkohlefilter: effektiv, aber teuer

Animation: Aktivkohlefilter
Aktivkohlefilter sind effektiv aber kostspielig. | Bild: BR

Das Team in Weißenburg setzt daher auf einen weiteren Reinigungsschritt: Er basiert auf einem Aktivkohlefilter, der die Reststoffe aufnimmt. Das Verfahren hat sich in anderen Versuchsanlagen bereits bewährt. Es hat aber einen gravierenden Haken. Nach spätestens zwei Jahren ist die Kohle gesättigt und muss aufwändig gereinigt werden. Das ist wenig umweltfreundlich und für die Kläranlagen langfristig zu teuer.

Die Hoffnung der Forscher: ein sich selbstreinigender Bio-Filter

Sascha Rödel
Umweltwissenschaftler Sascha Rödel hofft auf die Kraft von Mikroorganismen. | Bild: BR

Die Wissenschaftler wollen daher ein neuartiges Filtersystem testen, bei dem sie auf die Kräfte der Natur hoffen. Sie haben beobachtet, dass sobald die Kohle gesättigt ist, auf ihrer Oberfläche sich ein Biofilm aus Mikroorganismen bildet. Er baut die Reststoffe zumindest teilweise ab. Das hat den großen Vorteil, dass die Kohle sich selber reinigt und deshalb weniger häufig ausgetauscht werden muss.

Ob das Verfahren auch im großtechnischen Stil funktioniert, wird sich etwa in einem Jahr zeigen, wenn auf der Kohle im Klärbecken der Biofilm gewachsen ist. Möglicherweise wäre das der Durchbruch, auf den die Wissenschaftler schon lange warten, um in den Kläranlagen die Medikamentenrückstände aus dem Wasser effektiv und kostengünstig zu beseitigen.

Autorin: Sabine Frühbuss (BR)

Ansprechpartner:
Werner Reifenhäuser
Landesamt für Umwelt
Bürgermeister-Ulrich-Straße 160, 86179 Augsburg
Tel. (0821) 90 71 53 00

Dipl.-Ing. Sascha Rödel
Universität der Bundeswehr München
Institut für Wasserwesen, Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik
Werner- Heisenberg-Weg 39, 85577 Neubiberg
Tel. (089) 60 04 34 99
E-Mail: sascha.roedel@unibw.de

Stand: 14.04.2018 12:49 Uhr