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Highlights der Lügengeschichte

Highlights der Lügengeschichte | Video verfügbar bis 01.04.2022

Streng genommen ist Lügen natürlich verwerflich und darum abzulehnen. Trotzdem gibt es immer wieder Meisterlügner, deren Einfallsreichtum und Chuzpe uns schwer beeindruckt. Ein paar Beispiele:

Der Cardiff Giant

Cardiff Giant
George Hull blamierte mit dem falschen Riesen einen Pfarrer

Der Spaß daran, andere herein zu legen, ist vermutlich so alt wie die Menschheit, doch der amerikanische Tabakwarenhändler George Hull investierte in seinen Streich deutlich mehr Zeit und Geld als andere Scherzbolde. Was hatte er angestellt? Im Oktober 1869 stießen Arbeiter, die auf einer Farm bei Cardiff im Staat New York einen Brunnen graben wollten, auf eine drei Meter lange versteinerte Leiche. So glaubten sie jedenfalls. Experten eilten von nah und fern herbei, um die archäologische Sensation zu bestaunen. Ziemlich schnell stellten sie fest: Der Riese war eine Fälschung.

Hull hatte den steinernen Giganten bei einem Bildhauer in Chicago in Auftrag gegeben, der ihn dann aus einem Block Gips meißelte. Um ihn besonders echt wirken zu lassen, stach der Künstler sogar Abertausende winziger Poren in die "Haut" des Riesen. Anschließend brachte Hull die Statue nach Cardiff und verbuddelte sie dort auf der Farm seines Vetters - und zwar ein volles Jahr bevor die Arbeiter ihn finden sollten.

Anlass für diesen elaborierten Streich: Als Hull einmal seine Schwester besucht hatte, geriet er in Streit mit einem ebenfalls anwesenden Priester. Dieser bestand darauf, dass die Bibel historisch wörtlich zu nehmen sei. Und da in Genesis 6,4 von Riesen berichtet werde, habe es auch die selbstverständlich gegeben. Seine Kosten spielte Hull übrigens durch Eintrittsgelder für die Besichtigung des Gipsriesen wieder ein.

Victor Lustig: Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte

Victor Lustig neben dem Eiffelturm
Lustig gab sich als Vizedirektor des für den Eiffelturm zuständigen Postministeriums aus.

Dem aus Böhmen stammenden Trickbetrüger Victor Lustig gelang im Jahre 1925 ein sensationelles Kunststück: Er verkaufte den Eiffelturm – gleich zweimal. Der Turm, erbaut für die Weltausstellung 1889, war zu diesem Zeitpunkt bei den Parisern nicht sehr beliebt. Viele fanden, er störe das Stadtbild. Lustig gab sich als Vizedirektor des für den Eiffelturm zuständigen Postministeriums aus und lud sechs sorgfältig von ihm ausgewählte Altmetallhändler in ein Pariser Hotel ein. Er erklärte, dass er mit dem Verkauf des Turms beauftragt sei und nunmehr Gebote annehmen werde. Die Schrotthändler waren jedoch zunächst misstrauisch, so dass Lustig noch einmal nachlegte: Er ließ durchblicken, dass er als schlecht bezahlter Staatsbeamter natürlich eine kleine Provision für seine Dienste erwarte. Ausgerechnet das überzeugte dann einen der Altmetallkönige davon, dass Lustig tatsächlich mit dem Verkauf beauftragt sei.

André Poisson, so der Name der Händlers, hoffte durch den Kauf sein gesellschaftliches Renommee zu steigern und zahlte Lustig eine nicht genau bekannte Summe. Als er merkte, dass er herein gelegt worden war, war ihm das zunächst so peinlich, dass er sich nicht an die Polizei wandte. Das erlaubte es Lustig die gleiche Nummer einen Monat später mit einer neuen Gruppe Schrotthändler zu versuchen. Dieses Mal aber ohne Erfolg. Lustig floh in die USA, wo er später sogar mal Al Capone übers Ohr haute.

Hitler-Tagebücher: Kujaus "Stern-Stunde"

"Stern"-Titelseite mit den Hitler-Tagebüchern
Auch der Fälscher Konrad Kujau wurde Opfer von Fälschern.

Der deutsche Kunstfälscher Konrad Kujau hätte 1983 fast die deutsche Geschichte umgeschrieben. Oder zumindest die Geschichtsforschung arg durcheinander gebracht. Denn Kujaus Opus Magnum waren die angeblichen Tagebücher von Adolf Hitler. Kujau hatte bereits in den 1970er-Jahren erfolgreich eigene Gemälde als Werke Hitlers ausgegeben. Das machte ihn bekannt in Sammlerkreisen von Weltkriegs- und Nazidevotionalien. So wurde über Umwege auch der Stern-Reporter Gerd Heidemann auf ihn aufmerksam. Der Rest ist Mediengeschichte: Der Stern machte eine Riesensensation aus dem vermeintlichen Fund und blamierte sich bis auf die Knochen.

Nach seiner Haftentlassung wurden echte Kujaus – Gemälde, die dem Stil berühmter Maler nachempfunden waren, aber von Kujau mit eigenem Namen signiert wurden – begehrte Sammlerobjekte. Ironie der Geschichte: Bald tauchten von anderen Nachahmern gefälschte Kujau-Bilder auf.

Frank Abagnale Jr.: Catch Me If You Can

Frank Abagnale Jr.
Frank Abagnale Jr. – König der Trickbetrüger

Der letzte Meisterlügner war so erfolgreich, dass Steven Spielberg ihm einen eigenen Film widmete. Frank Abagnale Jr. war einer der erfolgreichsten Hochstapler des 20. Jahrhunderts. Zwischen seinem 17. und 21. Geburtstag gab er sich erfolgreich als Pilot der PanAm aus, arbeitet als Anwalt und sogar als leitender Arzt in einer Notaufnahme. Seine Haupteinnahmequelle waren gefälschte Schecks, mit denen er nach eigenen Angaben rund zweieinhalb Millionen Dollar ergaunerte. Vorgeworfen wurden ihm deutlich höhere Summen, konnten ihm jedoch nicht nachgewiesen werden. Nach seiner Verhaftung im 1969 und Verbüßung von fünf Jahren seiner zwölfjährigen Haftstrafe engagierte ihn das FBI als Experten und Sachverständigen für Scheckfälschungen.

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 30.03.2017 10:46 Uhr

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Sa, 01.04.17 | 16:00 Uhr
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