SENDETERMIN Sa, 30.05.15 | 16:00 Uhr

Die TOP 5 der Erdbeobachtung

Die TOP 5 der Erdbeobachtung | Video verfügbar bis 28.05.2020

Satelliten beobachten unseren Planeten. Doch sehen sie dabei nicht nur das für uns sichtbare Licht, sondern auch Radarstrahlung, UV-Strahlung und Infrarot. Diese Daten liefern auf den ersten Blick rätselhafte Bilder. Eine kleine Auswahl:

Das Interferogramm einer Naturkatastrophe

Der Flughafen von Kathmandu und wie ihn ein Radarsatellit sieht.
Kathmandu nach dem Erdbeben.

Vor und nach dem Erdbeben in Nepal nahm der Satellit Sentinel-1A Radarbilder von der Region aus. Legen Forscher beide Bilder übereinander, entsteht ein sogenanntes Interferogramm. Jede Farblinie ist eine Bodenbewegung von einigen Zentimetern.

Übersicht über Nepal und Region als Interferogramm.
Je dichter die Linien, umso stärker die Bewegung der Erde.

Ein Beben der Stärke 7,5 erschütterte Nepal am Morgen des 25. April. Durch einstürzende Häuser und Straßen starben mehr als 8.600 Menschen. Das Satellitenbild zeigt die geologischen Auswirkungen. So wurde die gesamte Region um Nepal durch das Beben bewegt. Kathmandu traf es besonders stark. Die Hauptstadt von Nepal ist um ganze zwei Meter nach Norden verschoben worden.

Das Mississippi Delta in Falschfarben

Falschfarbenbild des Mississippi Deltas mit Ölspuren.
Das Rote ist in Wirklichkeit grüne Vegetation, silbern schillert das Öl auf dem Wasser.

Auf einem Falschfarbenbild des Mississippi-Deltas leuchtet die grüne, üppige Vegetation des Marschlandes rot, während sich Öl auf dem Meer als silberne Streifen abzeichnet.

Am 20. April 2010 explodierte die Ölplattform Deppwater Horizon im Golf von Mexiko. Über 800 Millionen Liter Öl strömten ins Meer und schädigten die Fisch und Pflanzenwelt der Region nachhaltig. Mithilfe von Satellitenbildern konnten die Strömungen, die den Ölteppich an die Küsten trugen, ermittelt werden. Das half, die Rettungsaktion für das einzigartige Küstengebiet des Mississippi-Deltas zu koordinieren.

Berliner Hauptbahnhof in Bewegung

Bunte Punktwolke, die Konturen des Bahnhofs bildet
So sieht der Berliner Hauptbahnhof auf Bildern eines Radarsatelliten aus.

Es sind viele Tausend Messwerte, die über ein Jahr lang von der Oberfläche des Hauptbahnhofs Berlin genommen wurden. Farben von blau bis rot geben die Stärke der Bewegung dieser Messpunkte an. So stellt sich heraus, der Bahnhof bewegt sich durch die unterschiedlichen Temperatureinflüsse in der Vertikalen um vier Zentimeter, in der Horizontalen um über zwei Zentimeter.

Berlin in Radarmesspunkten
Berlin in Radarmesspunkten.

Im Januar 2007 hebt der Orkan Kyrill einen zwei Tonnen schweren Stahlträger der Außenfassade aus seiner Verankerung. Der Träger war weder verschweißt noch verschraubt, um sich bei Wärmeausdehnung besser bewegen zu können und dabei das Stahlskelett des Bahnhofs nicht zu deformieren.

Radarauswertungen von Gebäuden könnten in Zukunft wichtige Anhaltspunkte für die Planung und Entwicklung von Stahlkonstruktionen liefern.

Schneisen im Dschungel

Bläuliche Balken auf braunem Hintergrund
Geometrisch exakte Schneisen im Dschungel.

Das Bild erscheint zuerst wie ein Balkendiagramm. Es ist eine Satellitenaufnahme des bolivianischen Regenwaldes, von Arealen, die dort gerodet wurden. Regenwaldflächen werden von der Kleinbauern oder Konzernen zugunsten von Weide- oder Ackerland gerodet, für die Holz-, Fleisch und Sojaproduktion.

Sowohl Behörden als auch Umweltschutzorganisationen haben mit Satellitenbildern ein gutes Instrument, um die Abholzung besser zu kontrollieren.

Bunte Reisfelder

Mosaikartiges Bild
Falschfarbenbild von Reisfeldern in der Türkei.

Die Farben auf dem Falschfarbenbild stehen für die Höhe der Pflanzen, die dort wachsen. Blau sind die Flächen, auf denen noch keine Reispflanze aus dem Wasser gewachsen ist, rot hingegen sind zwei Meter hohe Ähren.

Die Reispflanze wächst, ähnlich anderen Getreidearten, in die Höhe. Mit Hilfe diesen Daten will man Erträge noch vor der Ernte berechnen und drohende Nahrungsknappheit voraussagen.

Autor: Sebastian Funk (WDR)

Stand: 30.05.2015 12:56 Uhr