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PFCs – Keine Perle der Natur

PFCs - Keine Perle der Natur | Video verfügbar bis 28.10.2021

PFCs verseuchen zunehmend unseren Planeten, sie sind längst überall nachweisbar – auch in unseren Körpern. Die rein synthetischen Stoffe haben einige sehr nützliche Eigenschaften, machen zum Beispiel Kleidung wasserabweisend – doch sind die Chemikalien auch extrem langlebig: Sie können nicht biologisch abgebaut werden und reichern sich in der Umwelt immer weiter an. So kann es nicht weitergehen, denn PFCs stehen im Verdacht Krebs auszulösen und die Fruchtbarkeit zu schädigen.

Wofür werden PFCs verwendet?
Die Eigenschaften von PFCs sind geradezu optimal für die Herstellung von Jacken, Schuhen oder auch Pizzakartons und Kaffeebechern: Oberflächen, die damit bestreichen lassen, wird wasser- und schmutzabweisend. Besonders häufig findet man PFCs deshalb auch in Imprägniersprays. Auch bei der Herstellung von antihaftbeschichteten Pfannen werden PFCs verwendet.

Zur Gruppe der PFCs (per- und polyfluorierte Chemikalien) zählende Substanzen sind wasserlöslich und hochmobil. Von Pflanzen werden sie leicht über die Wurzeln aufgenommen und reichern sich in deren Blättern und/oder Früchten an. Genaue Untersuchungen dazu laufen zurzeit im hessischen Landeslabor und in Feldversuchen in Baden-Württemberg. Nach ersten Erkenntnissen landet beim Mais besonders viel in den Blättern, weniger in den Körnern. Bei Erdbeeren dagegen gelangen die Stoffe wohl auch in größeren Mengen in die Frucht. Südlich von Karlsruhe musste deshalb schon die Landwirtschaft stark eingeschränkt werden, da hier 400 Hektar Ackerbaufläche als PFC-verseucht gelten. Die örtlichen Behörden lassen jede betroffene Ernte untersuchen.

Trinkwasserversorgung akut bedroht

Das PFC-belastete Grundwasser erreicht in zwei bis vier Jahren das Hauptwasserwerk von Rastatt.
PFCs dringen problemlos ins Grundwasser vor.

Im gleichen Gebiet kämpft der Rastatter Wasserversorger mit PFC-belastetem Grundwasser. Von drei Wasserwerken mussten bereits zwei außer Betrieb gesetzt werden, da die Grenzwerte überschritten wurden. Doch auch dem letzten verbleibenden Wasserwerk droht die PFC-Kontamination. Messungen haben ergeben, dass sich im Grundwasserstrom eine PFC-Welle auf dieses Werk zubewegt, mit einem Meter pro Tag. In zwei bis vier Jahren, je nach Witterung und Grundwasserstärke, wird PFC-verseuchtes Grundwasser das Werk erreichen. Unter Hochdruck wird deshalb ein Ersatzwerk mit Aktivkohlefiltern ausgerüstet. Außerdem wird eine Leitung zum benachbarten Wasserversorger gelegt, um zur Not die 50.000 Einwohner Rastatts darüber versorgen zu können. Vier Millionen Euro hat das alles bisher gekostet.

Keiner weiß, wo es herkommt

Eine Karte zeigt, wo im Rheingraben zwischen Schwarzwald und Rhein der Boden mit PFC belastet ist.
Mehr als 400 Hektar gelten als PFC-belastet.

Es gibt weitere Fälle in Deutschland, bei denen das Grundwasser direkt oder durch kontaminierte Böden mit PFCs verseucht wurde. Rund um Rastatt ist es bisher am schlimmsten. Über die Ursachen dieser "PFC-Hotspots" wird noch gestritten. Unter besonderem Verdacht steht in diesem Fall verunreinigter Kompost, der auf viele Felder ausgebracht wurde. Aber auch eine direkte Freisetzung aus Industriebetrieben ist nicht auszuschließen. Ohnehin gibt es keine komplett PFC-freien Ökosysteme mehr, denn die Substanzen verbreiten sich auch durch die Luft in der ganzen Welt, ausgehend von den überwiegend in Asien gelegenen Fabrikationsstätten. In Europa wurde die PFC-Produktion nahezu komplett eingestellt.

Jeder hat es im Blut

Nach Angaben des Umweltbundesamtes finden sich nachweisbare Mengen von PFC im Blut eines jeden Menschen in Deutschland. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch in den USA. Greenpeace zufolge findet sich PFC inzwischen auch in weit abgelegenen Orten, wie Gebirgsgletschern oder auf Grönland. Egal wo sie sind, PFCs sind komplett synthetisch und können nicht biologisch abgebaut werden. Sie verbleiben somit für immer in der Umwelt. Eine Entsorgung ist nur in einem Hochtemperaturofen bei minestens 900 Grad möglich, oder in einem Hochdruckverfahren. Ein grönländischer Gletscher lässt sich damit aber nicht von PFC befreien.

Kontakt:
Christoph Schulte
Umweltbundesamt
Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Autor: Niels Walker (NDR)

Stand: 01.11.2016 17:39 Uhr