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Häuser aus Recyclingbeton schonen Umwelt

Häuser aus Recyclingbeton schonen Umwelt | Video verfügbar bis 26.08.2022

Formschön, hochmodern – und gebaut mit Recyclingbeton: Der neue Forschungs- und Laborkomplex der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte, das Rhoda-Erdmann-Haus. Mit diesem Bauwerk hat Berlin Neuland betreten. Denn der Senat hat hier zum ersten Mal ein öffentliches Gebäude mit Recyclingbeton errichten lassen – 5.500 Kubikmeter davon wurden insgesamt verbaut. Durch den Einsatz von aufbereitetem Abrissbeton will das Land ein Zeichen für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft setzen.

Beton ist der Baustoff Nummer Eins

Hochhaus-Fronten in Berlin
Beton-Quelle: In die Jahre gekommene Hochhaus-Fronten in Berlin.

Allein in Berlin fallen jedes Jahr rund eine Million Tonnen Abrissbeton an. Aber auch anderswo sind viele Nachkriegsbauten in die Jahre gekommen, manche entsprechen nicht mehr den aktuellen architektonischen Anforderungen. Einfach abreißen? Klar, das geht. Doch wohin mit dem Schutt? Der wurde lange auf Mülldeponien entsorgt. Heute landet ein Großteil immerhin als Untergrund im Straßenbau. Doch Beton ist dafür viel zu schade – fast kein Neubau kommt ohne ihn aus. Rund 47 Millionen Kubikmeter Beton werden in Deutschland jedes Jahr verbaut, berichtet der Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie. Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist Beton der Baustoff Nummer Eins in Deutschland.

Bauschutt-Recycling schont die Umwelt

Baustoffrecycler Walter Feeß
Walter Feeß ist überzeugter Baustoffrecycler.

Neuen Beton aus Abrisshäusern zu gewinnen, daran war lange nicht zu denken. Denn Bauschutt ist ein Gemisch aus vielen Stoffen, die mühsam getrennt werden müssen. Viel zu schwierig, hieß es. Dass es doch geht, zeigt Walter Feeß aus Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg. Der Unternehmen ist überzeugter Baustoffrecycler. "Wenn man Bauabfälle aufbereitet, bringt das einen enormen Mehrwert für die Umwelt", sagt Feeß. Je näher Bauschutt am Abrissort aufbereitet und wieder verbaut wird, desto mehr Verkehr wird eingespart. Doch Betonrecycling reduziere nicht nur Transportwege, erklärt Feeß. Es schone auch die natürlichen Ressourcen, weil "wir dem Stein ein zweites Leben geben".

Bauschutt sortieren und schreddern

Steine fallen von einem Förderband
Eine stabile Verbindung in der Betonmischung entsteht nur, wenn von jeder Größe ausreichend Steine vorhanden sind.

Das zweite Leben der Steine beginnt im sogenannten Brecher. Diese Anlage schreddert die eingefüllten Bauschuttbrocken nach und nach klein. Metall und andere Fremdstoffe werden dabei so weit wie möglich aussortiert. Am Ende bleiben Recyclingsteine über. Diese müssen für den Hausbau mindestens einen Durchmesser von zwei Millimetern haben. Der Recyclingsand, der beim Schreddern übrig bleibt, darf in Gebäuden nicht verbaut werden. Er gilt als zu unrein und weniger belastbar als natürlicher Sand. Doch wie belastbar sind die Recyclingsteine?

Recycling-Steine durchlaufen eine Qualitätsprüfung

Hände schütten Steinprobe auf das oberste Sieb eines Siebturms.
"Recyclingbeton hat die gleiche Qualität wie normaler Beton", sagt Expertin Angelika Mettke.

In einem Prüflabor müssen die Recycling-Steine ihre Qualität unter Beweis stellen. Für die Baustoffprüfung wird eine Probe der Steine in ihre Bestandteile zerlegt. Weil es dafür keine Maschine gibt, geschieht das per Hand. Die Sortierung zeigt, ob die zulässigen Grenzwerte für Fremdmaterialien eingehalten werden, oder ob zum Beispiel zu viel Glas, Ziegel oder Asphalt in der Mischung steckt. Dann wäre die Festigkeit gefährdet. Bei einem anderen Test kommt die komplette Gesteinsprobe in einen Siebturm. Er trennt die verschiedenen Steingrößen von einander. Denn eine stabile Verbindung in der Betonmischung entsteht nur, wenn von jeder Größe ausreichend Steine vorhanden sind. Wie gut Recyclingbeton ist, hat die Baustoff-Expertin Angelika Mettke mehrfach prüfen lassen. Ihr Resümee: "Recyclingbeton hat die gleiche Qualität wie normaler Beton." Er sei absolut gleichwertig. "Da gibt es überhaupt keine Einschränkung", urteilt die Professorin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Recyclingbeton: gleiche Verarbeitung, ähnliche Kosten

Beton-Mischer von oben, Rotorblätter rühren Beton an
Steine werden mit Sand, Wasser und Zement zu Beton verrührt.

Die geprüften Recycling-Steine werden in einem Betonwerk weiterverarbeitet. Sie ersetzen die natürlichen Steine aus den Kieswerken – beim Hausbau erlaubt der Gesetzgeber bis zu 45 Prozent Austausch. Die Steine werden mit Sand, Wasser und Zement zu Beton verrührt. Die Verarbeitung ist die Gleiche wie bei herkömmlichem Beton. Und die Kosten? Trotz des großen Recyclingaufwands "schaffen wir es, den Recyclingbeton zu etwa dem gleichen Preis anzubieten wie Beton aus primären Rohstoffen", berichtet Hagen Aichele vom Betonhersteller Holcim Süddeutschland.

Umwelteffekte sprechen für Recyclingbeton

Fassade des Rhoda-Erdmann-Hauses in Berlin
Häuser aus Recyclingbeton schonen unsere Umwelt und sind ein sinnvoller Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Was aber bringt Recyclingbeton genau für die Umwelt? Das hat Angela Mettke am Beispiel des neuen Forschungsgebäudes der Berliner Humboldt-Universität berechnet. Das Ergebnis: Der Einsatz von Recyclingbeton hat 880 Quadratmeter Kiesbaufläche erhalten, 66 Prozent weniger Energie verbraucht und 4,4 Tonnen CO2-Emissionen erspart. Mettke: "Alles spricht dafür, zukünftig mehr mit Recyclingbeton zu bauen." Fazit: Häuser aus Recyclingbeton schonen unsere Umwelt und sind ein sinnvoller Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Gute Gründe, den Altbeton-Schatz in unseren Städten zu heben.

Autorin: Martina Janning (SWR)

Stand: 25.08.2017 20:21 Uhr