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Rotfeuerfisch bedroht Artenvielfalt der karibischen Riffe

Rotfeuerfisch bedroht Artenvielfalt der karibischen Riffe  | Video verfügbar bis 11.01.2023 | Bild: BR

Die karibischen Riffe gehören zu den artenreichsten Ökosysteme unserer Erde – zwischen bunten Korallenstöcken leben mehrere hundert Fischarten in einem sensiblen Gleichgewicht. Doch in vielen Riffe ist es leer geworden, seit vor circa zehn Jahren ein gefährlicher Eindringling auftauchte. Der eigentlich im Pazifik auf der anderen Seite des Globus heimische Rotfeuerfisch entkam aus einem Aquarium und vermehrte sich explosionsartig.  Dieser beindruckende und schöne Fisch ist ein bis zu 40 Zentimeter langer, quer gestreifter Räuber mit langen Brustflossenstacheln, die sich wie ein Fächer um den ganzen Fisch ziehen.

Rotfeuerfisch
Rotfeuerfische bedrohen die Fischvielfalt in den karibischen Riffen. | Bild: BR

Er entwickelte sich zu einem "echten Teufel" der Unterwasserwelt. Denn Rotfeuerfische fressen alles und sind eine Bedrohung für viele einheimische Arten geworden. Erschwimmt mit aufgestellten Flossen langsam auf sein Opfer zu, vollführt eine Art Tanz, reißt sein Maul auf und saugt es ein. Inzwischen zählen Wissenschaftler bis zu 400 Tiere pro Hektar – 15 mal mehr als im Pazifik. Wegen seiner giftigen Stacheln meiden karibische Raubfische wie Hai und Zackenbarsch den Einwanderer, er hat in der Karibik keine natürlichen Feinde.

Räuber wie der Zackenbarsch verschmähen Rotfeuerfisch

Zackenbarsch
Werden einheimischen Raubfische, wie der Zackenbarsch, auf den Geschmack kommen?  | Bild: BR

Der Biologe Nicholas Bach vom Roatan Nationalpark kennt die traurigen Fakten: Ein ausgewachsener Rotfeuerfisch frisst bis zu 50 Kleinfische am Tag. Inzwischen ist der Rotfeuerfisch in alle karibischen Lebensräume vorgedrungen, sogar in die Mangroven, die Kinderstube vieler Fischarten. Analysen seines Mageninhaltes haben ergeben: Auf seinem Speisezettel stehen mehr als 50 Arten, auch die Jungtiere so seltener Räuber wie Barrakuda oder Zackenbarsch.

Der Kampf gegen den Rotfeuerfisch in drei Stufen

Jahrelang haben Biologen in der Karibik nur eine verzweifelte Strategie: Sie gehen mit Harpune bewaffnet ins Wasser und schießen auf jeden Rotfeuerfisch. Aber das reicht nicht.  Für die Rettung der Unterwasserwelt hat Nicolas Bach einen Mehrstufen-Plan entwickelt:

Phase 1:  Er rekrutiert eine Armee aus Freitzeittauchern. Mit Harpunen zu hantieren ist nicht ungefährlich, deswegen sind Kokosnüsse in den ersten Trainingseinheiten das Ziel. Über 1.000 Taucher hat alleine Nick inzwischen zu treffsicheren Schützen ausgebildet. Doch die Erfolge sind begrenzt, denn die Fische lernen schnell, die Taucher mit ihren Luftblasen zu erkennen und zu meiden. 

Phase 2: Eine Großoffensive. Die Freitzeittaucher sollen öfter ins Wasser und Restaurants mit den leckeren Rotfeuerfischen versorgen. Aber für Taucher wird es ab 40 Meter gefährlich. In der Tiefe und in abgelegene Riffen bleiben die Invasoren also ungestört. 

Hai frisst Rotfeuerfisch
Das Maul des Hais ist gegen die Giftstacheln des Rotfeuerfischs unempfindlich. Das muss er nur lernen. | Bild: BR

Phase 3: Auf vielen karibischen Inseln versuchen Wissenschaftler, die einheimischen Raubfische so zu trainieren, dass sie die Einwanderer als Beute akzeptieren.  Sie sollen lernen: Ihr Maul ist gegen die Giftstacheln unempfindlich. Wenn man den Räubern die Beute vor die Nase hält, dann fressen sie sie tatsächlich.  Vielleicht gelingt es so, die einheimischen Raubfische auf den Geschmack des pazifischen Einwanderers zu bringen und diesen damit in Schach zu halten. Denn alleine kann der Mensch den Vormarsch der Rotfeuerfische nicht mehr aufhalten. Doch dazu braucht es ein noch größeres Umdenken, denn die großen Raubfischarten stehen selbst unter Druck. Große Schutzgebiete sind erforderlich, um die Bestände zu schützen.  

Autor: Florian Guthknecht (BR)

Stand: 11.01.2018 17:07 Uhr

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