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Was hilft wirklich gegen Schnarchen?

Was hilft wirklich gegen Schnarchen? | Video verfügbar bis 07.03.2020
Werbung für eine Nasenklammer gegen Schnarchen.
Ein Anti-Schnarchprodukt von vielen: die Nasenklammer

Egal ob Öle, Sprays, Pflaster oder Nasenklammern – wenn es ums Schnarchen geht, gibt es nichts, was es noch nicht gibt. Ein lukrativer Markt der Anti-Schnarchprodukte, doch nur die wenigstens helfen wirklich. [W] wie Wissen hat sich die Klassiker unter den Strategien gegen’s Schnarchen genauer angeschaut.

Ein Pflaster für die Nase

Vergleichsweise günstig sind zum Beispiel Nasenpflaster. Vier bis acht Euro zahlt man für zehn Stück. Einfach aufzukleben ist es auch, außerdem stört es beim Schlafen kaum. Ist es damit der perfekte Kandidat gegen das Schnarchen? Nein, sagt Dr. Joachim Maurer, Leiter des  schlafmedizinischen Labors an der Uniklinik Mannheim. Er behandelt täglich Schnarchpatienten. Ein Nasenpflaster könne zwar das Atmen durch die Nase erleichtern, aber damit sei das Schnarchproblem nicht beseitigt, denn: „das Schnarchen entsteht nicht in der Nase, sondern im Bereich des Gaumensegels, der Zunge und des Rachens.“ In der Tat: Im Schlaf entspannt die Gaumenmuskulatur. Zunge und Gaumenzäpfchen erschlaffen.  Beim Atmen vibriert das Zäpfchen – auch die Innenwände des Rachens können mit vibrieren. So entsteht das lästige  Schnarchgeräusch – hat mit der Nase aber nichts zu tun.

Mund zu als Schnarch-Stop?

Mann mit Kinnbinde
Bringt Schnarchern allein nur wenig: die Kinnbinde.

Auch Kinnbinden versprechen Besserung. Elastische Binden, die sich der Schnarcher vorm Zubettgehen anziehen soll. Tatsächlich geben die meisten Schnarcher an, vor allem mit offenem Mund zu schnarchen, denn, auch der Kiefer ist im Schlaf völlig entspannt. Da müsste eine Kinnbinde, die den Mund zuhält, doch Wunder bewirken? Die Antwort des Experten ist klar: „Einem Patienten zu versprechen dass das Schnarchen verschwindet,  wenn er eine Kinnbinde verwendet, wäre gelogen.“ Denn Kinnbinden können zwar den Kiefer anheben und so auch das Schnarchen reduzieren, das reiche aber in den seltensten Fällen aus, um das Schnarchen zu stoppen. Außerdem: soll die Kinnbinde den Mund im Schlaf wirklich geschlossen halten, muss sie sehr fest sitzen. Die meisten Kinnbinden sind viel zu elastisch. Wichtig: wer trotzdem eine Kinnbinde ausprobiert, sollte unbedingt eine freie Nase haben.

So sperrig wie ihr Name: Rückenlage-Vermeidungssysteme

Eine Comicfigur liegt in einem Bett auf der Seite.
Das Rückenlage-Vermeidungssysteme soll bei leichtem Schnarchen helfen.

Am Anfang jeder Schnarcher-Karriere ist das auf dem Rücken Liegen tatsächlich entscheidend. Die Schwerkraft reicht aus, dass Zunge und Gaumensegel in den Rachen zurückfallen und die Vibrationen entstehen. Alles, was den Schnarcher  daran hindert, sich auf den Rücken zu drehen, müsste also helfen – egal wie unbequem es sein mag. Von Kissen über Rucksäcke bis hin zu T-Shirts mit eingenähter Füllung gibt es alles Mögliche, was sich Schnarcher auf den Rücken schnallen können. Neuester Trend: Schlafpositionstrainer, zum Beispiel als App auf dem Handy. Das eigene Smartphone überwacht sämtliche Bewegungen im Schlaf – die Technik dafür steckt in den heutigen Modellen schon drin. Dreht sich der Schnarcher auf den Rücken, reagiert das Handy prompt mit Vibrationsalarm. Nervig, aber effektiv, wie erste Studien aus den Niederlanden beweisen. Doch es gibt ein Problem: nur beginnende Schnarcher sägen ausschließlich auf dem Rücken, später ist der Atemweg oft schon so angegriffen, dass auch in anderen Positionen das Schnarchen losgeht. Rückenlagevermeidungssysteme sind also nur etwas für leichte Schnarcher und Schnarch-Anfänger.

Die Atemmaske

Mann mit einer Schlafmaske
Nichts für leichte Schnarcher: die Atemmaske.

Nichts für leichte Schnarcher sind Atemmasken. Nur wer im Schlaf auch Atemaussetzer hat, also eine Schlaf-Apnoe, bekommt das Gerät von der Krankenkasse bezahlt – immerhin bis zu mehreren hundert Euro. Das Argument: Schnarchen allein ist ungefährlich – und die Atemmaske eine nicht besonders angenehme Therapie.  Anders ist das bei der Schlaf-Apnoe: Fällt die Zunge in den Rachen zurück, kann sie den Atemweg blockieren. Während der Atempausen sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut gefährlich ab. Der Blutdruck steigt, der Körper steht unter Stress. Die Atemmaske soll das verhindern. Das Gerät, ein kleiner Kasten, der auf dem Nachttisch geparkt wird, leitet über einen Schlauch Luft in die Atemmaske. Mit leichtem, konstantem Überdruck gelangt die Luft so in die Atemwege. Aber hilft’s? Ja, sagt Schnarch-Experte Dr. Maurer: „Solange Sie die Maske auf der Nase vertragen und der Schlauch und das Gerät mit der Maske verbunden sind und den Druck erzeugen, solange der Atemweg aufgebläht ist, solange ist das Schnarchen weg.“

Letzte Möglichkeit: die Operation

Comicfigur liegt auf einem OP-Tisch.
Wenn nichts mehr hilft: die Anti-Schnarch-OP.

Wer die Atemmaske nicht verträgt, für den bleibt oft nur eine Operation. Sie wird generell eher nicht bei reinen Schnarchern vorgenommen. Neben OPs, bei denen das Gaumenzäpfchen verkleinert wird oder Stents, die den Weichgaumen wieder stabilisieren sollen, ist auch der Zungenschrittmacher eine Lösung: Ein Drucksensor zwischen den Rippen erfasst jeden Atemzug. Er ist mit einem Schrittmacher unterm Schlüsselbein verbunden, von dem eine Sonde bis hoch unters Kinn führt. Dort wo die Zungenmuskulatur anfängt, sitzt die kleine Elektrode, die die Zunge stimuliert. Immer kurz vorm nächsten Einatmen kommt der Impuls. So fällt die Zunge nicht mehr in den Rachen zurück und blockiert den Atemweg, sondern hebt sich regelmäßig. Der Atemweg bleibt frei. Atempausen lassen sich so um circa 80 Prozent verringern. Doch mit knapp viereinhalb Jahren Praxis am Uniklinikum Mannheim ist die Methode noch zu neu, um Genaueres zu sagen über eventuelle Langzeitfolgen der ständigen Nervenreizung im Schlaf.

Abstinenz, Abnehmen, Acapella

Comicfigur, die im Bett liegt
Schnarchfaktoren Nummer 1: Übergewicht und Alkohol.

Zum Schluss eine gute Nachricht: Schnarcher können auch selbst etwas tun, auch wenn es eher schwerfallen dürfte: Abnehmen ist die erste ratsame Maßnahme, denn Übergewicht ist Schnarchfaktor Nummer eins. Abzunehmen kann aber auch dünnen Schnarchern helfen – denn es geht um das Fett, das sich im Körperinneren, genauer im Rachen und Halsbereich anlagert. Außerdem verstärkt Alkohol am Abend das Schnarchen. Also auch hier: Finger weg! Auch wer regelmäßig seinen Zungenboden und seine Gaumenmuskulatur trainiert, ist ebenfalls weniger anfällig fürs Schnarchen. Wie man das macht? Mit Didgerdioospielen oder Singen! Eine britische Vergleichsstudie zum Beispiel enttarnte unter Chorsängern deutlich weniger Schnarcher als bei der nicht singenden Vergleichsgruppe. Es gibt also noch Hoffnung für Deutschlands Schnarcher.

Autorin: Sophie Wenkel (SWR)

Stand: 06.03.2015 15:00 Uhr

Sendetermin

Sa, 07.03.15 | 16:00 Uhr