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Der Watzmann und sein Wasser

Der Gipfel des Watzmann bei Sonnenuntergang
Der Watzmann bei Berchtesgaden

Die meisten Menschen kennen den Watzmann nur als Bilderbuchkulisse aus dem Urlaub, mit dem türkisfarbenen Königssee und der Barockkapelle St. Bartholomä zu seinen Füßen. Doch der berühmte Berg versorgt die umliegenden Gemeinden auch mit einem der besten Trinkwässer Deutschlands. Seiner Quelle kommt man nur auf die Spur, wenn man den geologischen Bauplan des Watzmann erforscht.

Trinkwasser ohne Aufbereitung

Sprudelnde glasklare Quelle
Trinkwasser direkt aus der Quelle

Wenn über den Berchtesgadener Alpen ein Gewitter niedergeht, können Besucher manchmal ein seltenes Naturschauspiel erleben. Überlaufende Quellen und Flüsse aus den umgebenden Bergen färben das sonst glasklare Wasser des berühmten Königssees am Fuße des Watzmann weiß. Es sind feinste Gesteinspartikel, die der Regen aus dem Kalkstein löst und ins Tal spült, ein Phänomen, das Einheimische "Bergmilch" nennen.

Doch auf der unbekannten Westseite des Berges, im Wimbachtal, bietet sich ein ganz anderes Bild. Auch nach starken Niederschlägen erstrecken sich dort nur trockene Schotterflächen. Mit einer Ausnahme: Am Talausgang sprudelt rund ums Jahr eine Quelle, glasklar und scheinbar unbeeinflusst von Regen oder Trockenheit. Ihr Wasser ist so sauber, dass es ohne weitere Aufbereitungsschritte als Trinkwasser in das Leitungsnetz Berchtesgadens eingespeist werden kann. Eine Verunreinigung wurde noch nie festgestellt.

Ein riesiger Gesteinsfilter

Schotterhalde zieht sich im Wimbachtal den Abhang herunter
Trockener Schuttstrom im Wimbachtal

Hydrologin Gabriele Kraller von der Universität Graz arbeitet daran, ein Modell des Wasserhaushaltes im Gebiet des Nationalparks Berchtesgaden zu erstellen. Ihre Untersuchungen bestätigen, dass der Untergrund im Wimbachtal wie ein riesiger Schwamm wirkt und alle Niederschläge aufnimmt. Die Schotterschicht ist bis zu 300 Meter mächtig und gilt als der längste Schuttstrom der Nordalpen.

Regen, der hier unterirdisch abfließt, tritt nicht nach Stunden wieder zutage, wie auf der Ostseite des Berges am Königssee. Es dauert bis zu zehn Jahre, bis das Wasser sich unterirdisch seinen Weg zum Talausgang gebahnt hat. Das Wimbachgries, wie der Schuttstrom genannt wird, wirkt dabei wie ein riesiger Wasserfilter.

Die zwei Gesichter des Watzmann

Grafik der übereinanderliegenden Schichten des Kalksteins und Dolomits am Watzmann
Geologisches Profil des Watzmann

Ein Querschnitt durch den Berg zeigt, wie es zu der Bildung zwei vollkommen unterschiedlicher Täler am Watzmann kam. Ursprünglich bestand dieses Gebiet aus einer einzigen riesigen Gesteinsfalte. Sie bildete sich, als die Alpen emporgehoben wurden. Dabei gelangte ehemaliger Meeresboden aus Kalkablagerungen in große Höhen und wurde schräg gestellt. Aus diesem vergleichsweise harten Gestein, dem Dachsteinkalk, besteht die für Bergsteiger legendäre Ostseite des Berges und auch das Becken des Königssees.

Schon während der Bildung der Alpen schnitten sich durch Erosion tiefe Täler in den Dachsteinkalk, bis auf der Westseite des Watzmann schließlich ein anderes darunter liegendes Gestein an die Oberfläche kam: der Dolomit. Er ist viel brüchiger als Dachsteinkalk. Wind und Wetter können ihn leicht abtragen. Im Laufe der Zeit füllte sich so der Talboden mit Gesteinsschutt der Dolomitschichten, und es bildete sich ein natürlicher Wasserfilter.

Ungewisse Zukunft

Düstere Wolken über Berchtesgaden und dem Watzmann
Der Klimawandel verändert den Wasserhaushalt der Berchtesgadener Alpen

Schritt für Schritt kartiert Gabriele Kraller die Wasserläufe im Nationalpark Berchtesgaden. Auf dieser Grundlage soll berechnet werden, welche Folgen steigende Temperaturen in Zukunft für den Wasserhaushalt des Gebietes haben könnten.

Bislang speichert der Schnee im Hochgebirge große Wassermengen und gibt sie im Frühjahr und Sommer nach und nach ab, so dass auch das Wimbachtal ganzjährig ausreichend mit Wasser versorgt wird.

Sollten der Schnee in Zukunft schneller tauen oder lange heiße regenfreie Perioden in den Sommermonaten auftreten, könnten vielleicht auch die natürlichen Reserven am Watzmann in Mitleidenschaft gezogen werden - zum ersten Mal seit Menschengedenken.

Autoren: Florian Breier, Krischan Dietmaier (WDR)

Stand: 11.05.2012 13:01 Uhr

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