SENDETERMIN So, 09.12.12 | 17:00 Uhr

Das Geschäft mit den Abwehrkräften

Packung eines Erkältungsmittel

Können Medikamente helfen, Infekte abzuwehren?

Schlechtes Wetter ist gutes Wetter - für Apotheker. Denn dann laufen die Geschäfte: Erkältungsmittel verkaufen sich besser als alle anderen rezeptfreien Medikamente. Aber ist die Erkältung erst einmal da, kann man nur noch die Symptome behandeln. Die Erkältung selber ist ein grippaler Infekt - ausgelöst durch Viren, gegen die Halstabletten und Hustensäfte nichts ausrichten können. Deshalb versuchen viele Menschen, einer Erkältung vorzubeugen.

Aber Infekte abwehren - geht das überhaupt so einfach? In fast jedem Apothekenfenster prangt im Winter Werbung für verschiedene Mittel, die die Abwehrkräfte stärken und Infekte verhindern sollen. Professor Gerd Glaeske, Gesundheitsforscher an der Universität Bremen, hat die beworbenen Mittel für die Stiftung Warentest geprüft und dabei festgestellt: Vieles wirkt nicht!

Unerkannt durch Apotheken

Eine Mitarbeiterin in einer Apotheke

Was empfehlen Apotheker als Vorbeugung gegen Erkältungen?

Was raten Apotheker ihren Kunden, wenn die einer Erkältung vorbeugen wollen? W wie Wissen hat dazu eine Stichprobe in Hamburger Apotheken gemacht. Das Ergebnis: Alle besuchten Apotheken empfahlen zur Vorbeugung einer Erkältung ein Vitaminpräparat. Die meisten Orthomol Immun, ein besonders hoch dosiertes Nahrungsergänzungsmittel. Aber viel hilft viel – stimmt das? "Das ist völliger Unsinn", erklärt Professor Glaeske, "wenn ich zehn Mal höher dosiere, heißt das nicht, dass ich zehn Mal mehr Wirkung habe. Sondern ich habe die Situation, dass das überschüssige Vitamin ausgeschieden wird, wenn es wasserlöslich ist. Wenn es fettlöslich ist, wird es angereichert im Körper, was durchaus Probleme machen kann." Bevor man ein Vitaminpräparat einnimmt, sollte man deshalb immer prüfen lassen, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. In Deutschland kommt das sehr selten vor.

Vitamine gegen Erkältung

Professor Glaeske

Professor Glaeske bewertet die Beratungsgespräche.

Richtig ist: Vitaminmangel kann das Immunsystem schwächen. Wenn allerdings kein Mangel vorliegt, tragen Vitamine nicht dazu bei, die Abwehrkräfte zu stärken. "Es gibt keine einzige Studie, die belegt, dass ein grippaler Infekt durch Vitamingabe verhindert werden kann", betont Professor Glaeske. Auch der Apothekerverband bestätigt: "Grundsätzlich sind Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen für gesunde Menschen, die sich vollwertig ernähren, nicht notwendig." Vitaminpräparate sind also selten sinnvoll, aber oft teuer. Die Monatspackung Orthomol Immun kostet stolze 59 Euro.

Was hilft, wenn nichts hilft?

Verschiedene Erkältungsmittel

Von den verkauften Mitteln würde der Experte keines empfehlen.

Zur Vorbeugung einer Erkältung empfahlen die Apotheken der Stichprobe außer Vitaminen auch das pflanzliche Mittel Angocin, das mit Meerrettich und Kapuzinerkresse Infekte abwehren soll - und Zink: "Ein großer Hype", erklärt Professor Glaeske, die Studienlage sei jedoch in beiden Fällen nicht ausreichend. Von den Produkten, die die Apotheken verkauft haben, würde der Gesundheitsexperte keines empfehlen. "Die Monetik treibt Apothekerinnen und Apotheker möglicherweise dazu, Dinge zu verkaufen, von denen sie nicht einmal selber überzeugt sind", mutmaßt Glaeske.

Autorin: Christine Buth (NDR)

Stand: 09.12.2012 17:01 Uhr

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So, 09.12.12 | 17:00 Uhr