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Woher kommen Traumbilder?
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Nachts kommen die Alben. Üble Geister, die sich Schlafenden auf die Brust hocken, ihnen die Luft nehmen und schlimme Träume erzeugen. Noch im Mittelalter galt das als Ursache für Albträume. Und bis heute kann die Wissenschaft noch nicht vollständig erklären, wie die schrecklichen Bilder nachts in unsere Köpfe kommen. Aber sie entwickelt Strategien, um sie zu verdrängen oder wenigstens zu entschärfen.
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Albträume können sich jede Nacht wiederholen.
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Karsten war nie in Indien. Er wälzte keine Reiseführer, sah keine Bollywood-Filme, kaufte keine Bildbände und wollte nie das Taj Mahal sehen - es interessierte ihn einfach nicht besonders. Dann traf ihn ein Schicksalsschlag: Eine lange unerkannte Entzündung führte bei ihm zu Organversagen und das zu wochenlangem Koma. Aus dem Koma ist Karsten schließlich wieder erwacht - aber schlafen kann er seitdem nicht mehr.
Ein Albtraum verfolgt ihn. Es ist jede Nacht der gleiche und immer führt er Karsten in ein schreckliches Indien. Dort kämpft er sich durch Gräben voller Leichen, bedroht von Elefantenreitern mit durchbohrten Köpfen, um einen Tempel zu erreichen, an dem er doch nie ankommt. "Ich habe Angst einzuschlafen", sagt Karsten, "weil ich schon weiß, dass ich wieder durch solche Träume wach werde." Der Indien-Albtraum weckt Karsten jede Nacht, seit drei Jahren. Durch den andauernden Schlafmangel ist er völlig erschöpft.
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Träumen findet meist in der "REM-Phase" des Schlafes statt.
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Karsten will endlich wieder schlafen können. Deshalb verbringt er einige Nächte im Schlaflabor des St. Hedwig Krankenhauses in Berlin. Elektroden messen die Aktivität seines Gehirns und seiner Muskulatur während der Nacht. Schlafforscher Dr. Dieter Kunz erkennt bei ihm ein immer wiederkehrendes Muster: Erst schläft Karsten tief, seine Muskulatur ist entspannt. Dann beginnt eine sogenannte REM-Phase, in der die meisten Träume stattfinden. REM steht für "Rapid Eye Movements", da sich in dieser Schlafphase die Augen (bei geschlossenen Lidern) schnell hin und her bewegen. Eigentlich sollte Karsten diese Phase völlig bewegungslos "verschlafen" und sich später an nichts erinnern. Stattdessen wird er unruhig - und bald vom ersten Albtraum geweckt. Kunz nennt das eine "REM-Schlaf-Verhaltensstörung". "Das heißt, dass das Gehirn teilweise im REM Schlaf ist, aber teilweise schon wach. Und dann wird man sich der Träume bewusst, was immer dort passiert", erklärt der Mediziner.
Bei Kindern geschieht es recht oft, dass einige Teile des Gehirns aufwachen, während andere noch schlafen. Da das Gehirn bei jungen Menschen noch wächst, kommt es häufiger zu Unregelmäßigkeiten. Bei Erwachsenen können häufig auftretende Albträume hingegen ein Warnsignal sein. Manchmal ist Stress der Auslöser. Aber Albträume gelten auch als frühes Symptom für Parkinson und Alzheimer. "Wer mit 40 oder 50 plötzlich Albträume entwickelt, tut gut daran, wenn er mal einen Experten aufsucht, um zu gucken, was dahinter steckt", rät Schlafforscher Kunz. Karstens extreme Albträume sind offenbar eine Folge seiner schweren Erkrankung. Kunz versucht nun, ein Medikament zu finden, das ihm hilft, durchzuschlafen.
Autorin: Christine Buth (NDR)
Info-Box: Adresse:
Dr. med. Dieter Kunz, Facharzt für Psychiatrie
St. Hedwig Krankenhaus
Abteilung für Schlafmedizin
Große Hamburger Straße 5 - 11
10115 Berlin
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 22.07.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.