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Giftmüll - die verkannte Gefahr?

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Giftmüll - verkannte Gefahr? | Video verfügbar bis 22.09.2017

Die Fässer bei der Eingangskontrolle

Anlieferung in Herfa-Neurode

Herfa-Neurode in Hessen. In dem ehemaligen Bergwerk wird die weltgrößte Untertagedeponie für Giftmüll betrieben. Die hier eingelagerten Stoffe zählen zu den giftigsten Substanzen, die je erzeugt wurden - zum Beispiel Quecksilber, Arsen und Dioxine. Alles was für die Lagerung zu gefährlich ist, kommt nach Herfa-Neurode - jährlich bis zu 80.000 Tonnen. Doch kann man tatsächlich die Gifte für immer sicher unter der Erde verwahren? Vor der Einlagerung müssen die Mitarbeiter die gefährlichen Stoffe genau kontrollieren. Brennbarer Müll, radioaktive Substanzen oder Flüssigkeiten dürfen nicht ins Bergwerk.

Olaf Schaub in einem Auto untertage

Olaf Schaub unterwegs in der Untertagedeponie

Erst wenn alles in Ordnung ist, geht es unter Tage. Olaf Schaub, der Leiter der Abfallbeseitigung, fährt ein. Zehn Meter pro Sekunde saust der Förderkorb nach unten. Nach einer Minute hat Schaub die erste Sohle des Bergwerks erreicht. Früher wurde hier Kalisalz abgebaut und ein Gewirr aus Straßen, Kreuzungen und Kammern entstand, in das Olaf Schaub und seine Kollegen nun die Giftabfälle einlagern. Knapp drei Millionen Tonnen liegen inzwischen hier. Gift, das in einer Industriegesellschaft übrig bleibt - zum Beispiel Filterstäube von Müllverbrennungsanlagen oder Rückstände der Metallindustrie.

Ist die Lagerung im Salz die beste Wahl?

Dr. Thomas Brasser von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)

Im Labor untersuchen Thomas Brasser und seine Kollegen die Gesteine.

Neben Salz könnten zwei weitere Gesteine für die Lagerung in Frage kommen: Ton und Granit. Geologe Thomas Brasser ist seit 30 Jahren auf der Suche nach dem idealen Aufbewahrungsort für atomare und chemotoxische Stoffe. Dabei simuliert er mit seinen Kollegen im Labor, wie sich die Gesteine in hunderten Meter Tiefe verhalten. "Steinsalz ist ein Gestein, das eine Fließfähigkeit aufweist. Das ist jetzt nicht in dem Sinne zu verstehen, dass es wie Wasser fließt, sondern es ist beweglich, plastisch. Man kann sich das vielleicht mit einer Knetmasse vergleichen", erklärt Thomas Brasser. Bei Granit ist das anders. " Ein sprödes Gestein wie ein Granit würde zerbrechen und es würden sich Risse bilden."

Das Problem mit den Rissen

Warnschild

Mit Schildern will man zukünftige Generationen warnen.

Doch das Salz im Atommüll-Lager Asse hat genau solche Risse, durch die Wasser in die Grube eindringt. Wie kommt es zu diesen Rissen und könnte so etwas auch in der Sondermülldeponie in Herfa-Neurode passieren? Eine Antwort auf diese Frage suchen wir bei Stefan Alt. Er ist weltweit einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Endlagerung und hat für die Risse eine Erklärung: "Die Asse als Bergwerk steht mehr oder weniger direkt im Kontakt mit dem sogenannten Deckgebirge. In diesem Deckgebirge zirkuliert Grundwasser und dieses Grundwasser kann auch in die Hohlräume eindringen, die in der Asse sind, weil die Salzbarriere, die das ursprünglich mal verhindert hat, an der ein oder anderen Stelle fehlt", so Stefan Alt. Die Salzbarriere in Herfa-Neurode dagegen ist intakt. Sie ist über 200 Meter dick und über dem Salz liegt zusätzlich noch eine wasserabweisende Tonschicht. Nach Meinung der Experten eine ausreichende Schutzschicht, um den Giftmüll vor Wasser abzuschirmen und für immer sicher zu verwahren.

Aber selbst wenn der Giftmüll dann geologisch sicher verwahrt sein sollte, ein Risiko bleibt. Was ist, wenn weit in der Zukunft jemand an derselben Stelle bohrt? Als Warnhinweise werden Schilder oder große Steinbauten diskutiert - genau wie beim Atommüll. Doch werden die in ferner Zukunft noch verstanden? Experten bezweifeln das.

Autor: Alexander Schlichter (HR)

Stand: 18.01.2013 15:37 Uhr

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