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Die Wallstreet der Blumen

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Die Wallstreet der Blumen | Video verfügbar bis 13.05.2017

Die Wallstreet der Blumen

Scheinbar endloses "Meer" aus Blumencontainern in einer Halle

Die Blumenbörse in Aalsmeer ist die größte der Welt.

In Aalsmeer, einer kleinen Stadt vor den Toren Amsterdams, steht die weltgrößte Blumenbörse. Hier werden 60 Prozent der weltweiten Blumen gehandelt, 21 Millionen Schnittblumen und drei Millionen Topfpflanzen täglich.

Mitten in der Nacht herrscht an der Blumenbörse in Aalsmeer Hochbetrieb. Die Fläche des Hallenkomplexes ist größer als die der Stadt Monaco. Lastwagenkolonnen bringen Blumen, die wenige Stunden zuvor noch in Gewächshäusern in Holland oder auf Feldern in Kenia wuchsen. Zeit ist Geld im Blumenbusiness, denn Blumen lassen sich nicht lagern. Sie werden noch am selben Tag zu Zielorten in Europa, Russland oder Nordamerika verladen. Ein globales Geschäft von riesigem Ausmaß, das seinen Knotenpunkt in der kleinen niederländischen Stadt hat. Über eine Milliarde Euro werden pro Jahr an der Blumenbörse umgesetzt, 20 Prozent der niederländischen Handelsbilanz werden mit Blumen erwirtschaftet. Die Genossenschaft FloraHolland, die die Börse betreibt, unterhält sogar noch fünf weitere regionale Börsen, eine davon in Deutschland.

Wer mit Blumen handelt, muss früh aufstehen

Blumenhändler inspiziert Regale voller Tulpencontainer

Dank seiner Erfahrung kann Frank van Egmond die Qualität schnell beurteilen.

Frank van Egmond ist einer von Hunderten Blumenhändlern, die an der Börse arbeiten. Er versorgt täglich 25 Großmärkte in Deutschland mit Blumen. Um vier Uhr früh schreitet er bereits die langen Reihen mit Tausenden Blumenkübeln ab, um die Qualität der Ware auf Gewicht, Reifegrad und Aussehen zu prüfen. Bei vier Grad Celsius werden die Blumen gekühlt. Geschlossene Knospen, lange, gerade Stiele und saftige Blätter sind nur einige Kriterien für die Qualitätsprüfung.

Ein Spektakel auf Knopfdruck

Auktionsuhr und Blick von oben über die Bieterränge

Die Auktionen sind das Herz der Börse

Um täglich Millionen von Blumen zu verkaufen, hat sich in Aalsmeer ein ganz besonderes Versteigerungsprozedere entwickelt. 400 Blumenhändler sitzen in den riesigen Auktionssälen. In langen Wagenkolonnen fahren die Blumencontainer auf Schienen durch den Saal, gleichzeitig erscheinen auf zwei großen Displays, den sogenannten Clocks, Informationen zur jeweiligen Charge. Im Gegensatz zu normalen Auktionen sinkt der Preis bei der sogenannten Dutch Auction, der holländischen Auktion.

Stress im Vier-Sekundentakt

Frank van Egmond schaut zwischen einem Wald aus Monitoren in Richtung Auktionsuhr

Das Risiko tragen die Händler

Ein roter Punkt rast ein Ziffernblatt entlang, das in Ein-Cent-Schritte untergliedert ist. Die Skala beginnt bei 100 Cent und endet nach einer Umdrehung bei null Cent. Jeder Händler hat einen Knopf vor sich - drückt er diesen, hält er den Punkt an seinem aktuellen Ort an. Wer zuerst drückt, bekommt die Charge und muss zu diesem Preis kaufen, das Geld wird sofort abgebucht. Wer länger wartet, kann einen niedrigeren Centbetrag pro Blume erzielen. Der ganze Vorgang dauert dabei pro Runde nur vier Sekunden.

Für die Händler ein enormer Stress: Bieten sie zu früh, bekommen sie zwar die Blumen, zahlen aber auch einen hohen Preis. Bei den großen Mengen sind das schnell ein paar Hundert Euro. Warten sie zu lange, schlägt ein Konkurrent vor ihnen zu und kauft ihnen die Blumen weg. Das Risiko tragen sie selbst. An besonderen Tagen wie dem Muttertag ersteigert Frank 250.000 Blumen im Wert von zirka 60.000 Euro.

Nur der Schnelle überlebt

Frank van Egmond verabschiedet abfahrenden Lkw

Die Blumen müssen zum Feierabendgeschäft in den Läden stehen

Sind die Blumen verkauft, geht alles sehr schnell. Noch während der Auktion werden sie mithilfe einer riesigen Logistikkette und zahllosen Mitarbeitern an die Verladedocks der Händler geliefert. Kurz nach Ende der Auktion kann Frank dort checken, ob alles korrekt geliefert wurde. Dann geht es auf die verschiedenen Lkw, die Nürnberg, Berlin oder Dortmund versorgen. 12 Uhr ist Abfahrt. Fahren sie später los, geraten sie in den Feierabendstau im Ruhrgebiet und können nicht rechtzeitig ihre Ware ausliefern.

Das Blumenbusiness ist ein stressiges Geschäft im ständigen Wettlauf gegen die Zeit.

Autor: Krischan Dietmaier (WDR)

Stand: 06.08.2013 17:22 Uhr

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