DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.

Aufmachergrafik zu W wie Wissen
Inhalt

Alltag bei den Kelten

Sie waren Händler, Bauern, Krieger, Fürsten und Druiden. Sie schufen fantastische Kunstwerke und die besten Eisenschwerter ihrer Zeit. Acht Jahrhunderte herrschten sie über weite Teile Europas: die Kelten. Da sie uns keine Schriftquellen hinterlassen haben, sind wir auf die Ausgrabungen und die Forschung der Archäologen angewiesen. Sie helfen uns, die geheimnisvolle Welt der Kelten zu entschlüsseln.

Schatzkammer im Keltengrab

Die Heuneburg (Bild: SWR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Nur wenige Teile der Heuneburg sind bis heute rekonstruiert worden. ]
Dezember 2010. Stahlrohre werden direkt unter eine keltische Grabkammer ins Erdreich getrieben. Ein Sensationsfund, denn Archäologen vermuten im Inneren wertvolle Schätze. Sie entscheiden sich dafür, das 80 Tonnen schwere Grab in einem Stück zu bergen. Sie nennen das Ganze "Keltenblock" und bringen ihn an einen geheimen Ort. Dort wollen ihn die Wissenschaftler unter Laborbedingungen genau untersuchen. Gleichzeitig haben Grabräuber so keine Chance. Der Fundort liegt in Sichtweite der Heuneburg jenseits der Donau. Das ist der Grund, warum die Archäologen auf wertvolle Schätze im Grab hoffen. Denn der früh-keltische Fürstensitz in der Nähe des schwäbischen Herbertingen ist heute nur zu einem kleinen Teil rekonstruiert. Im 6. Jahrhundert vor Christus war die Anlage wesentlich größer - ein reiches Macht- und Wirtschaftszentrum der Kelten.

Professor Dirk Krausse, Landesarchäologe in Baden Württemberg, vermutet, dass die Heuneburg die älteste Stadt nördlich der Alpen ist. Er geht davon aus, dass hier mindestens 5.000 Menschen lebten. "Aber die Heuneburg war sicherlich der zentrale Punkt für eine viel größere Gemeinschaft von mehreren 10.000 Menschen, vielleicht sogar eine Bevölkerungszahl, die im sechsstelligen Bereich lag," so der Wissenschaftler.

Reiche Fürsten, mächtige Frauen

Zwei Frauen tragen Schmuck (Bild: SWR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Wohlhabende Kelten zeigten gerne ihren Reichtum. ]
Darunter muss es einige sehr reiche Kelten gegeben haben, die sich prunkvolle Bestattungen leisten konnten. Im Inneren des "Keltenblocks" findet die Grabungsmannschaft ein sogenanntes Kammerschachtgrab. Schicht für Schicht legen die Forscher frei. Und ihre Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Sie finden prächtige Schmuckstücke aus Gold, die offenbar einer sehr reichen Frau gehörten, die hier um 580 vor Christus bestattet wurde. Die reichen Grabbeigaben zeigen, dass es schon in der frühkeltischen Gesellschaft nicht nur mächtige Männer, sondern auch ranghohe Frauen gegeben hat. Die mächtigen Keltenherrscher, zu deren Umfeld sicher auch die Frau aus der Grabkammer zählt, lebten in der Mitte der Heuneburg. Hier war die Machtzentrale des Fürstensitzes, hier lagerten ihre Schätze. Und in der keltischen High Society zeigte man gerne, was man hatte. Schmuck und Gewandspangen aus Gold standen hoch im Kurs, bei Frauen wie Männern. Die Sucht nach edlen Preziosen war so etwas wie ein Markenzeichen der Kelten, die sich immer weiter ausgebreitet haben.

Denn ähnliche Schmuckstücke, die gleiche Art der Eisenbearbeitung und auch die typischen Grabhügel haben Archäologen von Ostfrankreich bis Ungarn gefunden. Immer neue Kostbarkeiten kommen bei den monatelangen Grabungsarbeiten zum Vorschein.

Weitreichende Handelsbeziehungen

Eine Bernsteinperle (Bild: SWR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Die Archäologen haben Bernsteinperlen aus der Zeit der Kelten gefunden. ]
Darunter sind auch schön verzierte Bernsteinperlen. Chefrestauratorin Nicole Ebinger-Rist legt sie behutsam frei. Bernstein kam von weit her aus dem Baltikum - ein Beleg für die weitreichenden Handelsverbindungen der Kelten. Märkte spielten eine wichtige Rolle und gerade am Handel mit Luxusgütern, die oft auch aus dem Mittelmeerraum stammten, verdienten die Fürsten ordentlich mit. Pelze aus den weiten Wäldern des Ostens waren ebenso beliebt wie Eisenwaren aus den Ostalpen. Die Heuneburg war sicher ein bedeutender und reicher Handelsplatz. Dafür spricht eine Vielzahl prächtiger Fürstengräber die im Umland gefunden wurden. Die Lage der Heuneburg an einem Verkehrsknotenpunkt war ideal für den Handel. Über die Donau hatte man Zugang zu allen wichtigen Wasserstraßen.

Schmuck aus Mittelitalien

Bei der Grabung ist die Chefrestauratorin auf außergewöhnlich kunstvolle Goldperlen gestoßen. Die reiche Frau aus dem Keltenblock hatte offensichtlich einen exklusiven und exotischen Geschmack. Dirk Krausse ist begeistert von den neuen Einblicken, die er und seine Kollegen durch dieses Grab gewonnen haben, unter anderem was die Kunsthandwerker dieser Zeit anbelangt. Denn die Machart der Goldperlen weist eindeutig darauf hin, dass hier Goldschmiedekunst aus Etrurien, also Mittelitalien im Spiel ist. Ob die Goldperlen oder nur das Knowhow importiert wurden, bleibt allerdings unklar.

Egal ob Import- oder heimische Ware, der Handel mit Schmuck und anderen Produkten bescherte den Clanchefs ein reiches Einkommen. Die Geschäftsleute mussten für die Handelserlaubnis zahlen. Das war gleichzeitig auch eine Art Schutzgeld. Je größer der Markt, desto größer der Gewinn. Das haben auch schon die Keltenfürsten früh erkannt. Die Herrscher der Heuneburg gehörten sicher zu den mächtigsten Fürsten der Kelten. Sie haben es geschafft, eine große Gefolgschaft um sich zu scharen und ein großes Gebiet zu kontrollieren. So gelang es den Kelten die ersten großen Städte zu bauen, befestigte Fürstensitze anzulegen, Schätze und großen Reichtum anzuhäufen. Man darf gespannt sein, welche Geheimnisse noch in den Grabhügeln der Kelten verborgen sind.

Autor: Harald Brenner, (SWR)

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 26.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Andere Themen
Sendetermin
So, 26.08.12 | 17:00 Uhr
Das Erste