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Ein Keltenkrieger lässt sich die Haare kalken (nachgest. Szene).
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Bevor Keltenkrieger in den Kampf zogen, ließen sie sich das Haar kalken. Das wilde, fremdartige Aussehen sollte dem Gegner Furcht einflößen. Aber nicht nur wegen ihres Aussehens waren die Kelten gefürchtet. Sie galten als kühn und unberechenbar. Keltenkrieger waren Individualisten. Anders als die Römer hatten die Kelten kein stehendes Heer. Ein Kettenhemd trug, wer es sich leisten konnte, und die Helme hatten ganz verschiedene Formen. Der Stolz jedes Kriegers aber war sein Schwert, die gefährlichste Waffe der Kelten.
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Aus diesem gefalteten Metall wird ein Keltenschwert.
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Frank Trommer, Archäotechniker und gelernter Schmied, will ein keltisches Schwert herstellen, in einer nachgebauten keltischen Schmiede mit handbetriebenen Blasebälgen. Ein Experiment, bei dem Trommer und sein Assistent Patrick Geiger versuchen, die keltische Eisentechnologie möglichst perfekt nachzuahmen. Aus archäologischen Funden weiß man ziemlich gut über das Knowhow der keltischen Schmiedekunst Bescheid. Jedes Schwert ist anfangs ein Rohling, der stundenlang gebogen, gefaltet und wieder zusammengeschmiedet wird. Der Grund für diese aufwändige Technik, so erklärt Frank Trommer, sind die Verunreinigungen im Roheisen. Durch das wiederholte Falten und Zusammenschmieden bekommt man die Verunreinigungen, Schlacke und Holzkohlenreste aus dem Material heraus. Je öfter man diesen Faltvorgang wiederholt, desto sauberer wird das Eisen. Und sauberes Eisen ist Voraussetzung für ein hartes und trotzdem elastisches Schwert, das im Kampf nicht bricht. Die Eisentechnologie der Kelten war so hoch entwickelt, dass ihre Produkte sogar die Römer mächtig beeindruckten. Selbst römische Krieger kämpften teilweise mit keltischen Schwertern. Ansonsten waren die Kelten der römischen Großmacht an Organisation, Disziplin und schweren Großwaffen klar unterlegen.
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Viele Krieger waren eigentlich Bauern (nachgest. Szene).
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Aber die Keltenkrieger machten das durch Mut und Kühnheit wieder wett. Schon allein ihr Anblick, so berichten antike Quellen, flößte den Römern Respekt ein. Viele Kelten waren allerdings einfache Bauern und keine Krieger. Um sich besser verteidigen zu können, begannen sie um 400 vor Christus ihre Dörfer zu befestigen. So wie die Höhenfestung bei Bundenbach im Hunsrück. Jörg Courtial interessiert sich für diese Siedlung. Auch er will Vergangenes rekonstruieren, am Computer. Er ist spezialisiert auf historische 3D-Animationen. Jedes Detail ist ihm wichtig, denn die Computeranimation soll möglichst realistisch aussehen. In Bundenbach findet Courtial beinahe ideale Bedingungen, macht sich vor Ort ein Bild darüber, wie die Häuser vermutlich ausgesehen haben. Denn ein Teil der Anlage ist nach Grundrissen rekonstruiert worden, die Archäologen ausgegraben haben. Aus unzähligen Pfostenlöchern rekonstruierten sie die Gebäude der Kelten. Hans Nortmann vom Rheinischen Landesmuseum in Trier zeigt Courtial, wo die Wege im Dorf verliefen und über welche Tore man in die Anlage kam.
Archäologische Funde sind das eine. Für eine gelungene Rekonstruktion muss sich der 3D-Spezialist aber auch in die Vergangenheit hineinversetzen können. Er muss ein Gefühl für die Umgebung entwickeln, in der sich die Festung befindet und sehen, wie sie sich in die Landschaft einfügt. "Vor allen Dingen ist wichtig zu verstehen," betont Jörg Courtial, "wie hat ein Mensch der damaligen Zeit die Umgebung, die Burg, die Siedlung wahrgenommen, was hat er erlebt und gefühlt."
In der Experimental-Schmiede ist Meister Trommer mit der Eisenqualität des Rohlings zufrieden. Jetzt hämmert der Schmied die Klinge in Form. Und immer wieder muss er das Eisen erhitzen. Der Luftstrom aus dem Blasebalg bringt das Holzkohlen-Feuer in der Esse auf 1.100 Grad Celsius. Es ist eine hohe Kunst, die Temperatur exakt zu halten, damit die richtige Menge Kohlenstoff aus der Holzkohle freigesetzt wird. Durch das Schmieden gelangt dann der Kohlenstoff in das Metall. Das macht die Klinge hart und ist entscheidend für die hohe Qualität der Keltenschwerter. Nach wochenlanger Arbeit geht das Keltenschwert seiner Vollendung entgegen. Noch einmal muss Assistent Patrick Geiger viele Tage am Feinschliff der Klinge arbeiten. Dann ist es soweit: Das viel gerühmte Keltenschwert ist fertig. "Eine handwerkliche Meisterleistung", bescheinigt Frank Trommer den keltischen Schmieden, die schon damals ohne die heutigen Hilfsmittel ein Spitzenprodukt gefertigt haben.
Auch die Rekonstruktion der Computerkünstler macht Fortschritte: Die digitale Wiederauferstehung der Höhenfestung Bundenbach ist fast fertig. Aus Vermessungsdaten ist inzwischen ein digitales Landschaftsmodell der Gegend um die Festung Bundenbach entstanden. Was noch fehlt sind die Vegetation um die Festungsanlage, die Wege und vor allem die Befestigung aus Palisaden und Mauern. Die müssen ziemlich massiv gewesen sein, denn die Anlage war vor über 2.300 Jahren eindeutig zum Schutz vor Angriffen gebaut worden. Die fertige Computeranimation zeigt das ganz gut. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit der Höhenfestung Bundenbach: Eine typisch keltische Pfostenschlitzmauer schützt die Festung zur Bergseite hin, am steilen Abhang sind Holz-Palisaden. Die Bauern, Krieger und ihr Häuptling lebten hier relativ beengt. Einfache Wohnhäuser drängten sich zwischen Speicher und Viehställe. Aber hier waren sie sicher und das war wichtig in jenen kriegerischen Zeiten.
Autor: Harald Brenner, (SWR)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 26.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.