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Klarträume: Regie im Kopf

Ein Mann sieht über eine Traumflusslandschaft. (Bild: NDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Klarträumer können ihre Träume bewusst steuern. ]
Gegen Albträume gibt es ein ungewöhnliches Therapiekonzept: Schlafen bei vollem Bewusstsein. Dem Schlafenden muss klar werden, dass er träumt, dann kann er seine Gedanken lenken und damit die Handlung des Traums aktiv mitbestimmen. Das nennt man "Klarträumen" oder "luzides Träumen". Gerald K. hat mit viel Übung gelernt, seine Träume zu steuern. Nachts kann er fliegen, bis auf den Meeresgrund tauchen oder Musik komponieren. Und er kann nächtlichen Monstern aller Art angstfrei begegnen: "Ich kann ein grauenhaftes Monster zu etwas Schönem zusammenfließen lassen, das wird fast puschelig, das möchte man in den Arm nehmen. Auf diese Weise Frieden mit sich selbst zu schließen, ist ein schönes Erlebnis."

Klartraum gegen Albtraum

MRT Aufnahme eines Gehirns (Bild: NDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Bei Klartträumern ist ein Bereich des Scheitellappens besonders aktiv. ]
Dr. Martin Dresler vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München beschäftigt sich wissenschaftlich mit Klarträumern. Der therapeutische Nutzen ist für den Neurowissenschaftler offensichtlich: "In Albträumen haben wir ja Angst vor irgendwelchen Inhalten und wissen nicht, dass sie nicht real sind. Im Klartraum dagegen sind wir uns bewusst, dass wir schlafen, und müssen uns deshalb nicht fürchten." Was Gerald K. und andere Klarträumer von anderen Schläfern unterscheidet, hat Martin Dresler analysiert, indem er sie zum Schlafen ins MRT gelegt hat. Ergebnis: Im Klartraum arbeitet der innere Teil des Scheitellappens auf Hochtouren. "Immer wenn wir über uns selbst nachdenken, ist dieser Bereich besonders aktiv. Das passt sehr schön zum Klarträumen, weil wir im Klartraum ja über uns selbst nachdenken, dementsprechend haben wir hier sehr starke Aktivierung gefunden."

Traum-Training

Die Punkte einer Schrift haben sich über einen Buchstaben  (Bild: NDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Ist das ein Traum- oder ein Realbild? ]
Im Schlaf zu Bewusstsein zu kommen, kann wahrscheinlich jeder lernen. Jeder, der bereit ist, dafür zu trainieren. Und zwar tagsüber. Gerald K. macht alle 20 Minuten einen sogenannten Reality-Check. Er prüft, ob er wach ist oder ob er schläft. Wenn er sich die Nase zuhalten und trotzdem atmen kann oder nach einem Luftsprung schwebt, dann ist es ein Traum. Die ständige Frage "Bin ich wach oder träum ich?" muss so selbstverständlich werden, dass der Schlafende sie sich auch im Traum stellt, und dadurch zu Bewusstsein kommt, ohne aufzuwachen. Gerald K. bevorzugt für die "Reality-Checks" eine unauffällige Technik. Er fixiert Schriften. Im Traum bleiben die nie lange konstant, sie zerfließen, tanzen, sind ständig in Bewegung. Wenn Logik und Naturgesetze nicht gelten, dann ist das ein klares Indiz dafür, dass er sich in der Traumwelt befindet.

Einen Nachteil allerdings hat das bewusste Träumen: Anfänger wachen dabei oft auf. "Bis das mit dem Klarträumen klappt - das ist schon mit dem ein oder anderen Schlafdefizit verbunden", warnt Gerald K.

Autorin: Christine Buth (NDR)

Info-Box: Adresse:
Dr. Martin Dresler
Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Kraepelinstr. 2-10
80804 München

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 22.07.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 22.07.12 | 17:00 Uhr
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