SENDETERMIN So, 09.12.12 | 17:00 Uhr

Neue Therapie: Es werde Licht!

Tageslichtlampen

Mit Licht gegen schlechte Stimmung?

Schätzungen zufolge neigen etwa 10 bis 20 Prozent der Deutschen in der dunklen Jahreszeit zur Melancholie. Was tun? Antidepressiva nehmen? Viele haben Angst vor den Nebenwirkungen der Psychopharmaka. Aber es gibt eine Alternative dazu: die Lichttherapie. Nur woher bekommt man Informationen, wie gut die wirkt?

Zunächst ist das Prinzip "helles Tageslicht beeinflusst die Stimmung" von der Wissenschaft gut untersucht worden. Tatsächlich wird helles Tageslicht mit einem hohen Blauanteil auf der Netzhaut von speziellen Rezeptoren wahrgenommen. Diese Zellen haben nichts mit dem Sehen zu tun. Sie geben Signale weiter, die im Gehirn zur Ausschüttung von Serotonin führen - auch Glückshormon genannt. Fehlt das Tageslicht, wird Melatonin ausgeschüttet, das Schlafhormon. So kann die dunkle Jahreszeit die Stimmung drücken.

Besser als ein Medikament?

Zwei Menschen vor je einer Tageslichtlampe

Was hilft besser: Tageslichtlampen oder Antidepressiva?

Aber lässt sich das einfach mit einer Lampe korrigieren? Mit einer speziellen Tageslichtlampe? Die Stiftung Warentest hat das untersucht. Die Geräte wirkten unterschiedlich gut. Und im Testheft standen Bemerkungen wie "zur Therapie geeignet" oder "weniger geeignet". Daneben gab es Schulnoten von zwei bis fünf, die aber nur erklären, wer besser und wer schlechter abgeschnitten hat. Nicht, wie stark die Wirkung der "Lichtduschen" ist.

Doch es gibt eine wissenschaftliche Studie, die weiterhilft. Hier durfte die Lichttherapie zum Vergleich antreten und zwar gegen das Antidepressivum Fluoxetine, besser bekannt als Prozac. Probanden mit Winterdepression bekamen Lichttherapie oder das antidepressive Medikament drei Jahre lang in der Wintersaison. Wie würde die Lichttherapie im Vergleich zu dem Medikament abschneiden? Das war die Frage.

Medikament gegen Lichtdusche

Die beiden Testgruppen symbolisiert mit Spielfiguren

Die Studie war doppel placebokontrolliert.

Die Forscher wollten eine Placebowirkung, die etwa durch die beeindruckende Lampe ausgelöst werden könnte, ausschalten und entschieden sich für folgendes Studiendesign: 96 Probanden wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam nur eine schwache, unwirksame Placebolampe. Die zweite Gruppe bekam das wirksame, helle Licht.

Beide Gruppen bekamen auch ein Medikament. Aber nur die mit dem falschen Licht bekam das echte Antidepressivum. Die Gruppe mit dem wirksamen Licht dagegen nur ein wirkungsloses Placebo. So erlebten beide Probandengruppen dasselbe Programm. Tatsächlich wirkte aber in der einen Gruppe nur das Medikament und in der anderen nur die Lichtdusche.

Das Ergebnis der doppelt placebokontrollierten Studie

Konnte die Lichttherapie einen nennenswerten Erfolg erzielen? Im Vergleich mit dem seit Jahrzehnten eingeführten Medikament ließ sich auch erstmals die Stärke der Wirkung der Lichttherapie beurteilen. Tatsächlich gab es am Ende keinen Unterschied. Das Licht wirkte so gut wie die Pille.

Interessant auch: In beiden Gruppen wirkte die Therapie bei einem Drittel der Patienten überhaupt nicht. Weder Psychopille, noch die Lichttherapie bieten also eine Erfolgsgarantie. Doch spricht in diesem Vergleich einiges für die Lichttherapie. Sie wirkte schneller als die Pille und bei der Lichttherapie gab es keine negativen Nebenwirkungen. Um im Winter die schlechte Laune zu vertreiben, ist genügend Licht also eine gute Lösung.

Autor: Frank Wittig (SWR)

Stand: 09.12.2012 17:01 Uhr

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So, 09.12.12 | 17:00 Uhr