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Trockenheit in London

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Trockenheit in London | Video verfügbar bis 01.12.2017
Frau wässert ihren Garten
Kein Wasser für den Garten: Von April bis Juni 2012 drehte die Regierung den Hahn zu.

London hat das weit verbreitete Image einer Metropole, in der ewig Regenwetter herrscht. Aber die jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge in London ist im Vergleich sogar niedriger als die von Rom oder Istanbul. Schlechtwetterfronten treffen hauptsächlich vom Atlantik her auf das Inselreich. Diese regnen an den Gebirgen an der Ostküste Englands ab, und daher kommt im tiefer gelegenen Südwesten Englands meist nur noch relativ wenig Niederschlag an. Die unterirdischen Trinkwasserreservoirs Londons füllen sich durch die steten Niederschläge zwischen Oktober und März wieder auf. Doch nach zwei trockenen Wintern waren diese Anfang 2012 fast aufgebraucht und die Flüsse in England führten so wenig Wasser wie seit 35 Jahren nicht mehr. Die Regierung reagierte und von April bis Juni 2012 wurde das sogenannte Wasserschlauchverbot verhängt: Den Garten zu wässern, Autos zu waschen oder Pools und Zierteiche zu füllen, war unter Strafe verboten.

Marode Wasserleitungen

Eine alte Wasserleitung in London
Ein großes Unterfangen: die Modernisierung des Leitungssystems

Das kurzfristige Verbot half zwar dabei, die trockene Periode bis zum unerwartet hohen und starken Niederschlag kurz vor den Olympischen Spielen 2012 zu überbrücken. Doch den Verantwortlichen machte die Dürre noch klarer als zuvor, dass sie langfristig etwas für die Sicherung des Londoner Trinkwassers tun müssen. Um 1900 gehörte das unter Queen Victoria gerade fertig gestellte Londoner System der Wasserleitungen zu den Meisterwerken modernster Technik und war eines der fortschrittlichsten Europas. In den 100 Jahren danach wurde allerdings reichlich wenig für die Instandhaltung und Modernisierung der eisernen Leitungen getan. Heute versickern täglich pro Haushalt und Tag über 200 Liter Trinkwasser durch Lecks in den maroden Rohrsystemen im Londoner Untergrund. Anfang 2004 entschließt sich der Wasserversorger Thames Water dazu, bis 2015 etwa 3.000 Kilometer Leitungen zu modernisieren - ein kostspieliges und zeitintensives Unterfangen. "Die Privatisierung der Wasserversorger in England führte zwangsläufig dazu, dass diese vor allem in große, prestigereiche Projekte investierten und sich weniger darum kümmerten, Wasser nachhaltig zu nutzen", so der Wasserwirtschaftsexperte Colin Green von der Middlesex University.

Londoner lernen, Wasser zu sparen

London, Themse
London geht das Trinkwasser aus.

Die Modernisierung des Leitungssystems geht schleppend voran. Derweil sollen auch zum ersten Mal die Bewohner Londons helfen, Wasser zu sparen. "Jeder Bewohner Londons verbraucht durchschnittlich 160 Liter Wasser pro Tag! In Deutschland sind es gerade mal 120 und in Frankreich sogar nur 110 Liter pro Tag und Person. Unser Trinkwasserverbrauch ist untragbar. Es ist daher sehr wichtig, die Haushalte mit wassersparenden Systemen nachzurüsten und das Verbraucherverhalten zu ändern", sagt Jacob Tompkins von der nichtstaatlichen Organisation "waterwise". Er berät einzelne Haushalte in Sachen Wassersparen. Was in Deutschland schon zum Standard gehört, wie etwa Spartasten für die Toilettenspülung, ist den Engländern noch neu. Bisher ist es nicht einmal üblich, einzelne Wasserzähler in der Wohnung zu haben, um den Verbrauch zu dokumentieren. Londons Bürger und Politiker müssen nach jahrelangen Versäumnissen jetzt umdenken.

Autorin: Corinna Hackenbroch (WDR)

Stand: 03.12.2012 09:22 Uhr

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