SENDETERMIN So, 02.12.12 | 17:00 Uhr

PAUL - der mobile Wasserrucksack

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PAUL - der mobile Wasserrucksack  | Video verfügbar bis 01.12.2017
Flüchtlingslager in Port-au-Prince, Haiti
Nach Katastrophen wie dem Erdbeben in Haiti müssen viele Überlebende versorgt werden.

Bei großen Katastrophen verlieren die Menschen oftmals alles - ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage, die Möglichkeit sich selbst versorgen zu können. Und damit auch sehr oft den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein transportabler Wasserfilter soll helfen, die Wasserversorgung nach Katastrophen zu verbessern. Die Erfindung eines Professors der Universität Kassel wurde 2011 beim Wettbewerb "Land der Ideen" als Bundessieger ausgezeichnet. Was ist dran am Wasserrucksack?

Situation vor Ort

Wasseraufbereitungsanlage in Haiti
Überlebenswichtig: Versorgung mit sauberem Wasser

Bei Überflutungen und Erdbeben wie 2010 in Pakistan und Haiti werden auch Wasserleitungen zerstört und andere Wasserquellen stark verunreinigt. Die Menschen trinken das schmutzige Wasser trotzdem, um nicht zu verdursten. Doch schwere Durchfallerkrankungen oder gar Seuchen können die Folge sein. Die großen Hilfsorganisationen versuchen schnell, über lokale Helfer vor Ort einen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe zu bekommen: Gibt es Verletzte? Wie viele Menschen sind obdachlos? Abgeschnitten von der Außenwelt? Wie ist die Versorgung mit Wasser?

Zwei bis drei Tage dauert es in der Regel, dann können die Retter vor Ort sein. Fast immer gibt es dann schon Ansammlungen von Flüchtlingen. Zum Beispiel auf freien Plätzen, wie nach dem Erdbeben in Haiti. In der Nähe bauen dann Rotes Kreuz oder Technisches Hilfswerk die Wasseraufbereitungsanlagen auf. Die Versorgung abgelegener Gebiete erfolgt bisher hauptsächlich per Tanklastwagen oder es werden Chlortabletten verteilt, um das Wasser keimfrei zu machen.

Hilfe für abgelegene Gebiete

Symbol für Trinkwasser auf PAUL, dem mobilen Wasserrucksack
Paul, der Wasserfilter

Doch nicht alle ländlichen, dünn besiedelten Gebiete sind nach Katastrophen für Tanklastwagen mit Wasser gut erreichbar. Und die Helfer können nicht überall gleichzeitig sein. Für solche Regionen hat Professor Franz-Bernd Frechen von der Universität Kassel einen leichten, mobilen Wasserfilter entwickelt. Er benötigt weder Strom noch Chemikalien und ist schnell zu verstehen. PAUL heißt der Wasserfilter. Das ist die Abkürzung für "Portable Aqua Unit for Lifesaving", also: transportable Wassereinheit zur Lebensrettung.  Der Filter kann notfalls sogar als Rucksack getragen werden und gelangt so auch in schwer zugängliche Regionen. PAUL reinigt verschmutztes und verkeimtes Wasser zuverlässig. Einfach oben in den Rucksack das Wasser einfüllen und sauberes Wasser am Abzapfhahn entnehmen.

Wie PAUL funktioniert

Grafik zeigt die Filterwirkung eines Membranfilters
Die Membranen des Filters halten Bakterien und Schmutzpartikel zurück.

PAUL besteht aus einem festen Gehäuse mit einem darin liegenden Membranfiltersystem. Das sind aufrecht stehende Filterplatten, die einen Hohlraum umgeben. Der Wasserdruck drückt das Wasser durch die Filter. Diese haben winzige Poren und halten Schmutzpartikel zurück, genauso wie Krankheitserreger - etwa Bakterien, die Cholera und Typhus auslösen. 1.200 Liter kann PAUL täglich reinigen und damit 400 Menschen mit drei Litern Trinkwasser pro Kopf versorgen.

Wenn viele Menschen auf sehr engem Raum leben, sind drei Liter zu wenig, sagen große Hilfsorganisationen. Hier sind 15 Liter pro Tag und Kopf das Minimum. Denn die Hygiene spielt in solchen Situationen eine große Rolle. Die Menschen müssen Toiletten zur Verfügung haben und die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen. Solch große Mengen an Wasser kann PAUL nicht bereitstellen.

PAUL in Pakistan

Kinder in Pakistan trinken mit PAUL gefiltertes Wasser
Kinder in Pakistan trinken mit PAUL gefiltertes Wasser.

PAUL leistete bereits bei der Flutkatastrophe in Pakistan lebenswichtige Dienste - vor allem in weit abgelegenen Dörfern, deren Infrastruktur zerstört war. Die Hilfsorganisation "Humanity Care Stiftung" brachte per Hubschrauber und Jeep die leichten Filter in die vielen, von der Außenwelt abgeschnittenen Dörfer in Pakistan. Bis zu 400 Menschen leben dort meist zusammen, so dass ein Wasserfilter ein Dorf gut versorgen kann. Hygieneprobleme sind hier nicht so vordringlich. Trinkwasser zu bekommen, das war das Wichtigste.

Inzwischen sind rund 700 der portablen Wasserfilter weltweit im Einsatz. Und die Menschen wollen sie behalten, auch wenn die akute Katastrophe vorbei ist. PAUL bewährt sich so schon über mehrere Jahre, besonders in abgelegenen Gebieten, die nur schwer erreichbar sind. 

Autorin: Anja Galonska (HR)

Stand: 03.12.2012 09:28 Uhr