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Es lebe der Tod

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Es lebe der Tod | Video verfügbar bis 19.11.2017

Ein Stern explodiert

Der Sternenstaub einer Supernova ist der Grundstoff unseres Lebens.

Vor vielen Milliarden Jahren ereignet sich in den Weiten des Universums eine "Supernova". Diesem Tod eines Sterns verdanken wir unser Leben. Denn der Körper des Menschen besteht aus nichts anderem als Sternenstaub, der sich mit jenem kosmischen Großereignis im Weltall ausbreitete. Nahezu sämtliche Elemente und alle Materie unserer Erde entstammen diesem Sternentod. Von Beginn an steht dem Leben der unsichtbare Begleiter namens Tod zur Seite. Und so seltsam es klingen mag: Ohne Sterben gäbe es kein Leben.

Meteorit als Lebensbereiter

Ein kleines Säugetier sitzt auf der Erde, im Hintergrund ist ein Dinosaurier zu sehen

Ein Meteoriteneinschlag führte wohl zum Aufstieg der Säugetiere.

Ein Beispiel: Vor 65 Millionen Jahren stürzt ein riesiger Meteorit auf die Erde. Er wird fast drei Viertel des Lebens auf dem blauen Planeten in den Tod reißen. Doch gerade dieses Inferno ermöglichte die Evolution der Spezies Mensch, denn der Himmelskörper löschte vermutlich die Dinosaurier aus, in deren Schatten unsere tierischen Vorfahren bis dahin als kleine Säugetiere versteckt leben mussten.

Zwar war nach dem Einschlag die Erdoberfläche eine lebensfeindliche Wüste. Aber mit dem Ende der Dinosaurier brach das große Zeitalter der Säugetiere an, aus denen sich auch der Mensch entwickelte. Doch nicht nur im globalen Maßstab wird die Bedeutung des Todes für das Leben deutlich. Jeden Tag ermöglicht er überall auf der Erde Leben.

Vulkane spenden neues Leben

Ein Vulkan spuckt Lava

Lava zerstört alles, was ihr im Weg ist. Doch Lava-Erde ist sehr fruchtbar.

Naturkatastrophen wie ein Vulkanausbruch etwa sind Wegbereiter von neuem Leben. Der um die Tausend Grad Celsius heißen Lava ist nichts gewachsen, was sich diesem Strom in den Weg stellt, ist dem Tod geweiht, und dennoch ist nahezu jeder Vulkan ein Lebensspender. Denn vulkanische Böden sind durch ihren Gehalt an Phosphor, Kalzium und Kalium besonders fruchtbar, was in aller Welt landwirtschaftlich genutzt wird. Zudem siedeln sich Mikroorganismen, besondere Pflanzen und Tiere an den Orten an, die zuvor von Ihren Konkurrenten besetzt wurden. Das Leben blüht nach einem Vulkanausbruch neu auf.

Zelltod und Wachstum

Ein Chromosom

Die Enden der Chromosomen, die Telomere, bestimmen den Zelltod.

Die Welt lebt von der Erneuerung durch Sterben. Ein Prinzip, das auch für die Biologie des Menschen gilt. Unser Leben ist befristet und jede unserer Körperzellen ist auf eine bestimmte Lebensdauer programmiert, um nach ihrem Tod durch eine neue Zelle ersetzt zu werden. Der Schlüssel dazu sind die Endabschnitte der Chromosomen, die Telomere. Sie werden mit jeder Zellteilung kleiner, bis sie schließlich verbraucht sind und die Zelle stirbt. Dieses Selbstmordprogramm ist überlebenswichtig, denn es schützt uns vor Krebs. Sind die Zellen nicht in der Lage, den Zelltod anzuschalten, wuchern sie unkontrolliert weiter und bilden Tumore.

In der Zelle gilt also wie auch im kosmischen Maßstab das Prinzip von Werden und Vergehen. Über 50 Millionen Zellen entstehen jede Sekunde in unserem Körper und ebenso viele sterben in der gleichen Zeit wieder ab. Dieser Prozess der Umwälzung bildet die Basis für das Wachstum. Denn wenn der Körper wächst, werden nicht nur neue Zellen angefügt, sondern der gesamte Organismus wird permanent umgebaut - ein Entwicklungspatent aus der Evolution.

Ohne Tod von Organismen würden wir verhungern

Überall auf der Erde gilt das Gesetz: "Ohne Tod kein Leben." In der afrikanischen Savanne wird dies besonders offensichtlich. Eine Gnu-Herde etwa bildet die Lebensgrundlage für viele andere Tierarten. Bezahlt wird mit dem Tod. Ob Wildhunde oder Geparden, ob Aasgeier, die sich in Scharen an dem toten Tier satt fressen oder auch Hyänen, ohne den Tod unzähliger Gnus könnten sie alle nicht überleben. So unmenschlich diese Erkenntnis erscheinen mag, auch unsere Spezies lebt vom Tod anderer Organismen. Der Mensch würde ohne den Tod anderer verhungern, denn alles, was wir tagtäglich essen, basiert auf Lebendigem.

Dies gilt übrigens keinesfalls nur für fleischliche Kost. Das Wachstum eines Kornfeldes etwa ist Ausdruck lebendiger Pflanzen, die für uns allerdings erst so richtig interessant werden, wenn sie abgestorben sind. Denn die in jedem Korn gespeicherte Stärke liefert uns die nährstoffreiche Grundlage für unseren Stoffwechsel. Ohne totes Korn, kein Frühstücks-Toast. Keines unserer Lebensmittel wäre ohne den Tod von Organismen denkbar. Auch in Sachen Nahrung gilt also der ungewöhnliche Grundsatz unserer Welt: Es lebe der Tod!

Autor: Axel Wagner (SWR)

Stand: 21.11.2012 16:08 Uhr

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