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Beim Reitsport ist das Springen für die meisten Zuschauer die beeindruckende Prüfung. Sie verlangt von Pferd und Reiter extrem viel Kraft und Genauigkeit, die beiden müssen ein perfekt funktionierendes Team sein, um die oft trickreichen Parcours ohne Fehler und in kürzester Zeit hinter sich zu bringen. Der erfolgreichste aktive Springreiter der Welt, Ludger Beerbaum, verrät W wie Wissen, worauf es bei Ausbildung und Training ankommt.
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Ludger Beerbaum und sein Pferd Gotha
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Eines der besten Pferde im Stall von Ludger Beerbaum ist die elfjährige Hannoveraner-Stute Gotha. Die Stute ist nicht gerade mit dem allerbesten Körperbau gesegnet, sagt Ludger Beerbaum. Gothas Schulterpartie falle etwas schwach aus, sie sei hinten zu hoch gewachsen. Aber ihr Kopf macht all diese Schwächen wett. Gotha ist cool, mutig und talentiert.
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Ausbildung eines jungen Springpferdes
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Die Ausbildung eines Springpferdes dauert etwa vier bis fünf Jahre, und in dieser Zeit kann bei falschem Training viel schief gehen. Gotha kam in jungen Jahren in den Stall von Ludger Beerbaum. Sie wurde von den besten Bereitern ausgebildet. Junge Pferde springen meist vertrauensvoll über kleine Hindernisse. Im Laufe der Ausbildung festigen sich die Muskulatur, die Bänder und die Sehnen. Das Pferd gewinnt Routine und das nötige Vertrauen, um immer höher zu springen.
Überfordert der Reiter aber das Pferd, wird es "sauer", das heißt, es verliert die Lust und den Willen zu springen. Verlangt der Reiter zu früh zu viel, drohen Verletzungen. Denn im Moment des Absprungs muss das Pferd seine eigenen 600 bis 700 Kilogramm plus Reitergewicht in die Höhe und Weite katapultieren - durch den Schwung und die Fallhöhe lastet bei der Landung ein enormes Gewicht auf jedem Vorderbein.
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Ludger Beerbaum und Gotha sammeln Erfolge.
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Viel Bewegung ist im Training das A und O. Das Pferd als Steppentier ist vom ganzen Körperbau darauf ausgelegt, jeden Tag weite Strecken zurückzulegen. Jeden Morgen geht Gotha zuerst in die Führmaschine – im Schritt lockert sie da 45 Minuten ihre Muskeln, ohne sich anzustrengen. Gothas Training zielt auf Kondition und Beweglichkeit. Dabei wird gar nicht oft hoch gesprungen - Ausritte, die bis zu drei Stunden dauern können, Dressur und niedrigere Sprünge prägen den Trainingsalltag.
Das Pferd ist von Natur aus ein Fluchttier und dadurch eine perfekte Laufmaschine: Lunge, Herz und Muskeln sind auf Leistung getrimmt. Der maximale Stoffwechselumsatz ist fast viermal so hoch wie bei anderen Tieren vergleichbarer Größe. Aber Kraft und Kondition braucht der Reiter ebenso wie das Pferd. Bei einem Wettkampf müssen Ludger und Gotha in wenigen Minuten bis zu 15 Hindernisse bewältigen - die alle bis zu 1,60 Meter hoch und bis zu zwei Meter tief sind.
Schon als junges Pferd gewinnt Gotha technisch schwierige Wettkämpfe, sie behält auch in den entscheidenden letzten Runden immer die Nerven und holt zusammen mit ihrem Reiter zahlreiche Preise. Weltcup-Springen, Nationenpreise - und im September 2011 wird Ludger Beerbaum mit Gotha Mannschaftseuropameister. Es sieht also gut aus für die olympischen Spiele.
Die Generalprobe für Olympia findet bei den Deutschen Meisterschaften in Balve im Juni 2012 bei strömendem Regen statt. Aber Gotha verliert die Nerven. Sie hört im entscheidenden Moment nicht auf ihren Reiter und springt zu früh ab. Sie rettet sich gerade noch so über den ersten Sprung einer dreifachen Kombination, doch schafft sie den zweiten Sprung nicht mehr und verweigert. Beim zweiten Anlauf bekommt Gotha auf dem Matschboden Panik und springt in den Sprung hinein statt darüber. Ein böser Sturz ist die Folge. Von dem wird sich das Pferd nur langsam erholen.
Der Traum von Olympia ist geplatzt. Doch Hauptsache Gotha ist nicht schwer verletzt und bald wieder in Top-Form. Denn Olympische Spiele gibt es auch in vier Jahren wieder.
Autorin: Nicoletta Renz (BR)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 05.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.