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Vegan leben – eine Weltanschauung

Melanie und Stephan in ihrem Gemüsegarten. (Bild: BR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Melanie und Stephan ernähren sich von den Früchten des eigenen Gartens. ]
Die Massentierhaltung, der qualvolle Tod in den Schlachthöfen - es gibt viele nachvollziehbare Gründe, weshalb Stephan L. und Melanie B. Veganer geworden sind. Vor allem wollen sie in Frieden und Harmonie mit ihrer Umwelt leben. Dazu gehört für sie - ganz selbstverständlich - dass sie keinem anderen Lebewesen etwas zu Leide tun. Deshalb verzichten sie radikal auf den Verzehr oder den Gebrauch jeglicher tierischer Produkte. Aus diesem Grund sind sie Anfang des Jahres sogar extra aufs Land gezogen, um hier im eigenen Gemüsegarten ihr Essen weitgehend selbst zu kultivieren. "Ich habe das Gefühl, dass ich auf gar nichts verzichten muss. Wir haben so viele Grundnahrungsmittel, die wir neu entdecken. Und es gibt die tollsten veganen Rezepte, weil es eben diese Vielfalt gibt", schwärmt Melanie.

Gesundheitlich unbedenklich?

Blutentnahme für Studie (Bild: BR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Blutentnahme für die Studie: Wie hoch wird der Vitamin B12-Level sein? ]
Allerdings gilt im deutschsprachigen Raum eine rein vegane Ernährung noch immer als gesundheitlich bedenklich. Um das Risiko für sich und ihre drei Kinder besser abschätzen zu können, beschließen die beiden an einer Studie der Eidgenössischen Hochschule in Zürich teilzunehmen. Die Forscher dort wollen anhand von Blut-und Urinproben die Vitamin- und Mineralien-Versorgung von 50 Veganern analysieren und so ihre gesundheitliche Verfassung mit der einer gleich großen Gruppe von Vegetariern und Allesessern vergleichen.

Zur Überraschung der Ernährungswissenschaftler schneidet die Gruppe der Veganer deutlich besser ab, als erwartet. Sogar ihre Vitamin B12 Werte sind weitgehend in Ordnung. Vitamin B12 kommt zwar ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Ein Großteil der Probanden hatte das Vitamin aber über Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen, bei anderen, wie bei Melanie und Stephan war es noch in der Leber gespeichert. Vitamin-B12-Mangelerscheinungen treten oft erst nach Jahren auf. Dann aber können sie zu Blutarmut führen oder das Nervensystem irreversible schädigen. Die meisten Veganer der Schweizer Versuchsgruppe waren sich dieser Gefahr offenbar bewusst. Auch nahmen sie über Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte so viel Zink und Eisen zu sich, dass sie die Tatsache, dass dieses bei einer rein veganen Ernährung schlechter vom Körper aufgenommen werden kann, fast komplett kompensieren konnten. Melanie und Stephan sind erleichtert. Da ihre Kinder, im Gegensatz zu ihnen, noch Milchprodukte essen, dürften sie mit Vitamin B12 ausreichend versorgt sein.

Herausforderung im Alltag

Ein Paar sitzt mit einer Ärztin am Tisch. (Bild: BR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: ETH-Studie: Vegane Ernährung nicht unbedingt ungesund ]
Schon vor der Studie fühlte sich die Familie gesund und leistungsstark. Jetzt sehen sie dieses Gefühl durch die wissenschaftlichen Ergebnisse bestätigt. Trotzdem bleiben sie wachsam: "Ich werde sicher das Blutbild weiter im Auge behalten. Wenn es sich verschlechtern würde, würde ich Vitaminpräparate zu mir nehmen", sagt Melanie. Vegan und gesund zu leben ist nicht leicht und stellt im Alltag eine Herausforderung dar, der nicht jeder gewachsen ist. Deshalb ist diese Ernährungsform auch nur Menschen zu empfehlen, die beides haben: ein großes Verantwortungsgefühl für ihre Umwelt, aber auch für sich selbst.

Autorin: Sabine Frühbuss (BR)

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 28.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 28.10.12 | 17:00 Uhr