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Dr. Harald Asmus erforscht den Einfluss fremder Arten im Wattenmeer.
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Die dicken, luftgefüllten Reifen des Handwagens hinterlassen deutliche Spuren im Schlick, genau wie die Gummistiefel der drei Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts. Es ist Niedrigwasser und das Watt zwischen Sylt und dem Festland glänzt nass-braun in der Sonne. Harald Asmus und seine beiden Kolleginnen sind dienstlich auf dem Weg zu Miesmuschelbänken. Ihre Arbeit ist Teil eines deutsch-niederländischen Forschungsprojektes. Dessen Ziel ist eine vollständige Inventur im Wattenmeer. Die Biologen wollen klären, welche heimischen Arten und welche eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten derzeit im Wattenmeer leben und wie sie voneinander abhängen. Derzeit ist im Wesentlichen nur bekannt, dass es hier viele fremde Arten gibt. Aber welche Wirkung sie haben und welchen Schaden sie gegebenenfalls anrichten, ist noch nicht erforscht.
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Eine beliebte Spezialität: Pazifische Auster
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Die Muschelbänke fallen bei Ebbe trocken. Die circa vier bis fünf Zentimeter großen, braun-blau-schwarz schimmernden Miesmuscheln haben hier festen Untergrund gefunden, auf dem sie sich ansiedeln konnten. Zwischen den Miesmuscheln finden die Forscher hier aber immer häufiger auch große, klobige Muscheln, für die Gäste in Sylter Restaurants viel Geld bezahlen: Austern. Genauer gesagt, Pazifische Austern. Diese Muschelart kommt natürlicherweise nur vor der Küste Japans vor. Sie wurde vom Menschen ins Ökosystem Wattenmeer eingeschleppt durch eine Austernzucht, die direkt vor Sylt den hohen Bedarf an den teuren Speisemuscheln deckt, wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts nachgewiesen haben. Die eigentlich ortsfremde Art hat sich nach einigen milden Wintern wider Erwarten stark ausgebreitet.
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Krebse können Austern schwer knacken.
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Das Problem an der Pazifischen Auster ist, dass Vögel und Krebse sie im Gegensatz zur Miesmuschel nicht aufbrechen und fressen können. Zwar filtert die Auster ebenso wie die Miesmuschel das Wasser im Watt und erfüllt so eine wichtige Funktion. Doch gleichzeitig konkurriert die eingeschleppte Art mit der heimischen Miesmuschel um Lebensraum und um tierisches Plankton im Wasser. Derzeit erforschen die Biologen vom Alfred-Wegener-Institut auf Sylt was das für Auswirkungen hat. Wahrscheinlich ist, dass die Miesmuschelbestände zurückgehen werden und die Nahrungsgrundlage für Krebse, Vögel und andere Arten dadurch beeinträchtigt wird.
Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Miesmuscheln aus der Not eine Tugend machen und zwischen, beziehungsweise unter den sehr viel größeren Pazifischen Austern siedeln. Dort ist zwar das Nahrungsangebot schlechter, dafür sind die Miesmuscheln wesentlich besser vor Fressfeinden geschützt. Gut für die Gejagten, schlecht wiederum für Tierarten, die sich hauptsächlich von Miesmuscheln ernähren.
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Ebenfalls eine eingeschleppte Art: der Beerentang
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Bei der Untersuchung von Fischmägen finden die Biologen einen weiteren Neuankömmling im Wattenmeer: Caprella mutica, den Gespensterkrebs. Eine Art, die ebenfalls aus Asien stammt und mit der Berufsschifffahrt nach Deutschland gekommen ist. Verblüffend für die Forscher ist, wie schnell dieser kleine Krebs von den heimischen Fischen als Beutetier angenommen worden ist. Damit nimmt der Gespensterkrebs den Beutedruck von heimischen Tierarten, die nun weniger gefressen werden.
Und es gibt noch weitere Beispiele für positive Wirkungen von eingeschleppten Fremdarten: Sargassum muticum, der Beerentang wächst seit einigen Jahren auf dem Grund des Wattenmeeres und bildet dort dichte Wälder. Neuer Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Kleinstlebewesen. Bis in die 1920er-Jahre waren diese Regionen mit Seegras bewachsen. Doch dann rottete ein Schleimpilz das heimische Seegras aus und zerstörte damit gleichzeitig den Lebensraum für viele Tierarten. Der Beerentang schließt diese Lücke nun wieder.
Meist ist es der Mensch, der unbedacht oder sogar absichtlich, fremde Arten in andere Lebensräume einschleppt und damit großen Schaden anrichtet. Doch im Wattenmeer zeigt sich jetzt, dass die Natur sich oft selbst zu helfen weiß. Neuere Forschungen des Alfred-Wegener-Instituts haben ergeben, dass Seesterne mittlerweile gelernt haben, junge, pazifische Austern zu fressen und diese sogar gegenüber Miesmuscheln bevorzugen. Etwas weiter südlich, vor der ostfriesischen Küste zeigt sich sogar, dass die Pazifische Auster bei der Wiederansiedelung von Miesmuscheln hilft. Denn dort waren viele Muschelbänke wegen dauernder Überfischung bereits völlig kahl und drohten zu versanden. Die scharfkantige Schale der Pazifischen Auster erweist sich nicht nur als resistent gegen Fischernetze, sie bietet den Miesmuscheln auch ein gutes Fundament. Auf den kahlen Sandbänken alleine hätten sie keinen Halt gefunden.
Autor: Björn Platz (NDR)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 19.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.