SENDETERMIN So, 27.10.13 | 17:00 Uhr

Altkleider: Der neue "Rohstoff"?

Altkleider: Der neue "Rohstoff"? | Video verfügbar bis 27.10.2018
Altkleidermarkt in Nairobi.
Auf dem Gikombamarkt in Nairobi werden Altkleider jeder Art angeboten.

Mitumba heißt auf Swaheli "Bündel" und bezeichnet die großen Ballen, zu denen die Altkleider aus Europa oder den USA zusammengebunden sind. Sie sind in Afrika die wichtigste Quelle für Kleidung. Was in Deutschland in die Altkleider-Container geworfen wird, landet zu Ballen gepresst etwa auf dem Markt in Nairobi. Viele Menschen verdienen hier ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf, dem Umschneidern oder dem Verarbeiten von Mitumba. Kinder, alte Menschen, junge Modebewusste oder Businessleute, sie alle kleiden sich mit Mitumba- Altkleidern.

Baumwolle ist ein teurer Rohstoff

Bonney Wanyera bemalt ein T-Shirt.
Bonney Wanyera in seinem kleinen Atelier.

Der Modedesigner Bonney Wanyera zum Beispiel hat sich darauf spezialisiert T-Shirts und Jeans zu bemalen und zu besticken, den Kleidern also einen ganz eigenen Stil zu geben. Am liebsten arbeitet er mit Kleidung aus Baumwolle. Die ist für das Klima in Afrika ideal. Doch Baumwolle ist für ihn ein kaum erschwinglicher Rohstoff. Die Weltmarktpreise für diesen Rohstoff sind hoch. Wenn Bonney Wanyera neue Baumwollstoffe kaufen und verarbeiten würde, könnten sich seine Kunden diese nicht mehr leisten.

Ein zweites, afrikanisches Leben

T-Shirt mit Totenkopf.
Auf dem alten T-Shirt wird Afrika sichtbar.

Deshalb kauft der Modedesigner auf den Altkleidermarkt von Nairobi gebrauchte Kleidung, um ihnen quasi ein neues Leben einzuhauchen. Ihm ist es dabei sehr wichtig, dass die alten Sachen nicht einfach aufgetragen werden, sondern dass daraus Stücke entstehen, in denen sein ganz persönlicher Stil sichtbar wird, ein afrikanischer Stil. Auch Bonneys Frau verarbeitet inzwischen Mitumba. Ihre Idee: Immer im Kreis herum geschnitten wird aus einem großen T-Shirt gutes, stabiles Garn, aus dem sie zum Beispiel Hausschuhe häkelt.

Der Handel mit Altkleidern ist ein großes, globales Geschäft. Und in Ländern, in denen das Einkommensniveau zu gering ist, um neue Ware zu kaufen, ist Mitumba eine Chance, Kleidung aus Baumwolle zu tragen.

Autorin: Katharina Nickoleit (WDR)

Stand: 05.11.2013 16:57 Uhr