SENDETERMIN So, 12.05.13 | 17:00 Uhr

Antibiotika aus der Natur

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Antibiotika aus der Natur | Video verfügbar bis 11.05.2018
Kultur auf einer Petrischale
Was hilft gegen multiresistente Bakterien?

Im Institut für Krankenhaushygiene an der Uniklinik Heidelberg stapeln sich die Glasschalen mit Abstrichen von Patienten. Die kleinen Kolonien von Bakterien, die sich wie Inseln auf den roten Nährboden abzeichnen, werden hier analysiert. So finden die Mitarbeiter des Instituts heraus, welche Bakterien bei den Patienten die Infektionen ausgelöst haben. Nach der Auswertung können die Patienten, dann mit den passenden Antibiotika behandelt werden. Wo früher einfach ein Breitbandantibiotikum gegeben wurde, wird heute genauer geschaut, um welchen Bakterienstamm es sich handelt, um den dann mit dem passenden Antibiotikum zu behandeln. Denn viele Bakterien sind resistent, eben weil Antibiotika zu häufig eingesetzt werden. Selbst bei Bagatellerkrankungen wie einer Erkältung. Wird dann das Antibiotikum nicht konsequent eingenommen oder die Behandlung abgebrochen, sobald sich der Patient besser fühlt, ist es für die macht es Bakterien leicht, widerstandsfähige Stämme zu bilden.

Vom Immunsystem der Pflanzen profitieren

Eine Raupe knappert an einem Blatt
Pflanzen-Antibiotika versiegeln Fresswunden gegen Mikroben.

Professor Uwe Frank leitet das Institut für Krankenhaushygiene. Er ist ein Mann mit einer Vision: Antibiotika aus Pflanzen, sagt er, sind in vielen Fällen eine sinnvolle Alternative zu den herkömmlichen antibakteriellen Mitteln. Auch Pflanzen müssen sich gegen Bakterien wehren. Seit zig Millionen Jahren tun sie dies, ohne bei Bakterien Resistenzen hervorzurufen. Denn Pflanzen arbeiten mit einem effektiven Gemisch aus vielen verschiedenen antibakteriellen Stoffen. Sie brauchen die Schutzstoffe vor allem, wenn Fressfeinde Wunden hinterlassen. Ohne Abwehrstoffe wären die Wunden offene Einfallstore für Mikroben. Aber auch gegen Pilze und Viren verteidigen sich die Pflanzen mit ihren Schutzstoffen.

Streiter für alternative Antibiotika.

Prof. Uwe Frank, Leiter der Krankenhaushygiene in Heidelberg
Professor Uwe Frank, Leiter der Krankenhaushygiene in Heidelberg

Alternative Antibiotika sind auch deshalb gefragt, sagt Uwe Frank, weil die herkömmlichen unsere Darmflora angreifen: "Deswegen ist bei herkömmlichen Antibiotika eine der häufigsten Nebenwirkungen Durchfall oder Magen-Darm-Beschwerden. Diese Nebenwirkung findet man bei pflanzlichen Antibiotika in der Regel nicht. Sie werden im oberen Darm resorbiert und es kommt nicht zu derartigen Symptomen." Zu den Lieferanten der wirkungsvollsten Schutzstoffe zählen viele bekannte Pflanzen. Eigentlich kein Wunder. Wegen der aromatischen Inhaltsstoffe sind viele dieser Gewächse als Küchenkräuter und als Tees beliebt. Oder finden seit langer Zeit Anwendung in der Naturheilkunde. Oregano, Thymian, Kapuzinerkresse, Meerrettich oder Kamille und Salbei.

Bekannt aus der Naturheilkunde

Ätherische Öle in Flaschen
Ätherische Öle wirken am stärksten.

Am stärksten wirken die ätherischen Öle der Pflanzen gegen die Mikroben. Rettich und Senf zum Beispiel bekämpfen Bakterien in Atem- und Harnwegen. Doch ihre Wirkung ist nicht nur antibakteriell. "Die häufigsten Infektionen im ambulanten Bereich sind obere Atemwegsinfektionen, die durch Viren hervorgerufen werden. Ein wesentlicher Vorteil der pflanzlichen Antibiotika ist, dass viele von ihnen auch gegen Viren wirken. Die klassischen Antibiotika tun das nicht", erklärt der Heidelberger Infektiologe.

Studien haben gezeigt: Die ätherischen Öle von Oregano und Thymian wirken besonders in der Lunge und im Verdauungssystem, Kamille und Salbei bekämpfen Bakterien im Mund- und Rachenraum.

Am besten aus der Apotheke

Pflanzen sind Naturprodukte. Ihre Inhaltsstoffe - abhängig von Klima und Standort - können sehr unterschiedlich konzentriert sein. Deshalb rät der Heidelberger Mediziner für die Bekämpfung von Infektionen zu pflanzlichen Präparaten aus der Apotheke. Dann sei sichergestellt, dass das Produkt die Wirkstoffe auch in der angemessenen Konzentration enthält. Verdrängen werden pflanzliche Schutzstoffe die herkömmlichen Antibiotika nicht. Bei gefährlichen Infektionen sind sie weiter unverzichtbar.

Bei leichten Infekten aber können die Substanzen aus den Pflanzen schützen und heilen. Und das, ohne weitere Bakterien mit Resistenzen gegen Antibiotika zu erzeugen.

Autor: Frank Wittig (SWR)

Definition: Antibiotikum
Aus griechisch: anti = gegen und Bios = Leben.
Substanzen, die von Bakterien und Pilzen gebildet werden, um andere Mikroben im Wachstum zu hemmen oder abzutöten.

Definition: Resistenz
Lateinisch: resistere = widerstehen
Unempfindlichkeit gegen Giftstoffe wie zum Beispiel Antibiotika

Lesetipps
Antibiotika aus der Natur
Marion Michael Grandt
Kopp-Verlag, Rottenburg, 2009
253 Seiten, 19,95 Euro

Stand: 29.05.2013 16:48 Uhr

Sendetermin

So, 12.05.13 | 17:00 Uhr