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Bioplastik - alles abbaubar?

Bioplastik - alles abbaubar? | Video verfügbar bis 01.09.2018

Die größten Irrtümer über Bioplastik

Verpackungen und Tüten aus Bioplastik
Ein Fall für den Kompost?

Wenn wir Bio-Lebensmittel kaufen, dann wissen wir, die Produkte wurden ohne Pestizide und Kunstdünger angebaut und sind nicht gentechnisch verändert. Die geschlachteten Tiere wurden artgerecht gehalten und in der Regel weniger mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt. Dass sich nur "Bio" nennen darf, was auch "Bio" ist, dafür sorgt eine EU-Verordnung.

Wenn wir Bioplastik kaufen, dann gehen wir davon aus, dass hier dieselben Regeln gelten. Schließlich heißt es auch "Bio". Doch das ist falsch. [W] wie Wissen über die größten Bioplastik-Irrtümer.

Irrtum 1: Bioplastik ist gesünder als herkömmliches Plastik

Eine Frau kaut auf einen Pappbecher im Plastikbeschichtung
Bioplastik essen ist keine gute Idee.

Es gibt Menschen, die glauben, man könne Bioplastik essen. Schließlich werde es aus Pflanzen hergestellt und enthalte vor allem Mais- oder Kartoffelstärke. Das ist aber nicht zu empfehlen. Bioplastik ist nicht gleich essbares Geschirr! Es dürfen sich auch Kunststoffe Bioplastik nennen, die aus fossilen Rohstoffen gemacht sind, und zwar dann, wenn sie biologisch abbaubar sind, so wie abbaubare Polyester (PE).

Außerdem kann auch Bioplastik Zusatzstoffe enthalten. Es sind oft dieselben wie in herkömmlichem Plastik, zum Beispiel UV-Stabilisatoren, Flammschutzmittel oder sogar Weichmacher. Da genau diese Stoffe oftmals die problematischen sind, ist der Umgang mit Bioplastik weder gesünder noch ungesünder als mit herkömmlichem Plastik.

Irrtum Nummer 2: Bioplastik ist immer biologisch abbaubar

Öl-Pumpe im Sonnenuntergang
Bioplastik kann auch aus Erdöl sein.

Auf so manchem Biokunststoff steht, dass er kompostierbar sei, also biologisch abbaubar. Aber das trifft längst nicht auf alle Biokunststoffe zu. Uns Verbrauchern begegnen vor allem zwei Arten Bioplastik: zum einen "biobasiert", zum anderen "biologisch abbaubar".

Das "biobasierte" Plastik ist nicht biologisch abbaubar, sondern nur aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt. Es kann sogar genauso beständig sein wie herkömmliches Plastik. Schon jetzt arbeiten manche Hersteller von PET-Flaschen mit pflanzlichen Rohstoffen anstelle von fossilen. Dafür müssen sie nicht einmal den Herstellungsprozess verändern, denn das verwendete Monoethylenglycol aus nachwachsenden Rohstoffen ist der gleiche Stoff wie das Monoethylenglycol aus fossilen Rohstoffen. Dieses "biobasiertes" Plastik ist genauso schlecht abbaubar und hält so lange wie herkömmliches Plastik, auch in den Meeren.

Nur biologisch abbaubare Kunststoffe müssen laut einer DIN-Norm innerhalb einer bestimmten Zeit durch den Einfluss von Hitze, Sauerstoff, Feuchtigkeit und Bakterien oder Pilzen zu 90 Prozent zerfallen: und zwar in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse.

Irrtum Nummer 3: Bioplastik gehört in den Biomüll

Eine Tüte aus kompostierbarem Plastik
Bioplastik gehört meist nicht in den Biomüll.

Natürlich darf nur in die Biotonne, was kompostierbar ist. Damit scheidet das "biobasierte" Plastik, das nicht abbaubar ist, schon einmal aus.

Gehört biobasiertes Plastik also in die gelbe Tonne?
Bisher noch nicht, denn da gibt es ein Problem. Die Recyclingunternehmen sortieren einen Teil des "biobasierten" Plastiks bisher aus und schicken ihn mit anderen Mischkunststoffen in die Müllverbrennung. Denn finanziell lohnt sich das Recycling noch nicht. Man könnte es genauso gut in die Restmülltonne werfen. Nur das oben erwähnte PET und PE mit Anteilen aus nachwachsenden Rohstoffen, wird oft unbemerkt mitrecycelt. Sie stören nicht, weil ihre chemischen Bestandteile identisch sind, mit denen aus fossilen Rohstoffen.

Richtig problematisch würde es, wenn biologisch abbaubares Plastik im Recycling zwischen normalem Plastik landet. Dann könnte es den Wertstoff verunreinigen und dem Kreislauf schaden. Deshalb sollen Infrarot-Scanner biologisch abbaubares Plastik erkennen und herausfiltern. Das funktioniert, obwohl sich Bioplastik äußerlich meist nicht von herkömmlichem unterscheidet.

Aber was ist mit den Biomülltüten, die kompostierbar sind?
In den meisten Kommunen dürfen sie nicht in den Biomüll. Denn sie verrotten zu langsam für Biogasanlagen. Plastikschnipsel im Kompost sind die Folge. Nur wenige Abfallentsorger haben eine Lösung gefunden, so wie im Ennepe-Ruhr-Kreis. Hier dürfen die Bürger nur ganz spezielle Beutel verwenden, die sich in einer Vergärungsanlage innerhalb von fünf Wochen vollständig auflösen. Möglich ist das, weil sich Behörden, Tüten- und Maschinenhersteller gemeinsam an die Lösung des Problems gemacht haben.

Das sind sie sie also, die größten Irrtümer zum Bioplastik

Wir stellen fest. Der Begriff ist reichlich irreführend. "Bio" hat hier nichts mit "ökologisch" zu tun. Bioplastik schont zwar fossile Bodenschätze, aber die Umwelt schont es weniger, als angenommen.

Autor: Heiko De Groot (NDR)

Stand: 03.04.2014 11:39 Uhr