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Der Streit ums Bodenseewasser

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Der Streit ums Bodenseewasser | Video verfügbar bis 20.08.2020 | Bild: SWR

Wuchernde Algenteppiche, eine trübe Brühe … dem Bodensee ging es in den 1970er-Jahren richtig dreckig. Seither wird um seinen Phosphatgehalt gerungen. In den vergangenen Wochen erreichte der Streit einen neuen Höhepunkt.

Angst um die Existenz

Der See ist durch effektive Klärmethoden so phosphat- und nährstoffarm geworden, dass deutlich weniger Fische im See heranwachsen. Die Berufsfischer sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Sie fordern den Phosphatgehalt wieder anzuheben. Doch Umweltbehörden, wie das Institut für Seenforschung, haben dem eine klare Absage erteilt. Wichtigstes Argument: Die Funktion des Bodensees als Trinkwasserlieferant. Mehr als 4,5 Millionen Menschen in Baden-Württemberg und der Schweiz hängen an seinem Tropf.

Die Wasserzirkulations des Bodensees könnte sich in Zukunft verschlechtern.
Die Wasserzirkulations des Bodensees könnte sich in Zukunft verschlechtern. | Bild: SWR / BR

Ein niedriger Phosphatgehalt sei wichtig, um den See langfristig vor dem Umkippen zu schützen. Harald Hetzenauer, Chemiker beim Institut für Seenforschung, stützt sich mit dieser Einschätzung auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Klimawandel am Bodensee". Der Studie nach wird der See immer wärmer. Die Folge: Die Wasserschichten werden stabiler, was ihre Zirkulation und die Sauerstoffversorgung des Seegrunds erschwert. Nur durch einen niedrigen Phosphatgehalt, so die Forscher, könne man das ökologische Gleichgewicht des Sees langfristig erhalten. Ein starkes Argument.

Fischer müssen umdenken

Mehrere Wasserbecken.
Perspektive für die Zukunft? Der typische Bodenseefelchen ließe sich auch in Aquakultur züchten.  | Bild: BR

Da die Fische im See aber tatsächlich nicht mehr für alle Berufsfischer ausreichen, hat jetzt die Internationale Bevollmächtigten-Konferenz für Berufsfischerei entschieden, dass ein Drittel aller Fischer ihr Patent und damit ihr Recht im See zu fischen, zurückgeben müssen. Aber auch die verbleibenden Fischer werden vielleicht umdenken müssen – indem sie sich durch die Zucht von Bodenseefischen in Aquakulturen ein zweites wirtschaftliches Standbein schaffen.

Autorin: Sabine Frühbuss (BR)

Stand: 22.08.2015 15:40 Uhr