SENDETERMIN Sa, 20.09.14 | 16:00 Uhr

Ebola-Therapie: Impfstoffe und Medikamente

Ebola-Therapie: Impfstoffe und Medikamente | Video verfügbar bis 19.09.2019

Im Kampf gegen das Ebola-Virus sind die Ärzte und Helfer in den Seuchenregionen fast machtlos. Sie können die Erkrankten nur symptomatisch behandeln, also ihren Kreislauf stabilisieren, Fieber senken und ihnen ausreichend zu trinken und essen geben. Impfungen oder Medikamente, die sich gezielt gegen das Virus richten, stehen noch nicht zur Verfügung. Unterschiedliche Therapien sind aber in der Entwicklung - hier ein Überblick.

1. Aktive Schutzimpfung

Grafische Darstellung eines gentechnisch veränderten Stomatitisvirus
Der Lebendimpfstoff basiert auf einem Stomatitisvirus.

An zwei sogenannten Lebendimpfstoffen wird zurzeit geforscht, hierbei sind erste kleinere Studien mit Menschen auch schon angelaufen. Einer der beiden Impfstoffe ist VSV-EBOV aus Kanada. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, denn er basiert auf dem "vesikulären Stomatitis-Virus". Mit diesen eigentlich harmlosen Viren, die bei Nutztieren Entzündungen in der Mundhöhle verursachen können, soll dem Immunsystem ein Befall mit dem Ebolavirus vorgegaukelt werden. Denn eine Impfung mit Ebola selbst wäre viel zu riskant. Für die "Maskerade" werden diese Stomatitisviren gentechnisch manipuliert - und zwar so, dass die Oberfläche ihrer Hülle in Teilen aussieht wie die von einem Ebolavirus. VSV-EBOV wurde bereits an Affen getestet, die Impfviren lösen tatsächlich eine deutliche Immunreaktion aus. Die Tiere bilden nach der Impfung Antikörper, die gegen ein Virus wirksam sind, das sich gar nicht im Körper befindet. Nach zwei Wochen sind sie dauerhaft immun gegen Ebola.

Allerdings ist dieser Lebendimpfstoff sehr empfindlich. Damit die Impfviren nicht geschädigt und unbrauchbar werden, muss das Serum bei minus 20 bis minus 80 Grad Celsius gelagert werden. Das erschwert Transport, Lagerung und Anwendung in den betroffenen Gebieten, wo tropisches Klima herrscht und die Stromversorgung nicht garantiert ist.

Erste Ergebnisse aus Tests mit diesem Lebendimpfstoff an gesunden Menschen (Freiwillige) werden Ende Oktober, Anfang November erwartet. Dann könnte man - je nachdem, wie sicher und wirksam der VSV-Impfstoff ist - mit weiteren klinischen Studien beginnen. Möglich wäre es dann in einem nächsten Schritt, Ärzte, Schwester und Helfer vor einem Einsatz im Seuchengebiet damit zu impfen.

2. Passive Schutzimpfung

Grafische Darstellung von Antikörpern.
Bei einer passiven Impfung werden Antikörper gespritzt.

Eine sogenannte passive Schutzimpfung enthält statt genetisch manipulierter Erreger bereits fertige, hoch spezifische Antikörper gegen das Ebola-Virus. Daher wirkt diese Impfung sofort, sie kann auch noch helfen, wenn der Patient schon infiziert ist. Zu dieser Gruppe gehört auch das aus den USA stammende Mittel ZMapp. Es enthält drei verschiedene Antikörper, die an bestimmten Oberflächenstrukturen in der Hülle des Ebola-Virus andocken und es dadurch neutralisieren sollen. So wird das Immunsystem dabei unterstützt, das Virus schnell zu eliminieren. Bisher wurde ZMapp bei fünf Menschen eingesetzt, drei davon überlebten.

Ob ZMapp tatsächlich bei der Heilung dieser drei Patienten geholfen hat, wissen selbst die behandelnden Ärzte nicht so genau. Auch die bessere Versorgung dieser Ebola-Infizierten mit den Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin könnte dazu beigetragen haben. Außerdem gibt es ZMapp im Moment noch nicht in ausreichenden Dosen, da die Herstellung zeitlich sehr aufwendig ist. Dazu kommt: Bisher ist das Mittel nur an Tieren getestet, denn bei dem Einsatz der fünf Patienten handelt es sich um Heilversuche. Experten warnen vor einem großflächigen Test in Westafrika: Man dürfe die Menschen dort nicht als "Versuchskaninchen" für Medikamententests verwenden.

3. Notimpfung mit Immunserum

Grafische Darstellung einer Spritze, die mit Blut gefüllt ist.
Antikörper werden aus dem Blut eines überlebenden Ebola-Patienten gewonnen.

Für eine solche Notimpfung mit Immunserum müssten Überlebende der Ebola-Infektion Blut spenden, denn sie haben ja Antikörper gegen das Virus gebildet. Um dieses Serum zu gewinnen, lässt man das gespendete Blut gerinnen und zentrifugiert es. Blutkörperchen und Gerinnungseiweiße wandern daraufhin in den Bodensatz. Übrig bleibt der flüssige Anteil, eben das Serum, in dem dann die Antikörper gegen Ebola enthalten sind. Die Gefahr dabei: das Blut der Spender könnte auch mit Erregern von Krankheiten wie Aids, Hepatitis oder Malaria infiziert sein. Das müssten Tests zuvor ausschließen, damit eine Notimpfung nicht zu weiteren Infektion bei den Patienten führt. Experten sehen diese Methode auch deshalb skeptisch, weil die Menge der Antikörper im Blut bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Deshalb wäre auch fraglich, wie hoch die Dosis sein müsste, die man einem Erkrankten gibt. Immerhin kam so eine Notimpfung bei dem Ebola-Ausbruch im Kongo vor fast 20 Jahren schon mal zum Einsatz: Die Sterberate von Infizierten soll damals zurückgegangen sein. Doch auch hier ist nicht ganz klar, ob es an dem Immunserum lag oder einer besseren medizinischen Versorgung der Betroffenen.

4. Antivirale Medikamente

Ein Gefäß mit pinker Flüssigkeit im Labor
Zurzeit wird auch die Wirkung eines antiviralen Medikaments getestet.

Dazu gehört der Wirkstoff Favipiravir, unter Medizinern auch T-705 genannt. Es handelt sich um ein Grippemittel aus Japan, das in Tablettenform vorliegt und für die Influenzatherapie beim Menschen auch schon erfolgreich getestet wurde. Aber nicht für eine Ebolatherapie. Im S4-Forschungslabor des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin haben Wissenschaftler T-705 bei Ebola-infizierten Mäusen getestet. Das Ergebnis: Noch sechs Tage nach der Infektion konnten 100 Prozent der Tiere gerettet werden, wenn sie T-705 bekamen. Das Wirkprinzip des Mittels: Befällt das Virus eine Wirtszelle, programmiert es diese genetisch so um, dass sie immer neue Viren herstellt. Allerdings muss es seine Erbinformation zunächst für die Wirtszelle "übersetzen". Dazu braucht es das Enzym Polymerase. T-705 hemmt die virale Polymerase und bremst so die Produktion neuer Viren.

Doch ob und wie dieses Grippemittel bei Ebola-infizierten Menschen wirkt, muss noch geprüft werden. Ebenso die Frage, wie gut die lebensbedrohlich erkrankten Ebolapatienten das Medikament überhaupt vertragen. Die japanische Herstellerfirma hat angekündigt, mehrere tausend Dosen in die Epidemie-Gebiete zu schicken. Ob das bereits geschehen ist, ist unklar.

Fazit

Medikamente und Impfstoffe können dieseEpidemie nicht mehr stoppen. Dafür braucht es vor allem mehr Geld, mehr Ausrüstung und mehr medizinisches Personal. Denn nur durch schnellere Diagnosen, strengere Quarantänemaßnahmen und eine bessere medizinische Infrastruktur könnte die derzeitige Ebola-Epidemie überhaupt noch gestoppt werden.

Autorin: Anna Schubert (NDR)

Adressen:

Prof. Dr. med. Marylyn M. Addo, MSc, DTM&H
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Sektion Infektiologie, Schwerpunkt Emerging Infections
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Martinistr. 52
20246 Hamburg
E-Mail: m.addo(at)uke.de

Prof. Dr. Bernhard Fleischer
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Sektion Immunologie und Virologie
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
E-Mail:fleischer(at)bnitm.de

Stand: 22.09.2014 09:21 Uhr