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Sauna - finnische Lebensart und Erkältungsvorsorge?

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Sauna - finnische Lebensart und Erkältungsvorsorge? | Video verfügbar bis 09.01.2020

»"Wenn Schnaps, Teer und die Sauna nicht helfen, dann ist die Krankheit tödlich."
Finnisches Sprichwort.«

Ein Mann sitzt in einer Rauchsauna.
Die Sauna gehört in Finnland zur kulturellen Identität.

Ein schummrig beleuchteter Holzraum. Nackte Männer sitzen schweigend auf Holzstufen. Schwitzen. Einer schlägt sich wiederholt mit einem Bündel Birkenzweige. Ein anderer steht, nimmt einen Gusslöffel voll Wasser und gießt den Inhalt über die aufgeheizten Steine auf dem Ofen in der Ecke. Ein Zischen durchfährt den Raum. In kurzer Zeit umschlingt der feuchte Dampf die Körper. Die Poren öffnen sich.

Das Wort "Sauna" bedeutet "Schwitzstube". Aber nur in Finnland gehört der Gang in die Hitze zur kulturellen Identität. Die Sauna ist ein Ort der Reinigung von Körper und Geist. Lange Zeit war sie das reinste Zimmer in einem finnischen Haus. Und das einzige, in dem es warmes Wasser gab. Hier wurden Kinder geboren und die letzte Waschung von Toten vorgenommen. Noch heute sagen die Finnen, die Sauna sei die Apotheke der armen Leute.

Aber kann die finnische Sauna auch einer Erkältung vorbeugen? Oder komplexer gefragt: Stärkt die regelmäßige Sauna unser Immunsystem?

Erkältungsvorsorge durch Sauna?

Zumindest regelmäßige Saunabesucher schwören auf den verbesserten Schutz vor Erkältungskrankheiten. Viele geben an, von Erkältungen frei oder fast frei zu sein. Und dennoch ist der wissenschaftliche Beleg dafür bisher schwach.

In einer Studie der Universität Wien wiesen Forscher im Jahr 1990 25 Probanden an, regelmäßig in die Sauna zu gehen. Sechs Monate lang untersuchten sie die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Erkältungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nicht in die Sauna ging. Das Ergebnis: Die Saunagruppe hatte in den sechs Monaten deutlich seltener Erkältungen, wobei sich die Dauer und Schwere der Erkältung nicht unterschieden. Die Ergebnisse wurden seitdem jedoch nicht reproduziert.

Eine weitere Studie ist noch älter und stammt aus dem Jahr 1977. 44 Kindergartenkinder im Alter von vier Jahren wurden über 18 Monate begleitet. Einige besuchten in dieser Zeit regelmäßig die Sauna, andere nicht. Die Kinder, die regelmäßige Saunagänge durchführten, wurden deutlich seltener krank als die Kinder der Kontrollgruppe.

Großflächige und länger angelegte Studien zum Nutzen der Sauna bei der Erkältungsvorbeugung gibt es nicht. Ein Land wie Finnland, in dem die Einwohner durchschnittlich mindestens einmal pro Woche die Sauna besuchen, entwickelt nicht weniger Erkältungen als seine skandinavischen Nachbarn. Dennoch gelten sowohl die Sauna als auch kalte Güsse nach Kneipp unter Medizinern als immunstärkend. Wie groß ist der gesundheitliche Effekt der Sauna?

Künstliches Fieber

Ein Mann schwitzt
Das Wechselspiel zwischen Wärme und Kälte ist der wichtigste Mechanismus der Sauna.

Das Bad in der Sauna setzt den menschlichen Körper höheren Temperaturen aus. Für kurze Zeit treten verschiedene physiologische Veränderungen auf. Die Temperatur der Hautoberfläche steigt auf über 40 Grad Celsius. Die Körperkerntemperatur steigt nur um knapp ein Grad Celsius. Die Hautporen öffnen sich. Der Körper reagiert mit Schwitzen. Diese Schwitzphase ist wie ein künstliches Fieber und bewirktmöglicherweisedas gleiche wie ein echtes Fieber: Die Aktivität von Immunzellen, die für die Infektabwehr wichtig sind, steigt.

Immer gehören kräftige Abkühlmaßnahmen dazu - zum Beispiel eine kalte Dusche, das Kaltwassertauchbecken oder wenn möglich ein kurzes Bad im See. Denn das Wechselspiel von Wärme und Kälte ist der wichtigste Mechanismus beim Saunieren. Kurzfristig steigt der Blutdruck. Kreislauf, Stoffwechsel und Atmung werden angeregt. Eine Art Gefäßtraining wirkt sich vermutlich positiv auf das Immunsystem aus.

Für das Erzielen positiver Effekte zählt vor allem die Regelmäßigkeit. Dafür ist mindestens ein Saunagang pro Woche nötig.

Die finnische Sauna und ihre Regeln

Saunafans im Garten der finnischen Saunagesellschaft.
Die persönliche Entspannung steht bei der finnischen Sauna im Vordergrund.

Die Finnen lieben ihr Saunabad. Man sagt, es gibt mehr Saunen als Autos. Das finnische Parlament hat eine eigene Sauna für Debatten. Für finnische Botschaften in der Welt gehört die Sauna zur Standardausstattung. Noch heute ist die Sauna häufig der erste Raum, mit dem das Haus erbaut wird. 99 Prozent der Finnen gehen zumindest einmal pro Woche in die Sauna. Viele häufiger. Finnische Kinder machen ihren ersten Saunagang oftmals bereits vor der Vollendung des ersten Lebensmonats.

Der Dampf, der entsteht, wenn man Wasser auf die heißen Steine gibt, hat einen eigenen mystischen Namen. Was hierzulande schnöde als "Aufguss" bezeichnet wird, heißt in Finnland "löyly". Jede finnische Sauna hat ihren eigenen, charakteristischen "löyly". Je besser der "löyly", desto besser die Sauna.

"Vasta" oder "Vihta" wird ein Bündel frischer Birkenzweige genannt, mit dem man sich sanft schlägt. Das klingt seltsam. Aber die ätherischen Öle des Naturprodukts machen die Haut geschmeidig und sorgen für einen angenehmen Geruch, und es fördert die Durchblutung.

Die Hitze in der traditionellen finnischen Sauna ist nicht trocken, wie in gewöhnlichen Saunen. Die ständigen Aufgüsse und ein besonderes Abzugssystem zur Luftzirkulation sorgen selbst bei 140 Grad Celsius für ein frisches und angenehmes Gefühl in der Sauna.

Weitere wichtige Regeln in der finnischen Sauna:

  • Die Einladung in die Sauna ist eine Ehre, die man besser nur mit einem guten Grund zurückweist.
  • Nacktheit ist in der finnischen Sauna so selbstverständlich wie die Trennung nach Geschlechtern. Nur Familien und enge Freunde sehen das lockerer.
  • Buntes Licht, aromatische Düfte und entspannende Musik haben nichts mit finnischer Sauna zu tun.
  • Man bleibt so lange in der Hitze, wie man sich gut fühlt. Der Blick auf die Uhr ist unnötig.
  • Man gießt Wasser auf, wenn man sich danach fühlt. Feste "Aufgusszeiten" kennt man in Finnland nicht.
  • Man sollte genügend Zeit mitbringen. Mindestens zwei Stunden.
  • Man spricht nicht über seinen Beruf, sein Gehalt oder seine Besitztümer außerhalb der Sauna.

Gesundheitsrisiken des Saunabesuchs

Eines vorweg: Das statistische Risiko in einer Sauna zu sterben ist geringer als außerhalb. Eine finnische Faustregel besagt: Wer aufrecht in die Sauna hinein spazieren kann, kommt auch aufrecht wieder hinaus.

Risikogruppen sollten dennoch vor dem Saunabesuch immer einen Arzt konsultieren. Besondere Vorsicht gilt auch für Personen mit niedrigem Blutdruck, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Denn diese können die Effekte der Sauna in unerwünschtem Umfang verstärken.

Die Sauna ist nicht geeignet, um Krankheiten zu kurieren. Das gilt im Besonderen auch für Erkältungskrankheiten. Viele empfinden ein Saunabad in den ersten Tagen einer Erkältung als angenehm, da es Symptome - wie eine laufende Nase - lindert. Von einem Besuch der Sauna wird dann aber dennoch strengstens abgeraten. Denn der Körper wird bereits von einem Infekt angegriffen. Die Sauna kann dann eine lebensgefährliche Zusatzbelastung darstellen.

Negativen Folgen auf die Fruchtbarkeit sind nicht bekannt. Auch spricht grundsätzlich nichts gegen den Saunabesuch während der Schwangerschaft - sofern die Temperatur in der Sauna moderat ist. Eine Schwangerschaft ist allerdings nicht der geeignete Zeitpunkt, um mit regelmäßigen Saunabesuchen zu beginnen.

Die Mitnahme von Kindern ist unbedenklich, sofern entsprechende Maßnahmen beachtet werden. Die Temperatur in der Sauna muss dem Alter angepasst sein. Der Besuch sollte auf einer freiwilligen Basis stattfinden und das Kind alt genug sein, um mögliche Beschwerden auf eine für die Eltern verständliche Weise auszudrücken.

Generell gilt: Übung macht den Meister! Gewöhnen Sie sich und ihre Lieben langsam an steigende Temperaturen.

Die Sauna als Entschleunigung

Der Steg der finnischen Saunagesellschaft.
Für viele Finnen dient die Sauna der Entschleunigung in der modernen Welt.

Der Effekt der Sauna zur Erkältungsvorbeugung ist zwar nicht eindeutig belegbar. Für die meisten Finnen dient die Sauna aber ohnehin einem anderen Zweck: der Entspannung. Diverse Studien legen nahe, dass Entspannung eine wichtige Rolle spielt, wenn es um unsere Gesundheit geht. Sie macht uns widerstandsfähiger.

Der Finne Jarmo Lehtola, ein regelmäßiger Saunagänger, beschreibt den Effekt der Sauna einleuchtend: "Heute sind die Leute ja immer irgendwie in Eile. Mit ihren Computern und Telefonen und all den anderen Dingen. Aber wenn du in die Sauna gehst, musst du nicht über deine Arbeit oder Familie oder irgendetwas anderes nachdenken. Eine gute finnische Sauna ist für mich also vor allem die beste Entschleunigung, die ich mir in der modernen Welt vorstellen kann."

Autor: Fabian Wolf (WDR)

Zusatzinfos
Hier noch einige Tipps für den nächsten Saunabesuch in Finnland - beachten Sie allerdings gegebenenfalls getrennte Besuchstage für Männer und Frauen:

Kotiharjun Sauna, Helsinki
Öffentliche Sauna nahe dem Zentrum der Hauptstadt. Im Familienbesitz seit 1928. Großer Saunaraum für 20 bis 30 Besucher.

Rajaportti, Tampere
Älteste öffentliche Sauna Finnlands und seit Gründung fast unverändert. Bekannt für einen besonders sanften Saunadampf ("löy ly").

Suomen Saunaseura, Vaskiniemi, Helsinki
Die finnische Saunagesellschaft ist für viele das Mekka der finnischen Sauna. Ein Besuch ist jedoch nur für Mitglieder möglich. Man muss also mindestens jemanden kennen, um die verschiedenen traditionellen Rauchsaunen genießen zu können.

Stand: 19.01.2015 09:55 Uhr

Sendetermin

Sa, 10.01.15 | 16:00 Uhr