SENDETERMIN Sa, 25.10.14 | 16:00 Uhr

An apple a day…

An apple a day | Video verfügbar bis 24.10.2019 | Bild: Das Erste

Eine gesunde pflanzliche Ernährung soll dazu beitragen, vor Krankheiten wie Krebs, Arteriosklerose oder Diabetes zu schützen.

Zerstörte DNS einer Zelle
Zerstörte DNS einer Zelle | Bild: SWR

Sie greifen die Zellen an und zerstören die Desoxyribonukleinsäure (DNS): freie Radikale. Eine gewisse Anzahl freier Radikale im Organismus ist normal. Sie entstehen permanent, solange ein Mensch lebt. Vereinfacht gesagt sind freie Radikale Moleküle, denen ein Elektron fehlt. Sie möchten die fehlende Stelle in ihrer chemischen Struktur wieder besetzen und reagieren deshalb mit anderen Molekülen im Körper. Hat das Radikal sein Elektron wieder, fehlt dafür der nächsten Substanz eins - so bildet sich ein neues freies Radikal. Sie entstehen während der Energiegewinnung in den Zellen sowie durch andere physiologische Prozesse. Zudem spielen die Verbindungen eine wichtige Rolle im Immunsystem. Sind zu viele der reaktionsfreudigen Molekülfragmente im Organismus können sie allerdings auch schaden: zum Beispiel indem sie Zellmembranen, Eiweiße oder das Erbgut der Zelle, die DNS, angreifen.

Oxidativer Stress

Zwei Menschen blicken auf einen Monitor.
Wie ist das Ausmaß der Zell-Schäden? | Bild: SWR

Sogenannte Antioxidantien können freie Radikale unschädlich zu machen. Dazu gehören in erster Linie körpereigene Enzyme, aber auch mit dem Essen zugeführte Vitamine und Pflanzeninhaltsstoffe. Solange sich beide Mechanismen die Waage halten, passiert im Normalfall nichts. Führen jedoch bestimmte Faktoren dazu, dass sich mehr Radikale bilden als beseitigt werden, gerät das Gleichgewicht in eine Schieflage. Es kommt zum oxidativen Stress. Begünstigt wird er unter anderem durch Entzündungen im Körper und durch Umwelteinflüsse. So erhöht zum Beispiel Rauchen oder Medikamente die Radikalbildung, aber auch UV-Strahlung, Ozon und Feinstaub. Mediziner bringen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Arteriosklerose, aber auch Krebs und Grauen Star mit oxidativen Stress in Verbindung.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Ein Teller mit Obst und Gemüse
In Obst kommen zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe vor  | Bild: SWR

Sekundäre Pflanzenstoffe kommen zahlreich in verschiedenen Obst und Gemüsesorten vor - sie wirken antioxidativ. Normalerweise dienen sie den Pflanzen zur Abwehr gegen Fressfeinde, dem Schutz vor UV-Strahlung, aber auch Geschmacks- und Farbstoffe zählen dazu. Sekundäre Pflanzenstoffe sind keine einheitliche chemische Gruppe.Rund 100.000 sind bekannt, etwa 5.000 bis 10.000 kommen in der Nahrung vor.

Der Apfeltest

Teller mit Apfelschnitzen
Ein Kilo Äpfel schützt die Zellen. | Bild: SWR

Forscher des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe haben in einem Versuch getestet, inwieweit eine gesunde Ernährung den Organismus vor oxidativen Stress schützen kann. Dazu haben sechs Probanden auf nüchternen Magen, innerhalb einer halben Stunde, ein Kilo Äpfel, ohne Schale aber mit Gehäuse, gegessen. Den Probanden wurde vor und nach dem Versuch Blut abgenommen. Aus dem Blut wurden die Zellen extrahiert und künstlich unter oxidativen Stress gesetzt, um so beurteilen zu können, ob sie nach dem Apfelverzehr besser gegen den oxidativen Stress gerüstet sind. Der Versuch bestätigte die Annahme: Die Zellen der Versuchsteilnehmer waren 24 Stunden nach dem Apfelverzehr deutlich weniger geschädigt. Der Apfel hat gewirkt.

Five a day

Mit einem Kilo Äpfel ist der Effekt schnell und anschaulich - doch um eine positive Wirkung zu erreichen, reicht auch eine normale Menge Obst und Gemüse am Tag. Am besten hält man sich an die Empfehlung: Five-a-day - also fünf Portionen, in etwa so groß, dass sie in eine Hand passen, Obst und Gemüse am Tag essen. So erhält der Körper ausreichend sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken und die freien Radikale in Schach halten.

Literatur:
Watzl B.
Sekundäre Pflanzenstoffe – viel hilft viel?
Ernährungs Umschau 55 (2008) 486–487

Autorin: Jennifer Lindemann (SWR)

Stand: 14.11.2014 09:16 Uhr