SENDETERMIN So, 17.11.13 | 17:00 Uhr

Der Glückscocktail

PlayW wie Wissen
Der Glückscocktail | Video verfügbar bis 17.11.2018 | Bild: NDR
Dopaminflut im Gehirn.
Der Neurotransmitter Dopamin löst Hochgefühle aus. | Bild: SWR

Ein gutes Essen, Sex, Erfolg im Beruf - es gibt viele Dinge, die uns den Glückskick geben. Vor allem dann, wenn etwas viel besser ist als erwartet, ist das Entzücken besonders intensiv. Das Belohnungszentrum in unserem Gehirn läuft dann auf Hochtouren und zündet ein Freudenfeuerwerk. Was wäre, wenn dieser Zustand nicht mehr aufhören würde? Dann würde es uns vermutlich ergehen wie den Ratten in einem Versuch aus den 50er-Jahren. Die Tiere konnten das Belohnungszentrum in ihrem Gehirn per Knopfdruck selbst stimulieren - und drückten den Knopf schließlich immer wieder, bis sie vor Hunger und Durst fast gestorben wären.

Evolutionärer Vorteil

Ratten in einer Versuchsanordnung geht es schlecht.
Versuchsratten: Ein ständig aktiviertes Belohnungszentrum schadet. | Bild: SWR

Damit es uns nicht ergeht wie den Ratten, muss das Hochgefühl also wieder abflauen. Genau das passiert auch: Nach kurzer Zeit stellt der Körper das Glücksempfinden wieder auf Null - und lässt uns nach dem nächsten Kick streben. Denn einmal den Freudentaumel erlebt, wollen wir diesen so oft es geht wiederholen. Allerdings braucht es dafür auch immer wieder neue Situationen und Umstände, denn sonst wird es gewöhnlich - und Gewohnheit macht keinen Freudentaumel. Das vorübergehende Glück hatte im Laufe der Evolution Vorteile. Denn wer ständig nach dem neuen Glückskick sucht, lernt dabei auch immer wieder Neues, das zum Überleben wichtig ist.

Suche ohne Ende

Ein Steinzeitmensch probiert eine Beere
Wer ständig nach dem Glückskick sucht, lernt viel Neues. | Bild: SWR

Dauerhaftes Glück wäre dagegen ein Nachteil gewesen: Wer nicht nach neuen Glücksbringern suchen muss, probiert nichts aus und lernt auch nichts Neues. Eine wichtige Funktion des Glücks war es also, genau das Verhalten mit einem guten Gefühl zu belohnen, das dem Erhalt der Spezies dient: Fortpflanzung etwa oder die Aufnahme abwechslungsreicher Nahrung. Bis heute hat sich daran nicht so viel geändert. Wir sind dafür programmiert, Glück zu suchen, es aber nie dauerhaft zu finden. Das ist tragisch, aber nicht dramatisch. Denn früher oder später geraten wir so immer wieder in Situationen, die uns guttun - und das ist nicht die schlechteste Voraussetzung für ein glückliches Leben.

Autorin: BY(SWR)

Info: Das Glückssystem
Glück entsteht im Gehirn: Eine kleine Ansammlung von Neuronen, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren, feuern vor allem dann besonders intensiv, wenn ein Ereignis eintritt, das viel besser ist als erwartet. Das Dopamin aktiviert das Belohnungszentrum, das wiederum Erregungspotenziale an andere Gehirnstrukturen sendet und uns so mit dem eindringlichen Hochgefühl beglückt – allerdings nur für kurze Zeit, bevor das Dopamin wieder abgebaut oder zurück in die Zellen gepumpt wird. Das Glück muss wieder erneuert werden. Dafür eignen sich alle für das jeweilige Individuum angenehmen Erlebnisse, vor allem dann, wenn diese neu sind und unerwartet daherkommen. Kurzum: Das Belohnungssystem in unserem Gehirn ist nicht auf andauerndes Glück, sondern auf dauerndes Streben nach Glück ausgelegt.

Stand: 18.11.2013 09:49 Uhr