SENDETERMIN So, 17.11.13 | 17:00 Uhr

Die größten Irrtümer zum Thema Glück

PlayW wie Wissen
Die größten Irrtümer zum Thema Glück | Video verfügbar bis 17.11.2018 | Bild: NDR

Stimmt es eigentlich wirklich, dass vor allem Frauen auf Komplimente stehen, oder sind es vielleicht doch in Wirklichkeit Männer? [W] wie Wissen räumt mit den größten Glücksirrtümern auf und erklärt in welcher Lebensphase wir am glücklichsten und am unglücklichsten sind.

Das schöne Geschlecht und das eitle Geschlecht

Frau wirft Mann Kusshand zu.
Männer lieben Komplimente über ihr Aussehen.  | Bild: NDR

Im Jahr 2012 wurden 83 Prozent der Schönheitsoperationen in Deutschland an Frauen vorgenommen. Fett absaugen, Lid straffen, Botox - alles nur, um das "schöne Geschlecht" zu bleiben. Dabei empfindet ein Mann viel mehr Glück als eine Frau, wenn er ein Kompliment bekommt, oder wenn andere ihn als gutaussehend bezeichnen.

Der Miesepeter und der Grinsepeter

Frau umarmt Mann mit Lederjacke, Mann im Hemd steht alleine.
Frauen stehen auf mysteriöse Melancholiker. | Bild: NDR

Allzu offen sollte der Mann dabei seine Selbstzufriedenheit nicht zeigen. Bisher galt zwar immer ein lächelndes Gesicht als attraktiver, aber das stimmt scheinbar nur für das Lächeln der Frauen. Die kanadische Psychologie Professorin Jessica Tracy konnte in ihrem Experiment nachweisen, dass Frauen eher einen "Miesepeter" attraktiv finden als einen freundlich lächelnden Mann. Die Psychologin hat ihren Probandinnen Fotos von dem gleichen Mann gezeigt. Auf einem lächelt er, auf dem anderen schaut er eher schlecht gelaunt oder melancholisch. Die meisten Frauen fanden den melancholischen Gesichtsausdruck attraktiver.

Der "perfekte" Tag einer Frau

Frau mit Bügeleisen und Staubwedel vor riesigen Wäscheklammern.
Frauen wünschen sich angeblich täglich acht Minuten mehr Hausarbeit. | Bild: NDR

Ganze acht Minuten mehr Hausarbeit würde Frau gerne leisten, wenn sie einen "perfekten" Tag erleben dürfte - das behaupten zumindest die Wissenschaftler Christian Kroll und Sebastian Pokutta. Die beiden werteten Daten von rund 900 berufstätigen amerikanischen Frauen aus. Sie sollten angeben, wie lange sie welche Tätigkeit ausüben und wie sie sich dabei fühlen. Anhand eines Modells aus der Optimierungsforschung errechneten die beiden Männer dann die ideale Zeit für alle genannten Tätigkeiten. Zur Berechnung gehört, dass jede Aktivität nach einer gewissen Zeit an Attraktivität einbüßt und viele Glücksmomente vom Reiz der Rarität leben. Deswegen ist auch die Zeit fürs "glückliche" Shoppen begrenzt: Ein einstündiges Vergnügen wird nach mehreren Stunden eher zur Tortur.

Geteilte Freude ist doppelte Freude…

Mann und Frau sitzen auf dem Sofa. Mann schaut traurig und hebt Daumen.
Männer zeigen ihr Unglück ungern.  | Bild: NDR

…und geteiltes Leid ist halbes Leid? Dem ist nicht so, wenn man den zwei Glücksempfindungs-Messungen von Kate A. Ratcliff und Shiri Cohen glauben darf. Ist die Frau beispielsweise erfolgreicher als der Mann, freut er sich nicht unbedingt für sie. Im Gegenteil: Er deutet dies gerne als ein Zeichen seiner Unzulänglichkeit. Und das macht ihn wiederum - meist unbewusst - unglücklich. Gleichzeitig fällt es den meisten Männern auch schwer solche negativen Gefühle offenzulegen. Während Trost und Mitgefühl von Frauen als Zeichen von persönlichem Interesse gewertet wird, fühlen sich Männer bei gutgemeinten Nachfragen häufig bedroht. Die eigene Unzufriedenheit deuten viele Männer als eine Schwäche, die sie möglichst zu verbergen versuchen.

Das Glück liegt im "U"

Ein altes Ehepaar steht im Garten. Hinter den beiden ist die Glückskurve in U-Form.
Im Alter steigt das Glücksempfinden wieder.  | Bild: NDR

Die sogenannte Glückskurve setzt bei jungen Erwachsenen mit Anfang 20 ein. In diesem Alter sind die meisten Menschen glücklich: kaum Verpflichtungen, Zeit zum Reisen, Spaß haben. Danach geht es erst mal bergab: Ausbildungsstress, Jobsuche. In der Lebensmitte erreichen zwar viele den Höhepunkt ihrer Karriere, aber auch den Tiefpunkt ihres Glücksempfindens. Familiengründung, finanzielle Verpflichtungen und ein fordernder Job, lassen gefühlt wenig Zeit für das eigene Glück. Erst wenn das Haus abbezahlt, die Kinder großgezogen und die Rente beginnt, sind die Menschen laut der Studie wieder so glücklich wie mit Anfang 20. Der Grund für diesen Verlauf, so vermutet Hannes Schwandt von der Princeton University, liegt vor allem an einer falschen Selbsteinschätzung. Der finanzielle Erfolg macht doch nicht so glücklich wie erwartet. Oder Zeitmangel und familiäre Verpflichtungen lassen es nicht zu, die eigenen Träume zu verwirklichen. Das wiegt "gefühlt" oft schwerer, als die Freude und das Glück in dieser Phase. Erst mit zunehmendem Alter, denkt Hannes Schwandt, entwickelt man eine realistische Haltung zu sich selbst und hat gelernt, mit dem was man hat zufrieden zu sein. Und so kommt das Glücksempfinden zu seinem zweiten, späten Höhepunkt. Das Glück liegt also noch vor uns.

Autorin: Sha Hua (NDR)

Studien
Der perfekte Tag einer Durchschnittsfrau:
Kroll, C. and Pokutta, S. 2013. Just a perfect day? Developing a happiness optimised day schedule. Journal of Economic Psychology.

Warum Männer sich ungern mit ihren erfolgreichen Partnerinnen vergleichen:
"Eye of the Beholder: The Individual and Dyadic Contributions of Empathic Accuracy and Perceived Empathic Effort to Relationship Satisfaction,” Shiri Cohen, PhD, Harvard Medical School, Massachusetts General Hospital; Marc S. Schulz, PhD, and Emily Weiss, Bryn Mawr College; and Robert J. Waldinger, PhD, Harvard Medical School, Massachusetts General Hospital; Journal of Family Psychology, Vol. 26, No.

Stand: 17.11.2013 15:14 Uhr