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Wie gefährlich ist Glyphosat?

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Wie gefährlich ist Glyphosat?  | Video verfügbar bis 08.09.2018
Auf eine Feld wird Pestizid gespritzt
Das Spritzmittel Glyphosat im Einsatz auf einem Getreidefeld.

Seit über 30 Jahren ist Glyphosat als Hauptbestandteil vieler Herbizide weltweit in der Landwirtschaft im Einsatz. Der amerikanische Agrarkonzern Monsanto brachte den Unkrautvernichter unter dem Namen Roundup 1974 auf den Markt. Anfangs wurde das Mittel vor der Aussaat als praktischer Unkrautkiller aufgebracht. Mit der Entwicklung von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen, die gegen das Herbizid resistent sind, konnte Roundup auch während des Anbaus angewendet werden. Weltweit wird jährlich mindestens eine Million Tonnen der Chemikalie verspritzt. Die Monsanto-Patente sind abgelaufen, Glyphosat wird inzwischen unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben, jeder Hobbygärtner kann es kaufen.

In Deutschland werden jährlich rund 5.000 Tonnen Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt. Eine aktuelle Umfrage bei Landwirten ergab, dass das Mittel auf 39 Prozent aller Ackerpflanzen ausgebracht wird, Tendenz steigend. Dabei kommt es nicht nur im Frühjahr vor der Aussaat auf die Felder, sondern zunehmend auch kurz vor der Ernte - als chemischer Erntehelfer: Durch das Mittel trocknet die Pflanze aus. Das ermöglicht dem Landwirt, auch bei ungünstiger Witterung sein Getreide zu ernten. Eine solche Spritzung darf bis zu sieben Tagen vor der Ernte durchgeführt werden.

Zweifel an der Ungefährlichkeit des Wirkstoffs

Ein Brot wird aufgeschnitten
Glyphosat zum Frühstück?

Bisher galt der Wirkstoff Glyphosat als schnell abbaubar und daher ungefährlich. Doch mittlerweile gerät vor allem die kurzfristige "Vorernte-Spritzung" in die Kritik. Denn bei mehreren Untersuchungen wurden Rückstände des Herbizids im menschlichen Urin festgestellt. Sowohl Professor Monika Gruber von der Universität Leipzig, als auch eine europaweite aktuelle Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) kommen zu diesen beunruhigenden Ergebnissen. Damit nicht genug: Eine Untersuchung der Zeitschrift "Ökotest" ergab, dass acht von zehn getesteten Brötchen mit Glyphosat belastet sind, ebenfalls Brot, Mehl und Haferflocken.

Die Hersteller verweisen darauf, dass bei den gefundenen Rückständen keine Grenzwerte überschritten worden seien. Aber Kritiker schlagen Alarm, da das Langzeitrisiko und die Gefahr der Wechselwirkung mit anderen Umweltgiften nicht abzuschätzen sei. Bei Tierversuchen zeigte sich, dass der direkte Kontakt mit dem Herbizid zu Missbildungen bei Embryonen führen kann. Damit steht das Spritzmittel im Verdacht, Erbgut zu schädigen.

Beschränkungen und Kontrollen

Deshalb fordern Kritiker, den Einsatz von Glyphosat zumindest bei der Spritzung direkt vor der Ernte stark zu beschränken oder gänzlich zu verbieten. Auch die Glyphosat-Belastung von importierten Futtermitteln sollte untersucht werden. Es ist nicht bekannt, wie viel Nutztiere davon über das Futter aufnehmen, und was das für ihre Gesundheit bedeutet.

2012 stand die Neubewertung der Wirkstoffe durch das Institut für Risikobewertung an, doch die Toxikologen des BfR haben die Untersuchung drei Jahre zurückgestellt - bis zum Jahr 2015.

Autorin: Dorothee Stromberg (BR)

Stand: 08.09.2013 19:49 Uhr