SENDETERMIN Sa, 24.01.15 | 16:00 Uhr

Kann man sich gegen Krebs schützen?

Krebsrisiko senken | Video verfügbar bis 23.01.2020
Ordner in Plastikkästen
Über eine halbe Million Menschen aus ganz Europa haben bislang an der EPIC-Studie teilgenommen

Fast jeder dritte Deutsche erkrankt an Krebs. Doch Krebs ist nicht Gottgegeben. Man kann sein persönliches Krebsrisiko reduzieren. Wissenschaftler sind diesem auf der Spur: Über eine halbe Million Menschen aus ganz Europa haben bislang an der sogenannten EPIC-Studie teilgenommen. Die Teilnehmer geben Auskunft über ihre Ernährung, ihre Lebensweise und dem Auftauchen von Krebserkrankungen. Anhand der Daten versuchen die Forscher Zusammenhänge zu ergründen.

Prof. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum
Prof. Rudolf Kaaks ist der Entstehung von Krebs auf der Spur.

Prof. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum ist einer von ihnen: "Mit zunehmendem Alter nimmt das Risiko zu. Im Endeffekt kann man sagen, dass fast jeder Dritte in der Bevölkerung an Krebs erkrankt." Gegen das Älterwerden kann man nichts unternehmen, aber man kann es dem Krebs zumindest schwer machen. Am wichtigsten, so Kaaks, sei das Vermeiden von Risikofaktoren.

Fraglicher Genuss: Rauchen und Alkohol

Raucherin
Krebsrisiko Nummer eins ist das Rauchen.

Krebsrisiko Nummer eins ist das Rauchen. Gut 90 krebserregende Stoffe sind im Rauch enthalten. Wer aufhört, kann in jedem rauchfreien Jahr sein Krebsrisiko um mehrere Prozent senken. Oder anders ausgedrückt: Ein Vierzigjähriger der mit dem Rauchen aufhört, lebt acht bis zehn Jahre länger als ein konsequenter Raucher.

Alkoholkonsum ist für etwa zehn Prozent aller Krebsfälle unter Männern und für drei Prozent aller Krebsfälle unter Frauen verantwortlich. Klar formuliert: Ein 40 Jahre alter Trinker stirbt drei bis vier Jahre früher als sein abstinenter Zwilling. Und es kommt noch dicker, so Rudolf Kaaks: "Eine Person, die viel raucht und auch viel trinkt, erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten wie Mundhöhlen- oder Speiseröhrenkrebs um das Hundertfache. Hier gilt eindeutig: Je mehr man raucht und je mehr man trinkt, desto schlimmer verstärken sich beide Faktoren"

Risiko Übergewicht

Wer dick ist, bekommt häufiger Krebs im Darm, in der Niere und in der Speiseröhre, so die Daten aus der EPIC-Studie. Das kann bis zu vier Lebensjahre kosten. Besorgniserregend sei vor allem Übergewicht in der Jugend, meint Kaaks, der nur einen Rat kennt: "Übergewicht ab dem jüngsten Alter vermeiden. Es ist extrem schwierig, das wissen wir alle aus eigener Erfahrung, Übergewicht wieder abzubauen und wieder schlank zu werden. Das schaffen die wenigsten Menschen." Kaaks rechnet deswegen mit einer Schwemme von Erkrankungen, wenn übergewichtige Jugendliche älter werden.

Risiko Fleisch

Nicht nur viel essen ist  schlecht, auch das falsche Essen kann das Leben verkürzen. Besonders gut belegt ist das für Fleischwaren, so der Wissenschaftler: "Rotes Fleisch und Fleischprodukte: Wurst, Salami, Schinken. Da belegen internationale Studien, dass ein höherer Verzehr mit höheren Risiken an Krebserkrankungen zusammenhängt. Die Erhöhung des Risikos ist nicht sehr stark, aber betrifft viele Krebsarten zugleich."


Was bleibt ist Obst, Gemüse und Bewegung

Lebensmittel
Obst und Gemüse sind gut für die Gesundheit.

Obst und Gemüse gelten nach wie vor als gesund. Ihre Inhaltsstoffe schützen die Zellen - das zeigen viele Laboruntersuchungen. Leider lässt sich der positive Effekt nur schwach in den epidemiologischen Studien nachweisen. Wer also glaubt, dass er seinen Alkohol und Zigarettenkonsum mit Brokkoli oder Grünem Tee wegreduzieren kann, täuscht sich.

Sportler in einem Fitnessstudio
Sport kann das Risiko für Dickdarmkrebs halbieren.

Besser belegt dagegen ist der Effekt von Sport und Bewegung. So kann das Risiko für Dickdarmkrebs halbiert werden, aber auch das Risiko für andere Krebsarten wird durch ausreichend Bewegung reduziert. Insgesamt gilt: je mehr Sport, desto besser.  

Wer all diese Faktoren beachtet, kann sein persönliches Krebsrisiko um gut 30 Prozent reduzieren. So einfach ist das also. Und irgendwie kommt es einem so vor, als hätten wir das schon immer gewusst.

Autor: Dr. Hilmar Liebsch

Stand: 24.01.2015 15:29 Uhr