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Was können Heilpraktiker?

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Was können Heilpraktiker? | Video verfügbar bis 11.03.2021

Homöopathie, Akupunktur, Schröpfen oder Osteopathie – diese und zahlreiche andere Therapien bieten die rund 43.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in Deutschland an. Und ihre Dienste werden gerne genutzt. Viele Deutsche sind aufgeschlossen gegenüber alternativen Heilverfahren und Naturheilmitteln. Doch wer sitzt einem da gegenüber, wenn man zum Heilpraktiker geht?

Heilpraktiker ist kein anerkannter Ausbildungsberuf

Eine Person füllt einen Fragebogen aus.
Bei der Heilpraktikerprüfung wird kein naturheilkundliches Wissen abgefragt.

Was wohl nicht alle Patienten wissen: Es gibt keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung zum Heilpraktiker. Um Heilpraktiker zu werden, muss man nur mindestens 25 Jahre alt sein, mindestens einen Hauptschulabschluss haben, ein Führungszeugnis sowie ein ärztliches Attest vorlegen und dann beim zuständigen Gesundheitsamt eine Prüfung bestehen. So schreibt es das Heilpraktikergesetz aus dem Jahr 1939 vor. Die Prüfung soll laut Gesetz sicherstellen, dass vom Heilpraktiker keine "Gefahr für die Volksgesundheit" ausgeht. Allerdings werden weder im schriftlichen noch im mündlichen Teil der Prüfung naturheilkundliche Kenntnisse abgefragt, sondern nur medizinisches Grundwissen. Es gibt außerdem keine praktische Prüfung.

Heilpraktikerschulen haben keine Vorgaben für den Unterricht

Heilpraktikerschüler bekommen gezeigt, wie Schröpfen geht.
Es gibt zahlreiche Heilpraktikerschulen – mit sehr unterschiedlichen Ausbildungsangeboten.

Zudem spielt keine Rolle, ob der angehende Heilpraktiker sich das Wissen selbst angelesen oder eine Schule besucht hat. Es gibt zahlreiche Heilpraktikerschulen in Deutschland, allesamt Privatschulen. Was gelehrt wird, ist nicht vorgeschrieben und wird nicht kontrolliert. Viele Heilpraktikerverbände setzten sich für eine umfassende Ausbildung ein und betreiben teilweise selbst Schulen. Dort werden meist neben medizinischem Wissen auch naturheilkundliche Therapien und Diagnoseverfahren gelehrt. So sollen die Schüler in zwei bis drei Jahren praxisreif werden.

Ein Beruf mit vielen Freiheiten

Mehrere Fläschchen mit homöopathischen Globuli.
Heilpraktiker können ihre Behandlungsmethode frei wählen.

Heilpraktiker dürfen in Deutschland fast so viel wie ein Arzt, zum Beispiel Spritzen setzen, mit Blut arbeiten, offene Wunden versorgen und sogar schwere Krankheiten wie Krebs behandeln. In der Wahl der Therapie sind sie frei. Kritiker bemängeln, dass die Wirksamkeit vieler Behandlungsmethoden wissenschaftlich nicht belegt ist. Es gibt allerdings gesetzliche Einschränkungen für die Arbeit von Heilpraktikern, zum Beispiel dürfen sie keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen oder meldepflichtige Infektionskrankheiten behandeln.

Die Behandlung beim Heilpraktiker müssen gesetzlich versicherte Patienten in der Regel selbst bezahlen. Dafür bekommen sie oft etwas, was Ärztinnen und Ärzte im straffen Praxisalltag nicht immer bieten können: Zeit für Zuwendung.

Der Besuch beim Heilpraktiker kann den Arzt nicht ersetzen

Viele Ärzte sehen die nicht klar geregelte Ausbildungssituation bei den Heilpraktikern kritisch. Im Gegensatz zur streng vorgegebenen Mediziner-Ausbildung mit Studium, Staatsexamen und Facharztausbildung sei keine einheitliche Qualifikation gewährleistet. Umso wichtiger ist aus ihrer Sicht, dass Heilpraktiker ihre Grenzen kennen und ihrer Patienten bei schweren Erkrankungen zum Arzt weiterschicken. Dr. med. Max Kaplan von der Bundesärztekammer ist sich außerdem sicher: "Gäbe es keinen Nachwuchsmangel, hätte der Patient oft gar nicht das Bedürfnis, noch einen anderen Heilberuf aufzusuchen. Weil dann die Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit hätten, auf den Patienten einzugehen."

Strengere Vorschriften sind nicht geplant

Immer wieder wird die Forderung laut, den Beruf des Heilpraktikers abzuschaffen oder zumindest die Vorschriften für sie zu verschärfen. Doch das zuständige Bundesgesundheitsministerium plant derzeit keine Änderung des geltenden Heilpraktikergesetzes.

Solange das so ist, muss Patienten klar sein: Wie gut ein Heilpraktiker behandelt und welche praktische Erfahrung er hat, ist schwer einzuschätzen und wird nicht überprüft. Er kann den Arzt nicht ersetzen, höchstens ergänzen. Besonders bei schweren Krankheiten sollte man deshalb immer als erstes zum Arzt gehen.

Autorin: Monika Eder (BR)

Stand: 12.03.2016 15:30 Uhr

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