Überall Plastik

Plastik in Kosmetikprodukten

Plastikkügelchen auf der Hand eines Wissenschaftlers
So viel Plastik kann in einer Tube medizinischer Zahnpasta enthalten sein. | Bild: NDR

Plastik hält unsere Lebensmittel frisch, es isoliert Kabel und Elektrogeräte, Kleidung wird durch Plastik wasserfest, und sogar Löcher in unseren Zähnen stopfen wir mit diesem Material. Und es ist auch mehr und mehr in Kosmetikprodukten zu finden. Sobald bei den Inhaltstoffen "Polyethylen" oder "Polypropylen" auftaucht, ist klar: Hier wurden Plastikpartikel verarbeitet. Die kleinsten Mikroplastik-Kügelchen werden etwa in Gesichtspeelings als Schmirgelstoff eingesetzt, um Hautschuppen besser abzulösen. Auch in der Zahncreme können Plastikgranulate verwendet werden, um Zahnbelag zu entfernen. Wenn man also nicht aufpasst, reinigt man seine Haut mit Mikroplastik-Partikeln.

Der BUND hat die APP ToxFox auf seiner Seite, mit der sich erkennen lässt, ob ein Kosmetikprodukt hormonell wirksame Chemikalien enthält.

Nahrungsmittel in Plastik verpackt

Fast alle Lebensmittel werden heute in Plastik verpackt. Fleisch, Aufschnitt und Käse ist portionsweise in Plastik eingeschweißt, Biogemüse steckt in Plastiktüten. Aber diese Plastikverpackungen dünsten Weichmacher aus, die sich auf der Nahrung ablagern können und so in unseren Organismus gelangen. Können wir noch "plastikfrei" einkaufen? Eine Hamburger Familie macht den Test. Sie verbannen vier Wochen lang alles Plastik aus ihrem Leben - oder versuchen es zumindest. Wie geht die Familie mit diesen Schwierigkeiten um?  Am Anfang des Experimentes sind alle Urinproben der Familienmitglieder mit Giftstoffen aus dem Plastik belastet - und nach der plastikfreien Zeit?

Weichmacher Bisphenol A
Bisphenol A, auch BPA genannt, wird beispielsweise in der Innenbeschichtung von Konservendosen verwendet oder in Plastikflaschen und Geschirr. Über chemische Prozesse kann es in die Nahrung gelangen. Vor allem fettige Lebensmittel nehmen Weichmacher gut auf. Wie viel von der Substanz frei wird, hängt stark vom Herstellungsverfahren ab. BPA kann sich auch in heißem Wasser lösen. Plastikgeschirr in der Spülmaschine setzt also unter Umständen BPA frei, das sich dann auf dem anderen Geschirr wieder anhaftet. Viel diskutiert wird die hormonelle Wirkung von Bisphenol A. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass BPA die Wirkung von weiblichen Sexualhormonen verstärkt und die männlichen Sexualhormone sowie der Schilddrüsenhormone hemmt.

Bisphenol A wird unter anderem auch noch verwendet in:
• Thermopapier für Faxpapier und Kassenzettel
• elektrische und elektronische Produkte, wie Mobiltelefone oder Computer
• Gummi- und PVC-Produkte, u.a. Hochtemperatur-Kabel
• Zahnfüllungen und Versiegelungsmassen, Zahnspangen

Bioplastik ist nicht unbedingt ökologisch abbaubar

Ein Tüte aus Bioplastik
Darf die Bioplastiktüte in den Kompost oder nicht? | Bild: NDR

Wenn wir Bio-Lebensmittel kaufen, dann wissen wir, die Produkte wurden ohne Pestizide und Kunstdünger angebaut und sind nicht gentechnisch verändert. Dass sich nur "Bio" nennen darf, was auch "Bio" ist, dafür sorgt eine EU-Verordnung. Wenn wir Bioplastik kaufen, dann gehen wir davon aus, dass hier dieselben Regeln gelten. Schließlich heißt es auch "Bio". Doch das ist falsch. Es dürfen sich auch Kunststoffe Bioplastik nennen, die aus fossilen Rohstoffen gemacht sind wie zum Beispiel aus Öl. Außerdem kann auch Bioplastik Zusatzstoffe enthalten. Es sind oft dieselben wie in herkömmlichem Plastik - zum Beispiel UV-Stabilisatoren, Flammschutzmittel oder sogar Weichmacher. Da genau diese Stoffe oftmals die problematischen sind, ist der Umgang mit Bioplastik weder gesünder noch ungesünder als mit herkömmlichem Plastik.

Uns Verbrauchern begegnen vor allem zwei Arten Bioplastik: zum einen "biobasiert", zum anderen "biologisch abbaubar":

Das "biobasierte" Plastik ist nicht biologisch abbaubar, sondern nur aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt. Es kann sogar so beständig sein wie herkömmliches Plastik. Nur Bio-Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind, müssen laut einer DIN-Norm innerhalb einer bestimmten Zeit durch den Einfluss von Hitze, Sauerstoff, Feuchtigkeit und Bakterien oder Pilzen zu 90 Prozent zerfallen.

Der Begriff Bio-Plastik ist also reichlich irreführend. "Bio" hat hier nichts mit "ökologisch" zu tun. Bioplastik schont zwar fossile Bodenschätze, aber die Umwelt schont es weniger als die meisten annehmen.

Fleecejacken und Co

Neben den großen Plastikmüllbergen in den Meeren schwimmen auch unendlich viele kleine Plastikfasern durch die Ozeane. Sie stammen aus Fleecejacken, Plastiknetzen und Kleidung mit Kunststoffanteilen. Mit dem Abwasser der Waschmaschine werden die Plastikfasern in die Kanalisation gespült und landen letztendlich in den Kläranlagen. Deren Siebe sind aber oft nicht fein genug um die Plastik-Fasern herauszufiltern und somit landen die Fasern schlussendlich im Meer. Und diese Fasern lösen sich nicht auf. Sie werden von Muscheln, Krebsen, Krabben und Fischen gefressen und belasten so die Nahrungskette.