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Sprach der Rabe, nimmermehr!

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Sprach der Rabe, nimmermehr! | Video verfügbar bis 01.12.2018

Raben, Meister der Kommunikation

Kolkrabe des Konrad-Lorenz-Forschungsinstituts
Raben können sogar lügen.

Sie  krächzen, kolken oder glucksen. Mancher Zeitgenosse mag denken: Wie hört sich das denn an? Und ist vielleicht sogar genervt… Rabenforscher wie Professor Thomas Bugnyar von der Universität Wien hingegen sagen: Das ist Kommunikation. Und zwar hoch differenzierte!

Wissenschaftler der Universität Wien erforschen die Sprache der Raben seit Jahren

Ein Kolkrabe
Futterrufe unterscheiden sich signifikant von Territorialrufen.

Seit Jahren untersuchen die Forscher an der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle im Almtal Kolkraben. Im Fokus der Untersuchungen sind wilde Raben aus einem nahen Wildpark. Die Vögel kommen regelmäßig ins dortige Wildschweingehege, um Futter zu stibitzen. Die Wissenschaftler filmen die Tiere, wenn sie ins Wildschweingehege kommen. Über 200 der wilden Raben vom Wildpark sind markiert und somit individuell erkennbar. Die Forscher wissen seit längerem, dass Kolkraben sehr viele verschiedene Rufe verwenden. Aber die Bedeutung des Krächzens, Kolkens oder Glucksens ist noch nicht erforscht. Hier setzt die Forschung der Wissenschaftler der Universität Wien an.

Raben kommunizieren auf hohem Niveau

Markus Böckle mit einem Richtmikrophon
Markus Böckle ist dabei die Sprache der Raben zu entschlüsseln.

In dafür hergerichteten Volieren können die Raben noch spezifischer untersucht werden. Diese Vögel dort sind von Hand aufgezogen und fühlen sich durch die Anwesenheit von Menschen nicht gestört. Durch ein Akustikprogramm hat Markus Böckle vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien die Rufe von circa 80 Kolkraben ausgewertet und klassifiziert. Am Ende konnte er die Bedeutung vieler Rufe entschlüsseln. Markus Böckle kann zum Beispiel zwischen Territorialrufen und Futterrufen der Raben unterscheiden. Mit speziellen Futterrufen teilen sich Kolkraben selbst über weite Distanzen gegenseitig mit, wenn sie eine gute Futterquelle entdeckt haben. Diese Kooperation ist Ausdruck von Intelligenz und hilft der Gruppe zu überleben. Durch die Auswertung wurde auch deutlich: Selbst Futterrufe von Männchen und Weibchen unterscheiden sich.

Spielwiese der Kommunikation: die sogenannten Junggesellentrupps

Mehrere Raben stehen im Schnee
Junggesellen in ihrem Clan

In sogenannten Junggesellentrupps, in denen sich Kolkraben zusammenfinden, bis sie als Paar ein Revier besetzen, wird ständig kommuniziert. Hier gibt es Freunde, die sich zusammentun, und andere, die sich nicht leiden können und gegeneinander abgrenzen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Raben in den Junggesellentrupps sogar eine regelrechte Gruppen- und Clan-Politik betreiben. In der aktuellen Studie konnte auch nachgewiesen werden, dass Raben ein sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis haben. Wenn man ihnen Rufe von ehemals bekannten Individuen vorspielt, dann rufen sie zu damaligen Freunden mit einer sehr hohen freundlichen Stimme zurück, währenddessen sie zu ehemaligen Feinden mit einer sehr tiefen, rauen Stimme zurückrufen. Raben können also Bekannte und Unbekannte voneinander unterscheiden, aber eben auch Freunde und Feinde.

Raben bedienen sich auch verschiedener Gesten

Zwei Raben im Schnee
"Spielst du mit mir?"

Simone Pika vom Max-Planck-Institut für Ornithologie studiert ebenfalls die Kommunikation von Raben. Sie hat herausgefunden, dass Raben sich auch mit Gesten verständigen. Ganz ähnlich wie es Kleinkinder im Alter bis zu neun Monaten tun. Traditionell verbindet man mit Gestik die Bewegung der Hände, vielleicht auch noch Bewegungen des Kopfes. Da Raben keine Hände haben, verwenden sie vorwiegend ihren Schnabel oder auch ihre Füße um zu gestikulieren. Simone Pika und Thomas Bugnyar haben kürzlich zwei besondere Gesten beschrieben, sogenannte Zeigegesten. Bei diesen Gesten picken die Raben Objekte mit ihrem Schnabel auf, nähern sich dann einem anderen Raben und bleiben vor diesem Raben mit dem Objekt im Schnabel stehen und zeigen dem anderen Raben das Objekt oder versuchen auch, dieses Objekt anzubieten. Das Objekt selbst ist dabei nicht unbedingt von Bedeutung. Es wird "nur" benutzt, um zum Beispiel mitzuteilen: "Komm lass uns zusammen spielen!"

Kolkrabenpaare bleiben ein Leben lang zusammen

Zwei Kolkraben
Kolkrabenpaare sind zärtlich und monogam.

Die komplexen Kommunikationsformen der Raben stehen in enger Beziehung zu ihrem Sozialverhalten. So bleiben Rabenpaare ein Leben lang zusammen und sind extrem kooperativ. Wenn eine Paarbeziehung über eine lange Zeit als Monogamie funktioniert, geht sie mit einer gut funktionierenden Kommunikation einher - denn Kommunikation ist vielschichtiger als nur das gesprochene Wort. So wie die ausgeprägte Kommunikation zwischen Raben dabei hilft, die Junggesellentrupps zu organisieren und zu regeln, tut sie dies anschließend auch bei den Paarbeziehungen. Lediglich bei den Volieren-Vögeln, also den von Menschen aufgezogenen Tieren, scheint es auch Paare zu geben, die sich nicht gut verstehen und viele Konflikte haben.

Raben, Meister der Kommunikation

Krächzen, glucksen oder knacksen und nicht zuletzt gestikulieren. Hinter all dem verbirgt sich eine ausgeklügelte Kommunikation - auch wenn das für unsere Ohren vielleicht nicht so klingen mag.

Autor: Heribert Schöller (HR)

Lesetipps
Rabenschwarze Intelligenz
Josef H. Reichholf
Herbig Verlag, 253 Seiten

Der Kolkrabe
Dieter Glandt
Aula Verlag, 131 Seiten

Rabenvögel, Göttervögel - Galgenvögel
Wolfgang Epple
G. Braun Verlag, 107 Seiten

Rabenschlau
Gertrude Drack
Bayer Verlag (AT), 47 Seiten

Stand: 21.07.2015 15:22 Uhr