SENDETERMIN So, 30.03.14 | 17:00 Uhr

Hightech gegen Straßenschäden

Hightech gegen Straßenschäden | Video verfügbar bis 29.03.2019
Grafik zeigt, wie ein Schlagloch entsteht.
Nach dem Winter ist die Schlaglochgefahr besonders groß.

Im Mai 2010 erlebten Autofahrer im Süden Deutschlands eine böse Überraschung: Die A5 zwischen Offenburg und Baden-Baden wurde über Nacht zur Schlaglochpiste. Zahlreiche Staus und Unfälle waren die Folge. Ein harter Winter und extreme Wetterschwankungen im Frühjahr hatten der ohnehin strapazierten Fahrbahn den Rest gegeben. Ein extremer Fall, aber Schlaglöcher und andere Straßenschäden sind ein brisantes Dauerthema in Deutschland. Besonders groß ist die Schlaglochgefahr nach dem Winter. Tonnenschwere Lkw und Zehntausende Autos pro Tag: Mit der Zeit können so Spurrinnen und feine Risse im Asphalt entstehen. In die Risse kann Wasser eindringen. Wenn dieses im Winter zu Eis gefriert, dehnt es sich aus. Schmilzt im Frühjahr das Eis, entstehen Hohlräume, die Straßendecke hält dem Gewicht schwerer Fahrzeuge nicht mehr Stand. Das Ergebnis: ein Schlagloch.

Ein Laserscanner auf der Autobahn

Ein Laser scannt die Fahrbahn.
Mit Lasertechnik wird die Ebenheit der Fahrbahn erfasst.

Deshalb haben die Verkehrsbehörden eine Taskforce beauftragt. Sie soll Straßenschäden auf Autobahnen und Bundesstraßen ausfindig machen und Schlaglöcher quasi "vorhersehen". Hermann Beuchels Mission steht am Anfang. Er ist Messingenieur und soll schon kleinste Macken in der Fahrbahn aufspüren - bevor sie sich zur Gefahr und Kostenfalle ausweiten. Sein Werkzeug ist ein orangener Transporter, innen und außen voller Hightech: hochauflösende Kameras, um die Straßenoberfläche aufzunehmen; Blitzlichter, die dabei auch winzige Risse sichtbar machen; auf dem Dach ein GPS-System, das die exakte Position der Schäden bestimmt; und schließlich ein unscheinbarer, grauer Kasten. Darin steckt ein Laserscanner, der die Straßenoberfläche abtastet - rund eine Million Mal pro Sekunde. Der Laserscanner vermisst die Fahrbahn über die gesamte Spurbreite und erkennt dabei kleinste Unebenheiten. Zusammen mit den Kamerabildern und den GPS-Daten entsteht so ein Profil der Autobahn.

Mit 80 durch ein Schlagloch

Hermann Beuchel in seinem Fahrzeug
Messingenieur Hermann Beuchel unterwegs auf der A 67

Wie wichtig eine intakte Fahrbahn ist, weiß Beuchel aus eigener Erfahrung. "Einmal habe ich es erlebt auf der A 9 in Bayern", erzählt der Ingenieur. "Da bin ich durch ein Schlagloch gefahren, da ist sogar ein Messsystem ausgegangen. Das ist auf der Autobahn natürlich höchst gefährlich, weil da die Geschwindigkeiten hoch sind. Ich fahre 80 - wenn da einer mit 180 durchfährt, ich glaube, da kann ein Auto kaputt gehen." Für Hermann Beuchel geht es heute über die A 67, eine der Hauptachsen in Südhessen. 70.000 Fahrzeuge pro Tag, davon 10.000 Lkw. Im Jahr 2009 war fast die Hälfte der Fahrbahn sanierungsbedürftig und musste erneuert werden. Mit maximal 90 Stundenkilometern kann Beuchel den aktuellen Zustand der Autobahn messen, sonst wäre der Bordcomputer mit der Datenmenge überfordert.

Messungen im Vier-Jahres-Rhythmus

Grafische Darstellung des Autobahnnetzes in Deutschland
Fast 13.000 Kilometer umfasst das deutsche Autobahnnetz.

Bei jeder Messung ist der Ingenieur zehn Tage am Stück alleine auf Deutschlands Straßen unterwegs. "Die Trennung von der Familie ist schon schwierig", sagt er. "Aber das wissen jetzt alle und haben sich dran gewöhnt, das geht. Das Schöne ist, man kommt in Deutschland rum." Rund 13.000 Kilometer Autobahn müssen innerhalb von zwei Jahren von Messfahrzeugen abgefahren werden - Spur für Spur. Dann sind die Bundesstraßen an der Reihe, danach wieder die Autobahnen. In einem Vier-Jahres-Rhythmus wird so der aktuelle Zustand aller Straßen erfasst.

Die Straßen bekommen Noten

Eine Frau sitz vor zwei Computerbildschirmen.
Entscheidend: die Auswertung der Daten.

Damit aus den gesammelten Daten ein Gesamtbild wird, müssen sie ausgewertet werden. Dafür ist unter anderem Julia Mende zuständig. Die Geoinformatikerin erstellt aus Kamerabildern und Scannerdaten Protokolle. Meter für Meter sichtet sie dafür die Straßenprofile. "Es ist schon mit der Zeit sehr, sehr mühsam", sagt sie. "Weil man eben wirklich lange auf den Computer gucken muss und immer die Schäden sehen muss. Man sieht dann abends schon die Straße vor Augen." Das Ergebnis dieser Arbeit: Die Autobahnen bekommen Noten. Für die A67 sieht es vergleichsweise gut aus. Noch zehn Prozent sind sanierungsbedürftig und sollen größtenteils bald ausgebessert werden. Doch andere Autobahnen schneiden schlechter ab. Anhand der Benotung können die Verkehrsbehörden nun entscheiden, bei welchen Straßen der Handlungsbedarf am größten ist, damit gefährliche Schäden wie Schlaglöcher möglichst gar nicht erst entstehen.

Autor: Carsten Schollmann (HR)

Stand: 07.11.2014 11:29 Uhr