SENDETERMIN Sa, 22.11.14 | 16:00 Uhr

Cluster - der schlimmste Kopfschmerz der Welt

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Cluster - der schlimmste Kopfschmerz der Welt | Video verfügbar bis 19.11.2019

Cluster-Kopfschmerz, Histaminkopfschmerz, Bing-Horton-Syndrom oder auch Suicide-Headache: Es gibt verschiedene Namen für eine seltene Krankheit mit extrem starken einseitigen Kopfschmerzattacken in der Nähe eines Auges. Die Attacken treten in Intervallen gehäuft (in Clustern) auf, besonders häufig nachts. Bei vielen Patienten folgen auf schlimme Cluster-Perioden Monate oder Jahre ohne Schmerzen.

Die Arzthelferin Doris K. war jahrelang Migränepatientin, vor zwei Jahren hat sie Cluster-Kopfschmerzen bekommen. Seitdem hat sie täglich oft mehr als sieben dieser Attacken und kann praktisch keine Nacht mehr durchschlafen. Dass es solche Schmerzen gibt, hätte sie sich nie vorstellen können: "Es ist wie ein heißes Messer, das ins Auge gestochen wird. Man möchte das Auge rausholen, selber, der Schmerz ist da. Man könnte brüllen, den Kopf gegen eine Wand hauen, aus den Fenster springen."

Wie stark sind die Schmerzen und was hilft?

Patientin hält sich eine Sauerstoffmaske vor Mund und Nase.
Sauerstoff hilft bei Attacken

Bei Clusterattacken fängt das Auge auf der Schmerzseite an zu tränen, die Bindehaut ist gerötet, das Lid hängt, die Nase läuft. Die Patienten können nicht ruhig bleiben, müssen sich bewegen - aber am schlimmsten ist der brennende Schmerz hinter dem Auge: Auf einer Schmerzskala von 0 (schmerzfrei) und 10 (schlimmste vorstellbare Folterschmerzen) landet Cluster-Kopfschmerz bei 9 bis 10. Im Vergleich liegt Migräne bei 5 bis 8 und Spannungskopfschmerzen bei 4 bis 5.

Gegen die fast schlagartig einsetzenden Schmerzen inhalieren viele Cluster-Patienten reinen Sauerstoff. Oft helfen auch schnellwirkende Triptan-Nasen-Sprays. Der Wirkstoff Triptan verengt die Blutgefäße.

Was passiert in der Attacke?

Auf einem Röntgenbild ist zu sehen, wie die Sonde im Kiefer verankert ist
Die passive Sonde wird im Kieferknochen verankert.

In Deutschland leiden etwa 100.000 bis 200.000 Menschen unter dem Extremschmerz. Doch bisher wissen Mediziner nur ungefähr, was bei den viertel- bis halbstündigen Cluster-Attacken im Gehirn vor sich geht. Anscheinend sind ähnliche Areale beteiligt wie bei der Migräne. Ziemlich sicher ist wieder der Hypothalamus beteiligt. Wie bei der Migräne ist auch der Gesichtsnerv Trigeminus aktiviert, es werden massiv Botenstoffe ausgeschüttet und in den schmerzenden Bereichen weiten sich die Gefäße. Eine zentrale Rolle spielt aber wohl das Ganglion sphenopalatinum (SPG), ein Nervenknoten nahe der Nasenwurzel, über den bei Attacken die Schmerzreize laufen. Hier setzt eine neue operative Behandlungsmethode an. Dabei wird eine Sonde als Neurostimulator genau neben dem Nervenknoten im Kiefer implantiert. Bei Anfällen wird diese Sonde per Magnetfeld mit Energie versorgt und legt den Knoten mit leichten Stromimpulsen lahm.

Autor: Roland Schenke (BR)

Stand: 24.11.2014 09:28 Uhr