SENDETERMIN So, 14.07.13 | 17:00 Uhr | Das Erste

Ärger im Paradies - Gartenschreck Schnecke

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Ärger im Paradies - Gartenschreck Schnecke | Video verfügbar bis 13.07.2018

Eine Spanische Wegschnecke.

Die Spanische Wegschnecke breitet sich immer weiter aus.

Auf den sprießenden Salat freut sich nicht nur der Hobbygärtner. Häufigster und gefräßigster Eindringling ist die "Spanische Wegschnecke" (lat.: Arion lusitanicus). In einer einzigen Nacht vertilgt sie bis zu 50 Prozent ihres Eigen-Gewichts. Aber mit welcher Methode kann man die gefräßigen Tiere am besten vom Beet fernhalten?

[W] wie Wissen besucht drei Kleingärtner, die den Schnecken dieses Jahr zuvorkommen wollen und ihre Pflanzen vor den Eindringligen schützen wollen.

Wer Erfolg haben will, setzt auf Kombination

Drei Männer zeigen verschiedene Mittel gegen Schnecken

Welche Kombination wirkt?

Beim Kampf ums Gemüsebeet empfiehlt Schneckenexperte Walter Wimmer vom NABU eine Doppelstrategie, denn jede Abwehrmaßnahme hat ihre Stärken und Schwächen: "Manches ist witterungsbedingt, manches geht bei Regen besser, anderes bei Trockenheit, da ist es schon sinnvoll, verschiedene Methoden zu kombinieren. Und dann die positiven Effekte zu summieren", erklärt der Experte.

Genau diesen Rat nehmen sich unsere drei Kleingärtner zu Herzen. Jeder von ihnen zieht eine Schneckenbarriere ums Beet und verwendet zusätzlich noch eine weitere Waffe.

1. Bierfalle und Schneckenzaun

Hans Maaz, unser erster Gärtner, kombiniert einen Schneckenzaun und Bierfallen. Der Zaun aus verzinktem Stahlblech hat eine mehrfach gebogene Kante, er ist acht Meter lang und kostet 60 Euro. Aber Vorsicht! Es darf keine Pflanze, kein Blatt oder Zweig über den Zaun hängen, denn die würden den Schnecken als Brücke dienen. Den Zaun könnten sie so leicht überwinden. Doch selbst ein perfekt aufgebauter Zaun reicht noch nicht. Im Boden könnten sich noch Schnecken verstecken und auch noch welche aus Eiern schlüpfen. Deshalb stellt Hans Maaz Bierfallen ins umzäunte Beet. Wichtig ist: Die Bierfallen nie ohne zusätzliche Schutzzäune zu benutzen, sagt Walter Wimmer, denn Bier ist aromatisch und zieht Schnecken an. Die Schnecken sind so sensibel für die Duftstoffe, dass sie auch noch aus dem Nachbargarten angelockt werden könnten.

2. Kupfer für Schnecken ein Schrecken?

Der zweite Gärtner, Hans Gühna, vermint sein feuchtes Beet mit Schneckenkorn aus Eisen-III-Phosphat. Das ist auch im Ökologischen Landbau zugelassen. Als Barriere gegen neue Eindringlinge verwendet er einen Netzzaun aus Kupferdraht. Der ist etwa sechs Zentimeter hoch und mit etwa 19 Euro für 16 Meter deutlich billiger als der verzinkte Schneckenzaun. Aber ist er auch genauso wirksam? Kupfer soll Schnecken abschrecken - heißt es unter Hobbygärtnern. Wir werden sehen. Eine Woche werden wir die drei Beete mit einer Überwachungskamera beobachten.

3. Das Doppel aus Fadenwürmern und Rindenmulch

Im dritten Garten, bei Hans Piel, kommen Fadenwürmer zum Einsatz - sogenannte Nematoden. Die lebenden, lichtempfindlichen Würmer kommen in einer Tüte mit Lehmpulver und sind gekühlt und lichtgeschützt etwa eine Woche lagerbar. Zum Ausbringen auf dem Beet werden sie in Wasser eingerührt und bei bedecktem Himmel über das Beet gegossen. Die Parasiten befallen dann die Schnecken und infizieren sie mit einem tödlichen Bakterium, das sie zersetzt. Die biologische Waffe kostet für 20 Quadratmeter etwa 20 Euro. Als Barriere nimmt Hans Piel Rindenmulch, den er großzügig um das Beet streut. Die kantigen Stücke des Mulchs sollen die Schnecken davon abhalten, darüber, also ins Beet, zu kriechen.

Welche Methode hat sich am besten bewährt?

Schneckenzaun aus Stahlblech

Um das gebogene Metall kommen die Schnecken nicht herum.

Eine Woche ist vergangen. Zeit für unsere Auswertung. Der verzinkte Schneckenzaun mit den gefalteten Kanten im ersten Garten hat sich bewährt. Das Überwachungsvideo zeigt, dass es die Schnecken nicht über diese Barriere geschafft haben. Gut funktioniert haben auch die zusätzlichen Bierfallen. Nach drei Tagen hat sie Kleingärtner Hans Maaz zum ersten Mal kontrolliert - mit fetter Beute. Zehn Schnecken waren in den Fallen. Die hatten sich offenbar im Boden des Beetes oder geschickt in den Pflanzen versteckt.

Eine Schnecke kriecht über Mulch.

Aufgeweichter Mulch ist kein Schutz.

Die Bilanz in Garten zwei: Eine Rindenmulch-Barriere taugt höchstens in sehr trockenen Sommern. Die ständigen Regengüsse haben den Mulch aufgeweicht, so dass die Schnecken leicht darüber gleiten konnten. Wind und Vögel haben die Barriere zusätzlich zerzaust. Damit ist die Hürde dahin. Die Fadenwürmer sieht der Schneckenexpert Walter Wimmer vom NABU kritisch: "Die Nematoden wirken nicht nur gegen die ein, zwei schädlichen Arten, sondern die stürzen sich auch auf alle anderen Schnecken, die es überhaupt nicht auf das Gemüse abgesehen haben."

Eine Schnecke überwindet einen Kupferzaun.

Diese Schnecke zeigt sich von dem Zaun unbeeindruckt.

Und das Ergebnis des Abwehrdoppels im dritten Garten - Kupfernetzzaun und Schneckenkorn? Die Bilder unserer Videoüberwachung zeigen, Kupferdraht schreckt die Schnecken nicht ab - gleich mehrere kriechen über den Zaun. Das Schneckenkorn aus Eisen-III-Phosphat dagegen wirkt, allerdings erst nach drei Tagen. Und auch Schneckenkorn tötet Schneckenarten, die kein Interesse an Gemüse zeigen. Deshalb sieht Walter Wimmer die Verwendung kritisch. Von noch giftigeren Wirkstoffen, wie etwa Methaldehyd rät der Experte ab, denn wenn man das zum Beispiel zwischen die Erdbeeren streuen würde, dürfe man die erst vier Wochen danach ernten. Doch diese Vorgabe würde sicherlich kaum jemand im Garten einhalten.

Alternative: Schnecken absammeln

In Gärten oder Beeten, in denen nicht so viele Schnecken unterwegs sind, empfiehlt Wimmer, die Schnecken abzusammeln. Besonders effektiv ist das, wenn man es täglich macht und zwar frühmorgens oder spätabends. Unter Blumenkästen, Brettern oder Steinen finden die sonnenscheuen Tiere kühlen Schutz - genau wie unter großen Rhabarber-Blättern.

Doch was tun mit den eingefangenen Schnecken? Für Schneckenfreund Walter Wimmer steht fest: "Methode Gartenschere kommt für mich überhaupt nicht in Frage! Wenn man sie denn loswerden will: notfalls aussetzen. Aber dann bitte besser, dort wo die Tiere sowieso schon leben, also im zivilisierten Bereich und nicht in der totalen Natur oder im Wald aussetzen, wo die Spanischen Wegschnecken womöglich noch nicht vorkommen. Die Gefahr ist sonst, dass die Spanische Wegschnecke sonst immer weiter in unsere natürlichen Lebensräume vordringt."

Unser Fazit: Das beste Abwehrdoppel ist Schneckenzaun und Bierfalle. Die anderen Methoden haben Schwächen. Grundsätzlich sollte man auf Mittel verzichten, die auch nützliche Schnecken-Arten töten oder sogar unserer eigenen Gesundheit schaden könnten.

Natürliche Feinde

Statt auf die Jagd zu gehen, kann man diesen Job auch den natürlichen Freßfeinden der Nacktschnecken überlassen: Igel, Spitzmaus, Laufkäfer, Glühwürmchen und Vögel haben die Tiere und ihre Eier auf dem Speiseplan. Damit sie sich alle wohlfühlen, sollte man im eignen Garten sogenannte "Wilde Ecken" haben und dort der Natur ihren Lauf zu lassen. Und wenn sich die natürlichen Feinde erst wohlfühlen, reduzieren sich die Schnecken ganz automatisch.

Autorin: Celia Baumgart (HR)

Lesetipp:
Schadschnecken - Biologie, Arten und Bekämpfung
Allgaier, Christoph und Albert, Dr. Reinhard
aid infodienst, Bonn, 2008
62 Seiten, 2,50 Euro

Stand: 14.07.2013 17:56 Uhr