SENDETERMIN Sa, 08.11.14 | 16:00 Uhr

Intersexualität

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Intersexualität | Video verfügbar bis 07.11.2019

Bewundert in der Antike

Eine Person steht am Ufer eines Sees
Manche Menschen sind nicht eindeutig männlich oder weiblich.

Menschen, die sowohl weibliche als auch männliche körperliche Merkmale haben, gab es schon immer. In der griechischen Mythologie gibt es die Figur des Hermaphroditos - sein Körper wird beim Bade mit dem einer Nymphe verschmolzen, wodurch er zum Zwitter wird. In der Antike wurden die"Hermaphroditen"bewundert und auch in der Kunst immer wieder dargestellt. Es gibt viele verschiedene Formen der Intersexualität. Meist ist das äußere Genital nicht eindeutig ausgebildet, oder es zeigen sich Auffälligkeiten in der Pubertät, wenn Regel oder Bartwuchs ausbleiben.

Eine Leidensgeschichte

Michaela R. hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Sie kam in einem kleinen mittelfränkischen Ort zur Welt. Die äußere Genitalausbildung erschien weiblich, die Eltern erzogen sie entsprechend. Dass etwas nicht stimmte, das spürte Michaela aber schon als Kind. Erst spät in der Pubertät ging sie zum Frauenarzt, um in Erfahrung zu bringen, was mit ihr los war - und wurde gleich weiter in die Uniklinik nach Erlangen geschickt. Michaela hat ein XY-Chromosom, ist also genetisch ein Mann. Dennoch begann eine langjährige Behandlung mit weiblichen Sexualhormonen, auch operative Eingriffe erfolgten. Richtig aufgeklärt über ihre Situation wurde sie nie und entwickelte schwere gesundheitliche und auch psychische Probleme.

Geschlechtliche Identität

Erst zehn Jahre später machte sie sich frei von ärztlichen Vorgaben, setzte die Hormone ab und definiert inzwischen ihre Identität zwischen Mann und Frau. Ein langer, schwerer Weg, denn in unserer Gesellschaft ist Intersexualität ein Tabuthema. Über eine Selbsthilfegruppe, dem Verein Intersexueller Menschen e.V., konnte Michaela andere Betroffene kennenlernen und endlich Unterstützung finden.

Rechtlicher Kampf

Demonstranten vor dem Brandeburger Tor in Berlin
Aktivisten demonstrieren für ihre Rechte.

Inzwischen sind Fortschritte erkämpft worden: Seit dem 1. November 2013 gilt eine Änderung des Personenstandsregisters. Ein Kind, das bei der Geburt weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden kann, muss ohne Geschlechtsangabe in das Geburtenregister eingetragen werden.

Ein erster Schritt - denn eigentlich geht es den Aktivisten um viel mehr. Sie fordern ein Verbot von geschlechtsangleichenden Operationen und Hormonbehandlungen während der Kindheit, denn das sei Körperverletzung.Selbst bei Erwachsenen sind so weitreichende Entscheidungen über den eigenen Körper riskant. Michaela hat eine Klage gegen das Uniklinikum Erlangen eingereicht und fordert Entschädigung für ihr Leiden und Schmerzensgeld.

Stand: 13.11.2014 11:52 Uhr