SENDETERMIN Sa, 30.09.17 | 16:00 Uhr | Das Erste

Tiny Houses – wohnen to go

Tiny Houses – wohnen to go | Video verfügbar bis 30.09.2022

Wie viel Raum braucht ein Mensch zu wohnen? Wenn es nach Katrin Hoffmann geht, reichen knapp zehn Quadratmeter. So klein ist ihr "tiny house" – eine kompakte Wohnwabe aus Holz, in der sich die Berliner Bloggerin eingenistet hat. Kaffeekochen, duschen, schlafen – all das ist hier möglich. Doch wie bringt man sein ganzes Leben auf so wenig Wohnfläche unter?

Disziplin gegen Durcheinander

Katrin Hoffmann putzt sich in ihrer Nasszelle die Zähne.
Nasszelle – alles drin im Mikro-Bad.

Tiny Häuser sind definitiv nichts für Leute mit Platzangst – und doch sind sie mitunter wahre Raumwunder. Die Kleinstdomizile gelten als ökologische Wohnform der Zukunft. Zumindest in überfüllten Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg. Die winzigen Häuser wurden ursprünglich in den USA erfunden, wo mobiles Wohnen auf kleiner Fläche eine lange Tradition hat. Trotz ihrer geringen Größe sind die Mikro-Häuschen komplett ausgestattet: Katrin hat einen Schreibtisch zum Arbeiten, ein Bett, einen kleinen Ofen für kalte Tage und ein winziges Bad mit Dusche und Waschbecken. "Man ist einfach gezwungen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und zu überlegen, was brauche ich in meinem Leben." Weil das Haus auf Rädern steht, kann Katrin Hoffmann ihr Mini-Domizil überall aufstellen und wieder versetzen – für ein mobiles Leben in der Stadt.

Urbanes Wohnen für alle

Fast 50 Quadratmeter Wohnraum nutzt ein Europäer im Durschnitt. Zu viel – sagt der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel. Er ist einer der Vordenker der deutschen Tiny-House-Bewegung. Wenig Platz, aber für viele finanzierbar – mit dieser Vision hat er einen überschaubaren Wohnwürfel entworfen. Sein Ziel: städtischer Wohnraum für alle. „Wir überlegen, ob es möglich ist, mitten in der Stadt, in München, Berlin, Zürich, wo die Mieten sehr teuer sind, zu existieren mit ganz wenig Einkommen." Noch ist sein "Tiny 100" ein visionärer Prototyp, den sich jeder für nur 100 Euro Miete im Monat leisten können soll. Ausreichend für Singles und Studenten, die ohnehin wenig zuhause sind. Gründen sie später eine Familie, sollen weitere Wohnmodule dazu gemietet werden können.

Autark durchs Land – ohne Probleme?

Holzhaus auf Rädern
Tiny House: Ein Holzhaus auf Rädern.

Der Haken der Tiny Häuser: Weil sie auf Rädern stehen, gelten sie rein rechtlich als Wohnwagen. Es ist also nicht möglich, sich einfach an die nächste Straßenecke oder vor das nächste Café zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, als Wildcamper belangt zu werden. Entfernt man dagegen die Räder, braucht man in Deutschland eine offizielle Baugenehmigung für die ungewöhnliche Behausung. Bislang findet man Tiny Häuser deshalb häufig auf Brachflächen von Landwirten oder in Privatgärten.

Seit ein paar Monaten tüftelt Katrin Hoffmann an einer Weiterentwicklung des Tiny Houses. Um nicht auf Strom und Wasser von öffentlichen Einrichtungen oder Campingplätzen angewiesen zu sein, möchte sie ihr Haus mit einer Grauwasser-Aufbereitungsanlage, Sonnenkollektoren und einem kleinen Windrad ausstatten. Ihr Plan: als digitale Nomadin komplett autark leben und arbeiten. Tiny Häuser sind mehr als simple Wohnwagen: klein, ökologisch, praktisch und vor allem günstig – für die neuen Nomaden unserer Städte.

Autor: Boris Geiger (BR)

Stand: 30.09.2017 13:45 Uhr