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Trogbrücke – Ein Stück Kanal auf Stelzen

Trogbrücke – Ein Stück Kanal auf Stelzen | Video verfügbar bis 09.09.2022

Trogbrücken sind eine spezielle Brückenform für besondere Zwecke. Anders als bei herkömmlichen Konstruktionen liegt das Niveau ihrer Fahrbahn nicht über, sondern unter dem ihrer Hauptträger. Sie werden bei Eisenbahnüberführungen oder zum Überbrücken von Gewässern eingesetzt. Ihre Bauform ermöglicht es aber auch, einen regelrechten Trog auf Stelzen zu errichten und ihn mit Wasser zu fluten. In dieser Ausführung werden sie auch Kanalbrücken genannt, denn sie führen Kanäle über Straßen oder Flüsse. Die größte ihrer Art ist die 918 Meter lange Kanalbrücke Magdeburg, die den Mittellandkanal über die Elbe führt.

Regelmäßiger Rostschutz der Trogbrücke nötig

Bauarbeiter halten eine Stahlplatte
Tonnenschwere Stahlplatten werden zu einer Staumauer verschraubt.

Der gleiche Kanal überquert per Trogbrücke in der Nähe von Hannover das Flusstal der Leine. Genau genommen gibt es hier sogar zwei Trogbrücken: Neben der ursprünglichen Jugendstil-Konstruktion aus dem Jahr 1917 (Alte Fahrt) wurde in den 1980er-Jahren eine zweite, mit 55 Metern mehr als doppelt so breite und vier Meter tiefe Trogbrücke (Neue Fahrt) errichtet. Der Grund: Der Schiffsverkehr nahm stark zu. Alle sechs Jahre wird die Metall-Konstruktion wegen Korrosionsgefahr saniert. Dann kommt die eigentlich stillgelegte Jugendstilbrücke als Ausweichstrecke noch mal zum Einsatz. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten sind wenig spektakulär: Rostschutz und ein neuer Anstrich – das übliche Programm. Aber bevor die Arbeiten beginnen können, muss zunächst das ganze Wasser aus der Brücke. Auf einer Länge von 650 Metern wird der Kanal dafür trockengelegt.

Vom Trog zur Badewanne

Trogbrücke und Mittellandkanal
Vorne die leere Trogbrücke, hinter der Staumauer der Mittellandkanal.

Direkt vor und hinter der Brücke werden dafür zwei Pontons verankert. Die dienen als Aufhängung für insgesamt 24 Stahltafeln, jede drei Tonnen schwer. Sie werden an den Pontons von Baggern zu Wasser gelassen und bilden später die Wand einer temporären Staumauer. Dazu müssen sie von Tauchern exakt verschraubt werden – Milimeterarbeit unter Wasser, bei extrem geringer Sichtweite. Aus dem Trog entsteht durch die beiden Staumauern vor und hinter der Brücke gewissermaßen eine Art überdimensionale Badewanne.

Wasser marsch:150 Millionen Liter Wasser fließen in die Leine

Fahrrad wird aus dem Wasser gezogen
Trauriger Anblick: Zivilisationsmüll vom Grund der Trogbrücke.

Am Boden der "Badewanne" (der Trogbrücke) befindet sich ein großes Loch. Im "Modus Trogbrücke", also bei Normalbetrieb, ist es durch einen Schieber verschlossen. Erst wenn die Staumauern stabil stehen, also im "Modus Badewanne", wird dieser "Stöpsel" per Knopfdruck gezogen. 150 Millionen Liter Wasser strömen dann in das direkt darunter liegende Flüsschen Leine. Wenn alles gut läuft, dann ist die Trogbrücke nach einer Nacht fast leer. Den Rest erledigen dann klassische Pumpen.

Endlich auf dem Trockenen: Sanierung kann beginnen

Am Grund der entleerten Brücke finden sich einige rostige Fahrradgerippe, Einkaufswagen und was sonst so an Zivilisationsmüll achtlos in den Kanal entsorgt wurde. Nachdem auch der beseitigt und das Metall gesäubert ist, können endlich die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen.

Autor: Hendrik Backhus (NDR)

Stand: 07.09.2017 20:21 Uhr

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