SENDETERMIN Sa, 10.10.15 | 16:00 Uhr | Das Erste

Angriff auf den Körper

PlayViren
Beitrag vorab: Angriff auf den Körper | Video verfügbar bis 07.10.2020

Am falschen Tag, am falschen Ort. Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben. Aber für diese Erkenntnis ist es häufig zu spät. Jährlich erkranken vier bis zehn Prozent der Bevölkerung an Grippe und wohl jeder weiß, was es heißt, von einer solchen ans Bett gefesselt zu sein.

Achtung Virus

Körpereigene Killerzellen als  Kämpfer dargestellt
Körpereigene Killerzellen zerstören kranke Zellen und Viren.

Ein paar Mal kräftig niesen reicht und schon ist der Raum voll mit Influenza-Viren auf der Suche nach einem neuen Wirt. Feinste Tröpfchen transportieren die Viren durch die Luft. Das Ziel der Grippeerreger sind die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen. Hier dringen die Viren in die Zellen ein, um sich dort zu vermehren. Ist eine Zelle infiziert, ruft sie sofort die angeborene Immunabwehr auf den Plan. Ein Botenstoff signalisiert den Nachbarzellen die Virengefahr. Die so gewarnten Zellen starten jetzt eine Reihe von Schutzmaßnahmen gegen die einfallenden Erreger. So erschweren sie den Viren das Eindringen. Gleichzeitig ruft die befallene Zelle das spezifische Immunsystem um Hilfe. Es soll mit genau auf die Viren abgestimmten Antikörpern die Invasion beenden. Doch deren Produktion dauert mehrere Tage.

Angriff der Killerzellen

Eine Person liegt mit Fieber im Bett.
Fieber ist eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers.

Die angesteckte Person ist dem Angriff der Viren aber nicht hilflos ausgeliefert. Jeder verfügt über eine angeborene Immunabwehr. Deren wichtigste Krieger sind die Killerzellen. Die Killerzellen werden von den Signalen der infizierten Zelle in die Schleimhäute geholt. Für die befallenen Zellen selbst ist es zu spät. Das eingeschleuste Viruserbgut hat sie dazu gebracht, Virusbestandteile herzustellen und zusammenzusetzen. Die Zelle wird zum Virus-Produzenten. Innerhalb von nur zwei Tagen verlassen bis zu 100.000 Viren die infizierte Zelle.

Genau das sollen die Killerzellen verhindern. Diese zerstören die infizierten Zellen mitsamt den Viren. Dadurch wird der Virennachschub gestoppt. Die infizierten Zellen haben sozusagen ihren eigenen Henker gerufen. Allerdings wären sie auch ohne Killerzellen umgekommen. Denn die Virenproduktion laugt sie so aus, dass sie absterben. Das Gemetzel der Killerzellen hinterlässt deutliche Spuren. Die Schleimhaut ist verletzt. Der Hals ist entzündet und schmerzt. Das Opfer spürt typische Grippesymptome wie Müdigkeit und Gliederschmerzen.

Vom Antikörper zur Genesung

Eine Zelle und bekämpfte Viren als Grafik
Die vom Immunsystem produzierten Antikörper verhindern weiteres Eindringen der Viren.

Zum Glück greift auch das Gehirn in die Abwehr der Viren ein. Es lässt die Körpertemperatur ansteigen. Der Patient bekommt Fieber. Das ist gut für den Kampf gegen die Eindringlinge. Denn durch die höhere Temperatur werden Stoffwechsel und Durchblutung beschleunigt. Drei bis zehn Tage dauert dieser Zustand in der Regel. Dann ist auch die spezifische Immunabwehr bereit und produziert massenhaft Antikörper. Die winzigen Verteidiger sind genau auf das Virus abgestimmt. Sie umhüllen die Viren. So können diese nicht mehr in die Zellen eindringen. Die unschädlichen Viren klumpen zusammen. Fresszellen räumen die Klumpen weg und vernichten auch die Reste der getöteten Zellen.

Zurück bleibt eine zerstörte Schleimhaut, die nur langsam wieder abheilt. Die Immunabwehr hat ihre Arbeit getan und ist durch die Infektion gestärkt worden. Denn die neu produzierten Antikörper sind jetzt genau auf das Grippevirus abgestimmt und können sofort eingreifen, wenn es wieder mal auftaucht. Das bedeutet, die Person ist immun und kann vom selben Virus nicht ein zweites Mal infiziert werden.

Autor: Hilmar Liebsch (SWR)

Stand: 10.10.2015 15:31 Uhr

Sendetermin

Sa, 10.10.15 | 16:00 Uhr
Das Erste