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Almeria: Der Gemüsegarten Europas braucht Wasser

PlayPlastikmeer aus der Vogelperspektive
Almeria: Der Gemüsegarten Europas braucht Wasser  | Video verfügbar bis 14.04.2023 | Bild: WDR

In Andalusien regnet es kaum, die Sonne brennt vom Himmel, das Wasser ist knapp. Ausgerechnet hier, im sogenannten Plastikmeer, wird Gemüse für ganz Europa angebaut. Deutschland gehört zu den Ländern, die am meisten davon kaufen - Tomaten, Zucchini oder Gurken. Doch das Gemüse braucht sehr viel Wasser. Die Wassersparmaßnahmen der Landwirte reichen nicht aus, um weiterhin Gemüse für den Export anbauen zu können, zumal die Anbauflächen zunehmen. Damit der Boden in der Region nicht noch weiter austrocknet, braucht es neue Lösungen.

Gemüse (fast) aus der Wüste

Manuel Garcia Quero und ein Mitarbeiter
Der Gemüseanbau verstärkt das Wasserproblem. | Bild: WDR

Manuel García Quero ist Landwirt in Andalusien. Besucht man ihn in seinen Gewächshäusern, sieht man gut gedeihende Gemüse-Pflanzen, vor allem Paprika. Doch Manuel muss Wasser sparen, denn er baut sein Gemüse in einer der trockensten Regionen Europas an – einen Katzensprung entfernt von der Tabernas, der einzigen echten Wüste Europas. Und Manuel ist nicht allein: Rund um die Stadt Almeria reiht sich Gewächshaus an Gewächshaus. Man nennt diese Gegend auch "mar de plástico", Plastikmeer. Insgesamt nehmen die Gewächshäuser eine Fläche von rund 50.000 Fußballfeldern ein. Da es in dieser Region kaum regnet und es kaum Flüsse gibt, benutzen die Bauern das Grundwasser für die künstliche Bewässerung.

Inzwischen sind die einst reichlich vorhandenen Grundwasservorräte knapp. Deswegen nutzen Manuel und die anderen Landwirte viele Möglichkeiten, um Wasser zu sparen. Manuel misst vor dem Gießen die Trockenheit des Bodens, um abzuschätzen wie viel Wasser er gießen muss. Und das Wasser lässt er nicht einfach auf die Felder laufen, sondern er nutzt die Tröpfchen-Bewässerungsmethode. Die bringt das Wasser gezielt zu den Pflanzen - Tröpfchen für Tröpfchen und nur so viel wie die Pflanze braucht. Inzwischen gibt es an der Küste vor dem Plastikmeer eine Entsalzungsanlage. Sie macht aus Meerwasser Süßwasser. Manuel und die Landwirte in der Nähe können einen Teil ihres Wasserbedarfs dadurch decken. Doch das Wasser ist teuer. Und: Wasserentsalzung braucht viel Energie. Die bisherigen Anlagen benutzen dazu fossile Brennstoffe und belasten dadurch das Klima.

Umweltfreundlich entsalzen

Guillermo Zaragoza
Guillermo Zaragoza möchte das Wasserproblem der Bauern umweltfreundlich lösen. | Bild: WDR

Anders ist es in der Versuchsanlage von Guillermo Zaragoza: Er arbeitet in dem Forschungszentrum Plataforma Solar de Almeria. Es liegt in der nahe gelegenen Wüste. Verschiedene internationale Forschungsgruppen untersuchen hier, wie man die Sonnenergie am besten nutzen könnte. Guillermo benutzt die Sonnenergie für eine Entsalzungsanlage im Labor. Dafür verdampft er künstliches Meerwasser mit Sonnenergie. Nur der Wasserdampf kann durch eine Membran gelangen, Salz und Schadstoffe bleiben zurück. Am Ende des Prozesses entsteht destilliertes Wasser. Es gibt bereits Prototypen und erste Gespräche mit Bauernverbänden über die nächsten Versuche haben bereits stattgefunden.

Abwasser für den Salat

Salate in einem Versuchsgewächshaus werden gegossen
Auch in der Landwirtschaft muss das Wasser weitgehend keimfrei sein. | Bild: WDR

Guillermos Kollegin Pilar Fernández verfolgt einen anderen Ansatz. Sie will das Abwasser der Städte umweltfreundlich von Keimen befreien. Zumindest soweit, dass das Wasser in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. Das Problem: In Spanien fehlen viele Kläranlagen, vor allem in den Ballungsräumen. Und in manchen Orten wird das Abwasser nicht wie in Deutschland in drei Stufen geklärt, sondern nur in einer oder zwei Stufen. Dieses Wasser sieht zwar sauber aus, enthält aber noch zu viele Keime. Mit Pflanzen, die roh gegessen werden, kämen die Keime quicklebendig auf den Teller.

Um das Wasser aus den Kläranlagen zu desinfizieren, fügt Pilar eine winzige Menge Wasserstoffperoxid zum Wasser hinzu und setzt es mehrere Stunden dem Sonnenlicht aus. Dann werden Pflanzen im Versuchsgewächshaus damit gegossen. Die bisherigen Versuche sehen vielversprechend aus. Die Pflanzen, die mit dem so behandelten Wasser gegossen wurden, sind keimfrei und essbar.

Eines Tages sollen diese beiden umweltfreundlichen Methoden über das Versuchsstadium hinauskommen und Wasser für die Bauern zur Verfügung stellen. Dann könnten sie mithelfen, den Bauern ihre Lebensgrundlage zu erhalten und gleichzeitig die Region vor Austrocknung und weiterer Wüstenbildung zu bewahren.

Autorin: Tanja Winkler (WDR)

Stand: 14.04.2018 12:51 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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