SENDETERMIN Sa, 21.03.15 | 16:00 Uhr

Zucker in Zahlen

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Video vorab: Zucker in Zahlen (zur Sendung am 21.03., 16:00 Uhr) | Video verfügbar bis 20.03.2020 | Bild: NDR

Die Welt produziert laut dem US-amerikanischen Agrarministerium 175 Millionen Tonnen Zucker pro Jahr. Eine unvorstellbar große Menge. Wir versuchen trotzdem, uns ein Bild davon zu machen: Würde man diese Zuckermenge in Form von Zuckerwürfeln stapeln, könnte man damit die Fassade des höchsten Gebäudes der Welt bauen - den fast 830 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai. Und zwar nicht nur einmal, sondern unglaubliche 255 Mal.

Überblick über unseren Zuckerkonsum bei Süßspeisen.
Im Schnitt nehmen wir täglich rein rechnerisch knapp 24 Teelöffel Zucker direkt oder indirekt zu uns. | Bild: WDR

In Deutschland verbraucht ein Mensch durchschnittlich rund 35 Kilogramm Zucker im Jahr. Dieser Wert lag in den letzten Jahrzehnten relativ stabil zwischen 32 und 40 Kilogramm im Jahr. Die Industrie argumentiert daher, dass der Zuckerverbrauch bei uns nicht gestiegen sei. Blickt man weiter zurück, erkennt man allerdings besser, dass der Konsum im Laufe des industriellen Zeitalters deutlich gestiegen ist: Laut Zollaufzeichnungen des Deutschen Reiches lag der Pro-Kopf-Zuckerkonsum im Jahr 1874 noch bei 6,2 Kilogramm. Noch ein konstruiertes Bild für diese Menge: Wäre die durchschnittliche Körpergröße seitdem im gleichen Verhältnis gewachsen wie unser Zuckerkonsum, wäre ein deutscher Mann heute 9,39 m groß.

Wo versteckt sich der ganze Zucker?

Der sogenannte Haushaltszucker wird in relativ geringen Mengen als Zucker im Haushalt verbraucht. Das meiste steckt in industriell verarbeiteten Produkten. Das Augenfälligste sind Süßwaren und Knabberartikel. Ein Deutscher isst im Jahr - laut Hersteller-Statistik:

  • rund zehn Kilogramm Schokolade und Schokoladeerzeugnisse aus weiterverarbeiteten Produkten, wie beispielsweise Osterhasen
  • rund zwei Kilogramm Kakaopulver, das vor allem in der industriellen Fertigung eingesetzt wird
  • fünfeinhalb Kilogramm Bonbons und Zuckerwaren, wie unter anderem kandierte Früchte, Fruchtgummis und Marzipan
  • sieben Kilogramm sogenannte feine Backwaren, wie Kekse, Lebkuchen und Knäckebrot
  • dreieinhalb Kilo gesüßte Knabberartikel, zum Beispiel Chips oder Cracker
  • sowie die gleiche Menge an Speiseeis und Sorbets.

Zucker in Fleischsalat, Rotkohl, Pizza und Co.

Zucker
Zucker ist ein Geschmacksträger und ein relativ günstiger Rohstoff. | Bild: photos.com

Allerdings steckt der Großteil des Zuckers gar nicht in den Süßigkeiten, die wir essen. Zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs werden industriell in Getränken, Backwaren, Brotaufstrichen und Milchprodukten verarbeitet. Vor allem Fertiggerichte und Limonade enthalten große Zuckermengen.

Unerwartet hohe Zuckermengen fand die Verbraucherzentrale bei einem Marktcheck aber auch in beispielsweise fettreduziertem Fleischsalat (6,5g pro 100g), einem für Kinder ausgelobten Knusperbrot (36g / 100g)), einem Wellnessaufstrich mit Erdbeergeschmack (38,3g / 100g), Erdbeerjoghurt (17g / 100g) und Kakaopulver (38,1g / 100g). Und auch in Schinken, Rotkohl, Fertig-Salatdressing, Knusper-Müsli, Fertigpizza und Leberwurst ist Zucker enthalten. Eine Liste, die man ewig weiterführen könnte.

Der Grund: Zucker ist ein Geschmacksträger und ein relativ günstiger Rohstoff. Und er hat spezifische Eigenschaften, die sich positiv auf die Konsistenz und Haltbarkeit von Nahrungsmitteln auswirken.

Was kann man tun?

Im Schnitt nehmen wir also täglich rein rechnerisch knapp 24 Teelöffel Zucker direkt oder indirekt zu uns. Die Weltgesundheitsorganisation WHO vertritt nach einer Analyse aller wissenschaftlichen Studien zur Verbindung zwischen Zuckerkonsum und Übergewicht eine ganz klare Position: Zucker sollte nur fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs eines Erwachsenen ausmachen, also nur knapp sechs Teelöffel.

Die WHO bezieht sich in ihrer Leitlinie auf den sogenannten zugesetzten Zucker - also Zucker der Speisen und Getränken vom Hersteller, Koch oder Konsumenten zugeführt wird. Aber auch Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsaft und Fruchtkonzentrat enthalten ist. Ausgenommen ist der natürlicherweise in frischem Obst, Gemüse und Milch enthaltene Zucker. Es gebe keine Hinweise, dass dieser sich negativ auf die Gesundheit auswirkt.

Ein Blick auf die Nährwerttabelle auf der Rückseite der Verpackungen offenbart wie radikal dieses Ziel ist. Denn sechs Teelöffel enthalten - und das ist das Ergebnis unserer subjektiven Stichprobe - bereits folgende Produkte:

  • ein Nutellabrot mit 43 Gramm Schokoaufstrich (ohne den Zuckergehalt im Brot)
  • ein 200-Milliliter-Fläschchen eines Bio-Mango-Smoothies
  • nur 39 Gramm eines populären Schokoriegels
  • zwei Gläser eines mit „"aktiv" deklarierten Wassers mit Pfirsichgeschmack
  • ein Glas Fertigtomatensoße "Basilikum"
  • 250 Milliliter Erdbeermilch (das ist eine Portion "Schulmilch", wie sie an vielen Schulen verkauft wird)

Haben wir eine Chance, unseren Zuckerkonsum auf dieses Maß zu reduzieren?

Autor: Fabian Wolf (WDR)

Stand: 21.03.2015 15:22 Uhr

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Sa, 21.03.15 | 16:00 Uhr